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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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an dem geschilderten Zechabend den unheimlichen Sackpfeifer herbeigerufen hatte.
    Unfriede kam ins Haus und mit ihm jedes Unglück. Der Dreißigjährige Krieg legte die Felder wüst und fünfzig Jahre später war alles in anderen Händen. List und Gewalt hatten den Barfusen ihr altes Erbe genommen.
    In Prädikow ist wenig oder nichts mehr, was an jene Zeiten erinnerte. Noch unterscheidet man ein Ober- und Unterdorf, noch weiß man, wo das »rote Haus« gestanden und wo der älteste Bruder, auf den Tod getroffen, zusammensank. Aber sonst schweigt an dieser Stelle alles, mit Ausnahme der alten Ulmenallee, die die Barfuse gepflanzt, und der alten Kirche, die sie gebaut haben.
    Diese Kirche gehört jenen einfach malerischen Feldsteinbauten an, denen man, aus dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert her, so häufig in unseren Marken begegnet. Ein Christuskopf auf dem Schweißtuch der heiligen Veronika stammt vielleicht noch aus jener Zeit der »vier Brüder«, aber niemand weiß es zu sagen. Im Jahr 1821 war noch ein Barfussches Wappenfenster da. Protestantisches »Lichtbedürfnis« hat indessen längst das bunte Glas beseitigt und eine »helle Scheibe« an die Stelle der bunten gesetzt. Nichts mehr mahnt an die Barfuse hier als der Estrich über ihrer Gruft, der, immer tiefer einsinkend, zugleich von den untenstehenden drei Särgen erzählt: von dem Sarge Valentins »der beim Pommernherzog das Zechen gelernt«, von Richard, der hinter dem »roten Hause« zusammensank, und von Nikolaus, der den Teufel-Spielmann rief, um ihm dann schließlich zu verfallen.
    Von den Prädikowschen Barfusen aber wenden wir uns nunmehr einem berühmteren Zweige der Familie zu: den Barfusen von Möglin. Unter ihnen vor allem dem berühmtesten des Geschlechts überhaupt: dem Feldmarschall und Türkenbesieger Hans Albrecht von Barfus.
     
Hans Albrecht von Barfus
     
    Der jetzt alles vermag und kann,
    War erst nur ein schlichter Edelmann,
    Und weil er der Kriegsgöttin sich vertraut,
    Hat er sich diese Größ' erbaut.
    Schiller
     
    Hans Albrecht von Barfus ward inmitten der Drangsale des Dreißigjährigen Krieges 1635 zu Möglin geboren und diese Drangsale waren es auch wohl, die seiner Erziehung und Bildung ein fast allzu geringes Maß gaben. Das Militärische trat von Anfang an in den Vordergrund und wurde Schule fürs Leben und Staffel zum Glück.
    Hans Albrecht trat früh in Dienst. Es war die Zeit, wo die Söhne des Adels anfingen, den Krieg, aus eigenem Drang heraus, als Metier zu betreiben. Die Höfe lagen wüst, die Zeiten waren unsicher. Zudem entstanden eben damals die stehenden Armeen und brauchten Offiziere. Hans Albrecht diente »von der Pike auf«, ein Umstand, dessen er sich in seinen Feldmarschallstagen gern zu rühmen pflegte.
    Seine ersten Feldzüge machte er unter Sparr, Derfflinger und Görtzke. Er focht mit in Polen, in Pommern, in Preußen und am Rhein. Bei Fehrbellin war er höchst wahrscheinlich nicht, da er beim Fußvolk stand, das brandenburgischerseits in dieser Reiterschlacht fast gar nicht zur Verwendung kam. Auch Schöning, aus gleichem Grunde, fehlte bei Fehrbellin. Im übrigen begann schon damals die Differenz zwischen beiden, auch in ihrer äußeren Stellung hervorzutreten. Es durfte nicht wundernehmen. Schöning war der Ausnahme-, Barfus der Durchschnittsmensch, und wenn jener den Mann der »großen Karriere« repräsentierte, so repräsentierte dieser den Mann der Anciennität und Subalternität. Freilich war er seinerseits wieder ein subalternes Genie und gehörte jener Klasse von Leuten an, die eine mäßige Begabung glücklich und segensreich für sich und mitunter auch für andere zu benutzen wissen. Ihre Tugenden sind Charaktersache und ihre Genialität heißt: Abwarten, Ausdauer, Konsequenz.
    Im Jahre 1670, fünfunddreißig Jahre alt, war unser Hans Albrecht noch Leutnant, aber sei es, daß die immer rascher sich folgenden Kriegszüge ihm eine wachsende Gelegenheit boten sich auszuzeichnen, oder daß das Glück, das ihm bis dahin so wenig hold gewesen war, plötzlich seine Gunst ihm zuwandte, gleichviel, mit fünfunddreißig Jahren noch Leutnant, war er mit dreiundvierzig Jahren bereits Oberst eines Regiments und wenige Jahre später Generalmajor. 64 Als solcher machte Barfus zwei Türkenzüge mit, den ersten 1683 behufs Entsatzes von Wien, den andern 1686 wegen Eroberung von Ofen. Die Belagerung dieser Festung und den besonders ruhmreichen Anteil unseres Hans Albrecht daran habe ich unter Tamsel

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