Wanderungen durch die Mark Brandenburg
»Memoiren der Markgräfin von Bayreuth«. Ein feiner, literarisch-ästhetischer Sinn, ein Sinn für das Sammeln historischer Erinnerungsstücke, oder auch bloßer Kuriositäten, begleitete ihn durchs Leben. In sehr charakteristischer Weise zeigte sich dies im Jahre 1786, unmittelbar nach dem Tode Friedrichs des Großen, als er das in Braunschweig deponierte Testament des Königs nach Berlin brachte und sich als Belohnung lediglich eines der Windspiele des großen Königs erbat.
21 Davout war wohl kein Mann der Literatur. Dieser Umstand mag es erklären, daß er sich mit der Wegführung glänzender, als wertvoll in die Augen springender Kunstwerke begnügte und die 16000 Bände zählende Bibliothek in Tempelberg zurückließ. Ebenso entging seinem Auge eine Anzahl Mappen mit alten, zum Teil seltenen Stichen gefüllt. Bibliothek und Kupferstichmappen befinden sich noch im Neu-Hardenberger Schloß.
22 Die Verordnungen waren gewiß um so nötiger, aber freilich auch um so schwieriger durchzuführen, als alle solche Klöster, die wie Kloster Friedland nur eine lokale Bedeutung hatten, wie von selber aus einem kirchlichen zugleich auch zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkte des Kreises wurden. Die Pfuels und die Ilows, die Eickendorps und die Hoendorps, die Strantze, Barfuse und Wulffens, wie sie ihre Güter in nächster Nähe um Kloster Friedland herum hatten, so hatten sie auch ihre Töchter in demselben. Die einfache Folge davon war, daß das Kloster in gutem und oft auch wohl in nicht gutem Sinne des Worts zu einem Rendezvousplatze wurde, wohin die adeligen Insassen des Kreises ihre Neuigkeiten trugen, um sie gegen andere auszutauschen. Die Welt innerhalb und außerhalb der Klostermauern war dieselbe. Alles war versippt, verschwägert, und die Kordialität die Familienzugehörigkeit mußte natürlich die Aufrechthaltung der Disziplin erschweren.
23 Die größte unter den Filialkirchen des Klosters war die zu Ringenwalde eine alte, im romanischen Seile aufgeführte Feldsteinkirche, die sich bis diesen Tag trefflich erhalten hat und uns veranschaulicht, wie vor sechshundere Jahren von den Christentum und Kultur bringenden Zisterciensern märkische Dorfkirchen gebaut wurden. Alles zeigt noch durchaus den Charakter der »geistlichen Burg«: hoch hinaufgehende Feldsteinmauern, dann, ziemlich, dicht unterm Dach, kleine rundgewölbte Fenster mit Öffnungen wie Schießscharten.
24 In Cunersdorf war zwar, noch aus der Barfuszeit her, ein Herrenhaus, aber weder geräumig genug, noch standesgemäß in seiner Einrichtung. Dies alte Barfussche Herrenhaus existiert noch (es steht dem Schloß gegenüber) und veranschaulicht sehr gut, wie der Adel vor zweihundert Jahren lebte.
25 Der Vater – von dem es heißt, daß er an militärischen Gaben den Sohn überragte – ward durch die Kapitulation von Breslau (1757) in Ungnade gefallen und wurde durch den erzürnten König auf die Festung geschickt. Er verblieb indessen, vielleicht mit Rücksicht auf sein hohes Alter (er war bereits siebzig) nur kurze Zeit in eigentlicher Haft und erhielt von da ab bloßen Stadtarrest. Er durfte nunmehr in Berlin leben, war aber durch Ehrenwort verpflichtet, nie das Stadtviertel zu verlassen, das einerseits durch die Koch-und Zimmer-, andererseits durch die Friedrich- und Wilhelmstraße gebildet wird. Hier starb er auch (1767). Nur einmal erhielt er Urlaub. Als sein Sohn, der spätere Generalmajor, zum ersten Male nach Amt Friedland reiste, um von dem schönen Gute Besitz zu nehmen, durfte ihm der alte Lestwitz dahin folgen, um Zeuge von dem Glück seines Sohnes zu sein. Der König, der ein Interesse an diesem Ereignis nahm, hatte ihm eigens zwei Adjutanten mitgegeben, damit der Alte, an diesem Ehrentage seines Sohnes, auch seinerseits in allen Ehren eines Generalleutnants erscheinen könne. Anderen Tages kehrte der sechsundsiebzigjährige Herr nach Berlin zurück und trat wieder seinen »Stadtarrest zwischen Koch- und Zimmerstraße« an.
26 Zwei ältere Brüder Adalberts von Chamisso: Hippolyt und Karl, waren Leibpagen im Dienste Ludwigs XVI., und Karl war unausgesetzt um die Person des unglücklichen Monarchen in dessen bedrängtesten Lagen, namentlich am 10. August 1792. Bei einem Auflauf zerschlagen und verwundet, wurde Karl von Chamisso nur mit Mühe gerettet. Der König verkannte das Verdienst nicht, das sich der Page um ihn erworben hatte, und fand Gelegenheit, ihm einen Degen zuzustecken, den er, der König, in
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