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Vergebung

Vergebung

Titel: Vergebung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stieg Larsson
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schließlich schon Björcks Bericht aus seiner Wohnung entwendet.«
    »Genau. Er weiß, dass er überwacht wird, und er überwacht die Leute, die ihn überwachen. Er ist ganz schön abgebrüht.«
    »Was hat er vor?«
    »Er hat einen Plan. Er sammelt Informationen und will Göran Mårtenssons Machenschaften irgendwann publik machen. Das ist das einzig Einleuchtende.«
    »Und dann ist diese Frau namens Linder aufgetaucht.«
    »Susanne Linder, 34 Jahre alt, wohnhaft in Nacka. Sie ist eine ehemalige Polizistin.«
    »Polizistin?«
    »Sie ist auf der Polizeischule gewesen und hat sechs Jahre lang bei der Einsatztruppe in Södermalm gearbeitet. Dann hat sie plötzlich gekündigt. Sie war ein paar Monate arbeitslos, bevor sie bei Milton Security angefangen hat.«
    »Bei Dragan Armanskij …«, sagte Edklinth nachdenklich. »Wie lange war sie in der Wohnung?«
    »Neun Minuten.«
    »Und hat was gemacht?«
    »Offenbar dokumentiert sie alles, was die anderen tun. Das bedeutet, dass Milton Security mit Mikael Blomkvist zusammenarbeitet und Überwachungskameras in seiner Wohnung oder im Treppenhaus installiert hat. Wahrscheinlich ist sie oben gewesen, um sich die Aufnahmen aus den Kameras zu holen.«
    Edklinth seufzte. Diese Zalatschenko-Geschichte wurde schrecklich kompliziert.
    »Gut, danke. Gehen Sie nach Hause. Ich muss in Ruhe über alles nachdenken.«
     
    Mikael Blomkvist benutzte sein blaues T10-Handy von Ericsson, als er die Nummer von Erika Berger bei der SMP wählte. Er platzte mitten in eine Diskussion hinein, die Erika gerade mit ein paar Redakteuren führte. Es ging um den Standpunkt, den die Zeitung in einem Artikel zum internationalen Terrorismus einnehmen sollte.
    »Ja, hallo … warte mal kurz.«
    Erika legte die Hand auf die Sprechmuschel und sah sich um.
    »Ich glaube, wir sind dann fertig«, sagte sie und gab ein paar letzte Anweisungen, wie sie sich den Artikel wünschte. Als sie allein in ihrem Glaskasten war, hob sie den Hörer wieder ans Ohr.
    »Hallo, Mikael. Entschuldige, dass ich mich nicht gemeldet habe. Ich stecke bis über beide Ohren in Arbeit und muss mich hier in tausend Dinge einarbeiten.«
    »Ich hab auch nicht gerade Däumchen gedreht«, sagte Mikael.
    »Wie läuft es mit der Salander-Geschichte?«
    »Gut. Aber deswegen rufe ich gar nicht an. Ich muss mich mit dir treffen. Heute Abend.«
    »Ich wünschte, ich könnte, aber ich muss bis acht Uhr hierbleiben. Außerdem bin ich todmüde. Ich bin schon seit sechs Uhr morgens zugange.«
    »Ricky … ich rede nicht von deinem Sexleben. Ich muss mit dir reden. Es ist wichtig.«
    Erika schwieg einen Moment.
    »Worum geht’s?«
    »Darüber reden wir, wenn wir uns sehen. Aber es ist nichts Angenehmes.«
    »Okay. Ich komme gegen halb neun zu dir nach Hause.«
    »Nein, nicht in meine Wohnung. Das ist eine lange Geschichte, aber meine Wohnung ist im Moment kein guter Ort, um sich zu verabreden. Komm doch einfach in ›Samirs Kochtopf‹, dann trinken wir ein Bier.«
    »Ich muss noch fahren.«
    »Gut. Dann trinken wir eben ein alkoholfreies Bier.«
     
    Erika Berger war etwas irritiert, als sie um halb neun »Samirs Kochtopf« betrat. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, weil sie sich seit ihrem Dienstantritt bei der SMP kein einziges Mal bei Mikael gemeldet hatte. Aber sie hatte auch noch nie so viel um die Ohren gehabt wie im Moment.
    Mikael Blomkvist winkte von einem Ecktisch am Fenster. Sie zögerte. Mikael kam ihr für einen kurzen Augenblick wie ein Fremder vor, und sie spürte, wie sie ihn mit ganz neuen Augen betrachtete. Wer ist das? Mein Gott, bin ich müde . Dann stand er auf und küsste sie auf die Wange, und sie merkte zu ihrem großen Schrecken, dass sie mehrere Wochen lang nicht ein Mal an ihn gedacht hatte - und dass sie ihn wahnsinnig vermisste. Als wäre die Zeit bei der SMP nur ein Traum gewesen. Irgendwie fühlte sich alles so unwirklich an.
    »Hallo, Mikael.«
    »Hallo, Chefredakteurin. Hast du schon was gegessen?«
    »Es ist halb neun. Ich hab nicht so schaurige Essgewohnheiten wie du.«
    Dann merkte sie aber, dass sie doch einen Riesenhunger hatte. Samir kam mit der Speisekarte, und sie bestellte sich ein leichtes Bier und einen kleinen Teller Calamares mit Kartoffelspalten. Mikael bestellte sich Couscous und ebenfalls ein leichtes Bier.
    »Wie geht es dir?«, fragte sie.
    »Wir leben in einer interessanten Zeit. Ich hab alle Hände voll zu tun.«
    »Wie läuft es mit Salander?«
    »Sie gehört zu den interessanten Dingen.«
    »Micke,

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