Wanderungen durch die Mark Brandenburg
glücklicheren Jahren getragen hatte. Zu gleicher Zeit schrieb er auf einem nur etwa talergroßen Zettelchen: »Ich empfehle Herrn von Chamisso, einen meiner treuen Diener, meinen Brüdern. Er hat mehrere Mal sein Leben für mich auf das Spiel gesetzt. Ludwig.« Das Zettelchen und der Degen befinden sich bis diesen Tag in den Händen der Familie. Der älteste Sohn Adalberts von Chamisso besitzt beides.
27 Er fühlte sich, trotz der natürlichen Bande, die ihn an Frankreich knüpften, so ganz als Deutscher, daß er im Jahre 1818 bei seiner Rückkehr von der »Reise um die Welt«, die er unter Otto von Kotzebue an Bord des »Rurik« gemacht hatte, auf der Reede von Swinemünde schreiben konnte:
Heimkehret fernher, aus den fremden Landen,
In seiner Seele tiefbewegt der Wanderer;
Er legt von sich den Stab und kniet nieder,
Und feuchtet deinen Schoß mit stillen Tränen,
O deutsche Heimat! – Woll' ihm nicht versagen
Für viele Liebe nur die eine Bitte;
Wann müd' am Abend seine Augen sinken,
Auf deinem Grunde laß den Stein ihn finden,
Darunter er zum Schlaf sein Haupt verberge.
28 Wilhelm von Humboldt wurde durch die befreundete Itzenplitzsche Familie aufgefordert, die Anfertigung eines Grabdenkmals, am besten durch einen italienischen Künstler, zu vermitteln. Humboldt unterzog sich gern dieser Aufgabe und schrieb an Enrigo Keller: »Auf der Urne wünscht man ein allegorisches Basrelief, wozu das bekannte Basrelief von dem Genius und dem Schmetterlinge und zwei andern allegorischen Figuren, das sich auf der Vase im Palast Chigi befindet, das beste und schicklichste wäre.«
29 Eine kurze Kriegführung, die durch den Frieden zu Vossem 1673 beigelegt wurde, habe ich in vorstehendem unerwähnt gelassen.
30 Das Tagebuch, wie sehr oft, gibt auch hier nur Buchstaben statt des Namens. Wahrscheinlich soll es heißen: General d'Espence. Dieser war Oberstallmeister und Kommandeur der hier mit einer Eskadron engagierten Trabantengarde. In dieser Doppelstellung mocht' er glauben, dem alten Feldmarschall gegenüber eine freiere Sprache führen zu dürfen.
31 Bei dieser Gelegenheit zog er sich, um seinem Unmut Ausbruch zu geben, einfach nach Gusow zurück und wartete hier das Weitere ab. Der Kurfürst lenkte wirklich wieder ein und ließ ein Promemoria veröffentlichen, in dem es hieß: ›Daß dem »Herrn Derfflinger‹ im Kommando kein Tort geschehen solle, sei demselben durch Se. Kurfürstliche Durchlaucht versichert worden. Dies hätte jedoch bei dem Herrn Feldmarschall nichts gewirkt, da derselbe mit höchster Hartnäckigkeit darauf bestanden, daß, wenn er mit ins Feld ziehen sollte, der Fürst von Anhalt zurückbleiben müsse. Dieser Ungehorsam sei eigentlich sträflich, dennoch wolle S. K. D. es dabei bewenden lassen, daß Derfflinger sich auf seine Güter begeben habe.« – Viel bitterer noch war ein andrer zwischen Herr und Diener geführter Streit. Derfflinger verlangte mitten im Kriege, 1678, den Abschied, worauf es der Kurfürst seinem (Derfflingers) eigenen Ermessen anheimstellte, »ob er hierdurch nicht seine wohlerworbene Ehre beflecken würde«, hinzufügend »er müsse bleiben und ausharren, schon weil er viel Saures und Süßes in seinem Dienste gekostet habe«. Der Alte war durch solche Worte schwer getroffen und betonte, »daß er seiner Ehre zuwider nie etwas in der Welt vorgenommen habe«, was aber das Saure und Süße anginge, »so sei des Sauren viel mehr gewesen«.
32 Diese drei Regimenter waren die folgenden: Infanterieregiment Derfflinger, 1200 Mann stark, in Küstrin und Kolberg; Kürassierregiment Derfflinger, 600 Mann stark, in der Neumark; Dragonerregiment Derfflinger, 720 Mann stark, in Pommern. Das letztgenannte Regiment »Derfflinger-Dragoner« wurde 1683, wohl aus Courtoisie gegen den Alten, nach Berlin gezogen und erhielt seine Stallungen in Nähe des Schönhauser Tores. Daraus entstand später die Dragonerstraße.
33 Diesem Hause, Köllnischer Fischmarkt 4, war es vorbehalten, am 18. März 1848 noch einmal eine historische Rolle zu spielen, freilich keine, die dem alten Derfflinger gefallen haben würde. Hier sowohl wie in dem gegenüberliegenden Rathause hatten sich die Aufständischen verschanzt und wurden erst nach hartnäckigem Kampfe überwunden. Die Verteidiger des Rathauses wurden alle niedergemacht, bis auf den Führer, den sein Mut und seine Geistesgegenwart rettete. Er trat dem Offizier mit offener Brust entgegen und wurde von diesem
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