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Vorkosigan 15 Ein friedlicher Angriffsplan

Vorkosigan 15 Ein friedlicher Angriffsplan

Titel: Vorkosigan 15 Ein friedlicher Angriffsplan Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Lois McMaster Bujold
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keineswegs so geruchsintensiv oder reichlich waren, wie Kareen es erwartet hatte, und das war angenehm, denn die Aufgabe, täglich die Käferkäfige zu reinigen, war ihr zugefallen. Gar nicht so schlecht für die Arbeit einer ersten Woche.
    »Eine Frage«, sagte die Frau und ließ ihren Blick über die aufgehäuften Ahornschnipsel im ersten Behälter schweifen. »Wofür braucht er die ganzen Späne?«
    »Ach, kommen Sie doch herein, dann werde ich es Ihnen zeigen«, sagte Kareen begeistert. Die dunkelhaarige Frau reagierte auf Kareens freundliches Lächeln und ließ sich trotz ihrer offenkundigen Zurückhaltung in den Raum locken.
    »Ich bin die Leitende Käferhüterin dieser Firma«, fuhr Kareen fort. »Man wollte mich Laborassistentin nennen, aber ich dachte mir, als Teilhaberin sollte ich mir

wenigstens meine Berufsbezeichnung selber aussuchen
    dürfen. Ich gebe zu, dass ich keine anderen Hüter habe, deren Leiterin ich bin, aber es schadet nie, wenn man optimistisch ist.«
    »In der Tat.« Das leichte Lächeln der Frau hatte
    überhaupt nichts von der Herablassung einer Vor an sich; verflixt, sie hatte nicht gesagt, ob es sich bei ihr um Lady oder Madame Vorsoisson handelte. Einige Vor nahmen es einem ziemlich übel, wenn man nicht ihren korrekten Titel - 211 -
    benutzte, besonders wenn er bis jetzt die hauptsächliche Leistung in ihrem Leben darstellte. Nein, wenn diese Ekaterin von der Sorte wäre, dann hätte sie bei der ersten möglichen Gelegenheit die Tatsache hervorgekehrt, dass sie eine Lady war.
    Kareen öffnete den Stahlgitterdeckel eines der
    Käferkäfige, langte hinein und holte eine einzelne
    Arbeiterin heraus. Sie war inzwischen ziemlich gut im Umgang mit den kleinen Viechern, ohne dass sie einen Brechreiz verspürte, solange sie nicht zu eingehend auf den bleichen pulsierenden Unterleib schaute. Kareen hielt den Käfer der Gärtnerin hin und begann mit Erklärungen, die Marks Verkaufsgespräch (»Bessere Butterkäfer für ein besseres Barrayar«) ziemlich nahe kamen.
    Obwohl Madame Vorsoisson die Augenbrauen hochzog,
    kreischte sie nicht, fiel nicht in Ohnmacht und lief nicht vor dem ersten Anblick eines Butterkäfers davon. Sie folgte Kareens Erläuterungen mit Interesse und war sogar bereit, den Käfer zu halten und ihn mit einem Ahornblatt zu füttern. Wenn man lebende Wesen fütterte, dann entstand so etwas wie eine Bindung, wie Kareen zugeben musste; sie würde sich diesen Trick für zukünftige Präsentationen merken müssen. Enriques Interesse wurde durch die Stimmen geweckt, die bis zu seiner KomKonsole drangen und sein Lieblingsthema erörterten; er gesellte sich zu den Frauen und tat sein Bestes, um Kareen die Tour zu vermasseln, indem er zu ihren wirkungsvoll knappen Erklärungen lange, weitschweifige fachliche Fußnoten hinzufügte. Das Interesse der Gartengestalterin nahm sichtbar zu, als Kareen darauf zu sprechen kam, dass mit - 212 -
    zukünftiger Forschungs-und Entwicklungsarbeit ein Käfer geschaffen werden könnte, der von einheimischer barrayaranischer Vegetation lebte.
    »Wenn man ihnen beibringen könnte, Drosselranken zu
    fressen, dann würden die Bauern auf dem Südkontinent
    schon allein deshalb ganze Kolonien kaufen und halten«, sagte Madame Vorsoisson zu Enrique, »ganz gleich, ob sie essbare Nahrung hervorbringen oder nicht.«
    »Wirklich?«, fragte Enrique. »Das habe ich nicht
    gewusst. Sind Sie mit der hiesigen planetarischen Botanik vertraut?«
    »Ich bin keine voll ausgebildete Botanikerin – noch
    nicht –, aber ich habe einige praktische Erfahrung, ja.«
    »Praktische Erfahrung«, wiederholte Kareen. Eine
    Woche Umgang mit Enrique hatte in ihr eine neue
    Wertschätzung für diese Qualifikation geweckt.
    »Dann schauen wir uns doch einmal diesen Käferdünger
    an«, schlug die Gärtnerin vor.
    Kareen führte sie zu dem Müllbehälter und öffnete den Deckel. Die Frau guckte auf den Haufen dunklen, krümeligen Materials, beugte sich vor, schnüffelte, fuhr mit der Hand hinein und ließ einiges durch die Finger rinnen.
    »Du lieber Himmel!«
    »Was ist denn?«, fragte Enrique besorgt.
    »Das sieht aus, fühlt sich an und riecht wie der feinste Kompost, den ich je gesehen habe. Wenn Sie es chemisch analysieren, was kommt dann heraus?«
    »Nun, das hängt davon ab, was die Mädels gefressen
    haben, aber…«Enrique ließ sich zu einem Vortrag
    - 213 -
    hinreißen, der sich wie ein Ostinato über die periodische Tafel der Elemente anhörte. Kareen verstand nur die

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