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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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mehr indes als diese Wurzelstubben von kolossalem Durchmesser ist der Markstein selbst eine Sehenswürdigkeit. Es ist derselbe, über den wir schon weiter oben berichtet haben. Er mißt etwa acht Fuß im Quadrat, geht über vierzehn Fuß in die Tiefe und ragt nur wenig aus dem Erdreich hervor. Natürlich hat ihn nicht Menschenhand hierher gelegt und die Annahme hat nichts Gezwungenes, daß er ein Opferstein der Ureinwohner war. Auf diesem Stein zu schlafen, müßte mindestens eben so unheimlich wie unbequem sein.
    Und von diesem an höchster Stelle gelegenen »Markstein« aus haben wir jetzt nach vorgängiger Kenntnisnahme der Einzelheiten alles in der Klarheit einer Reliefkarte vor uns. Wir erkennen deutlich die Mauer, die Tore, die Hauptstraße, die Kirche, die einzelnen Häuser und Gehöfte, und ungerufen wie eine Vision steigt die alte Stadt aus ihrem Grabe wieder vor uns auf. Gewiß ist das Bild, das wir uns von ihr machen, ein vielfach falsches; aber es sind dieselben Fehler nur, wie wenn wir uns mit Hilfe eines Plans eine Stadt im Geiste aufbauen. Die Dinge selbst sind nicht richtig, aber wir geben den Dingen einen richtigen Platz.
    Unten am Hügelabhang, in Nähe der »Suhle«, blicken wir noch einmal auf das Steinfeld zurück, das nicht länger ein Chaos für uns war. Dann erst trennten wir uns zögernd von einer Stelle, über der ein ganz besonderer Zauber waltet. Die Natur wuchs hier einst wild in eine Stätte der Kultur hinein und wucherte darin; nun hat eine andere Kultur den Wald gefällt und breitet ihre Saaten darin aus. Städtisches Leben von ehemals und Ackerbau von heute reichen sich über einem vierhundertjährigen Wald-Interregnum die Hand.
    Aber an Unheimlichem fehlt es noch immer nicht. Das Wildschwein hat es nicht vergessen, daß Jahrhunderte lang ihm diese Stelle gehörte, und in Sommernächten, wenn der Rapsduft vom Felde her in den Wald zieht, dann bricht es in sein altes Revier ein, erst in die »Suhle«, dann in die Saat und tritt nieder und wirbelt auf. Wer dann im »Blumenthal« seines Weges kommt, der hört ein Lärmen und Johlen, ein Grunzen und Quietschen wie in alter Zeit, und er weiß nicht, ist es ein Hexensabbat oder die wilde Jagd.
     

Prädikow
     
    Vor Taue noch und Tage
    Zog aus er heut mit Hund und Horn,
    Daß er den Hirsch erjage.
    Alte Ballade
     
    Um den großen und sagenreichen »Blumenthalwald« herum, der das Plateau des Barnim von West nach Ost durchzieht, gruppiert sich eine Anzahl schöner und reicher Güter, die, bis in die Zeiten des Dreißigjährigen Krieges hinein, das Besitztum vier alter märkischer Familien waren: der Sparrs, der Pfuels, der Krummensees und der Barfuse.
    Die letzteren, die Barfuse, sind es, die uns in diesem Kapitel ausschließlich beschäftigen sollen. Sie kommen zuerst 1280 in den Marken vor. In ihre Vorgeschichte steigen wir aber nicht zurück und leisten namentlich darauf Verzicht, den alten Streit wegen »Barfus« mit einem s und »Barfuß« mit einem ß an dieser Stelle entscheiden zu wollen. Die Genealogen schreiben »Barfuß«, einfach auf das Wappen der Familie deutend, das drei unverkennbare Barfüße zeigt; die Familie selbst aber verwirft die Ableitung von einem niedersächsischen Geschlecht der Baarfoote, Barfuße oder Nudipes und schreibt sich Barfus, ihren Ursprung auf das altrömische Patriziergeschlecht der Parvus zurückführend, das mit bei der Gründung der Colonia Agrippina war und durch endlose Generationen hin den noch existierenden Parvusenhof in Köln innehatte.
    Gleichviel ob Barfuß oder Barfus, für unsere Zwecke genügt es, daß die Barfuse, wie wir in Huldigung gegen die Familie, aber ohne direkte Parteiergreifung schreiben wollen, schon ausgangs des dreizehnten Jahrhunderts auf dem Oberbarnim sässig waren und bald darauf bereits dieselben Güter erworben hatten, die später den Kern ihres ausgebreiteten Besitzes bildeten: Cunersdorf, Batzlow, Prädikow und Möglin.
    Prädikow galt als das eigentliche Familiengut und damals unmittelbar am Rande des »Blumenthalwaldes« gelegen, war es besonders wertvoll durch seine Forstbestände, die sich nach Westen hin bis weit in den genannten Wald hinein erstreckten. Diesen reichen Forstbeständen verdanken wir es auch, daß wir die Barfuse bereits um 1590 in der Spezialgeschichte unseres Landes auftreten sehen, indem es eben dieser Prädikowsche Anteil am Blumenthalwalde war, der unter Johann Georg und Joachim Friedrich zu einem vieljährigen Streite zwischen den beiden

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