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Und der Herr sei ihnen gnädig

Und der Herr sei ihnen gnädig

Titel: Und der Herr sei ihnen gnädig Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Faye Kellerman
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dort. Ich weiß nichts!« Wieder hielt ihm mein Vater die Waffe vors Gesicht. Ich drohte Dad mit dem Finger. An Pepe gewandt sagte ich: »Hören Sie zu, ich habe eine Idee. Sagen Sie mir, wem der Wagen gehört, dann kann ich Ihnen diesen Typen« - ich deutete auf Dad - »vielleicht vom Hals schaffen.«
    Pepe starrte erst mich an, dann Decker. Ich weiß nicht, ob er den Sinn meiner Worte so ganz begriff, aber er verstand zumindest den Ton. Dad übersetzte, was ich gesagt hatte. Renaides wandte sich an mich.
    »Welcher Wagen?«
    »Ein Chevrolet Nova. Bronzefarben. Grundierfarbe an der Fahrertür. Getönte Scheiben. Verbeult. Alt.«
    »Ich weiß nichts von carro. Ich weiß nicht, wer fährt,... ich war nicht dabei. Pero si el carro es caliente... wenn er heiß ist, dann kenne ich die Leute... die Leute, die carro verkaufen.«
    Mein Vater und ich wechselten einen Blick.
    Pepe witterte eine Chance, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. »Ich gebe Ihnen numeros... Adresse.«
    »Nein, du wirst uns die Adresse zeigen«, entgegnete Dad.
    Renaides sah mich an. Ich starrte meinen Vater an. »Wir fahren einen Zweisitzer.«
    »Dann mach ihm eine Freude. Setz dich auf seinen Schoß.«

37
    Pepe erklärte Decker, dass er seine Klamotten in einer Schachtel unter dem Bett aufbewahrte. Der Loo wählte ein paar Sachen für ihn aus und hielt weiter die Waffe auf ihn gerichtet, während Renaldes sich anzog. Ich nutzte die Gelegenheit, mich ein wenig umzusehen, wobei ich in regelmäßigen Abständen an die Schranktür klopfte. Allmählich begann mir der Hund Leid zu tun, aber dann fiel mir ein, dass ich mal irgendwo gelesen hatte, ein Pitbull könne mit seinem Kiefer einen Druck von ungefähr zweitausend Pfund ausüben. Die Vorstellung, nur noch ein halbes Gesicht zu haben, dämpfte mein Mitgefühl.
    In Pepes Schubladen stieß ich auf eine Tüte voller Pillen und eine Pistole - einen geladenen Colt.32. Ich zeigte ihn meinem Vater. Pepe war gerade damit beschäftigt, seine Turnschuhe zuzubinden.
    »Amigo«, sagte Decker.
    Pepe blickte auf.
    »Hast du für die einen Waffenschein?« Keine Antwort.
    »Hab ich mir's doch gedacht. Wir werden sie uns ausleihen.«
    Da ich mit der üblichen Polizei-Beretta vertrauter war, tauschten Decker und ich die Waffen. »Hast du damit je geschossen, Renaides? Ich werde sie nämlich im Labor untersuchen lassen, und falls sie bei einem Verbrechen benutzt wurde, könntest du Probleme bekommen.«
    »Ich habe sie gefunden«, erklärte Pepe.
    »Ja, genau wie die Drogen hier, stimmt's?« Ich hielt die Tüte mit den Pillen hoch. Renaides warf mir einen müden Blick zu.
    »Hey«, sagte ich. »Wenn Sie nett zu uns sind, sind wir auch nett zu Ihnen.«
    Decker griff sich einen von Renaides' Gürteln und band die Handgelenke des kleinen Mannes hinter seinem Rücken zusammen. »Du darfst das nicht persönlich nehmen.« Er packte ihn auf der einen Seite, ich auf der anderen, und gemeinsam geleiteten wir ihn zur Tür.
    »Was ist mit meinem Hund?«
    »Wenn es nicht zu lange dauert, hält er das schon aus«, antwortete Decker. »Gehen wir.«
    Der Porsche hatte hinten einen winzigen Notsitz. Nachdem ich mich seitlich hineingequetscht hatte, platzierte Dad Pepe auf dem Beifahrersitz. Wir lösten seine Fessel für einen Moment und banden ihm die Hände dann hinter dem Sitz wieder zusammen. Ich war bewaffnet, Dad ebenso. Der Loo ließ den Wagen an, und wir fuhren los.
    Im Grunde waren wir gerade im Begriff, Pepe zu entführen. Ich hatte ein ziemlich ungutes Gefühl dabei, doch gleichzeitig zeigte es mir, wie leicht es war, die Grenze zu überschreiten. Mein Vater war kein korrupter Cop, da war ich mir ganz sicher, aber er schien trotzdem kein Problem damit zu haben, von der normalen Vorgehensweise abzuweichen, wenn es seinen Zwecken diente.
    Was aber bedeutete das für mich?
    Ich würde meinen Vater auf keinen Fall im Stich lassen, und um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen, redete ich mir ein, dass ich als sein imaginärer Schutzengel auf seiner rechten Schulter saß, um ihn bei Bedarf zurückzupfeifen.
    Ich hielt eine Waffe in der Hand und war bereit, sie zu benutzen, wenn es sein musste, aber zum Glück bereitete uns Pepe keinerlei Probleme - ganz im Gegenteil. Er war ein eher passiver Typ, der schon seit knapp drei Jahren in derselben Wohnung lebte. Allmählich begann ich daran zu zweifeln, dass dieser kleine Waschlappen tatsächlich an der Vergewaltigung von Sarah Sanders beteiligt gewesen war. Ich fragte mich, ob

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