Wanderungen durch die Mark Brandenburg
teilnahm, ein ständischer Staat seit lange nicht mehr existierte. Die Stände hatten neben der absoluten obersten Regierungsgewalt eine Art geduldetes Dasein geführt, die Könige waren so viel und die Stände so wenig gewesen, daß, als der Moment kam, wo die zweifellos in ihrem Recht gekränkten Stände wieder etwas sein wollten, niemand mehr einen rechten Glauben an die Rechtmäßigkeit ihres Rechtes hatte.
40 Es heißt über ihren Sohn im Schulprogramm (1804) des grauen Klosters: »Staël-Holstein aus Paris, empfahl sich kurze Zeit, daß er die erste Klasse des Gymnasiums besuchte, durch ein gesittetes Betragen und einen lobenswerten Fleiß. Der unerwartete Tod seines Großvaters, des ehemaligen Finanzministers Necker, veranlaßte seine Mutter zur eiligen Abreise in die Schweiz, der er folgte.« – Diesem Schulprogramm entnehme ich auch eine Notiz über die Dichtungen, die Michaelis 1804 und 1806 bei Gelegenheit der öffentlichen Prüfung von den Schülern der Oberklassen deklamiert wurden. Es waren: 1. Monolog des Brutus aus der Voltaireschen Tragödie »Cäsar«, 2. Elegie an Rosalie, von Tiedge. 3. Der Führer, ein Gedicht von Luise Brachmann. 4. Arion, von A. W. von Schlegel. 5. Kassandra, von Schiller. 6. Der Taucher, von Schiller. 7. Die Macht des Gesanges, von Schiller. 8. Hero und Leander, von Schiller. 9. Schillers Tod, eine Elegie.
41 Schon im Sommer 1808 (also wahrscheinlich noch in Memel) war ihm ein ähnlicher Antrag geworden. Er hatte ihn aber mit dem Bemerken abgelehnt, daß er zuvor mehr sehen und lernen wolle. Nur in Zeiten wie die damaligen, wo nichts so niedrig stand, als das Anciennitätsprinzip, waren solche Dinge möglich.
42 Anton Eberhard Konstantin von der Marwitz ward am 2. Dezember 1790 zu Berlin geboren. Er befand sich als Schüler, kaum sechzehn Jahre alt, in der école militaire, als die Franzosen ihren Einzug in Berlin hielten. Der Gouverneur der Anstalt schoß sich tot, der Vizegouverneur verlor den Kopf und überantwortete sich und seine Anstalt der Gnade der Sieger. Diese schwankten, wie sie sich den halberwachsenen Schülern dieses Militärinstituts gegenüber verhalten sollten, zogen aber schließlich das Sichere vor und machten sie zu Gefangenen. Unter diesen war auch Eberhard von der Marwitz. Er und ein befreundeter Mitschüler verabredeten Flucht und brachen zusammen auf. Vorher schon hatten sie sich ein Pferd zu verschaffen gewußt und passierten glücklich das Tor. Ohne alle Rast setzten sie ihren Weg fort, immer abwechselnd, der eine zu Fuß, der andere zu Pferde, so daß sie schon nach vierundzwanzig Stunden die zwanzig Meilen bis Lenzen an der Elbe und über die mecklenburgische Grenze zurückgelegt hatten. Nach kurzem Aufenthalt wanderten sie weiter ins Holsteinische. Erst hier waren sie in Sicherheit, aber das Pferd auch so ruiniert, daß sie es verschenken und beide zu Fuß gehen mußten. In Kiel fanden sie ein Fischerboot, vertrauten sich in demselben dem Meere an und trafen, sechs Tage nachdem sie Berlin verlassen hatten, auf der Insel Rügen ein, wo der ältere Bruder eben sein »Freikorps« errichtete. Bei der bald erfolgenden Auflösung dieses Korps ging Eberhard von der Marwitz nach Österreich und trat als Kornet in das Chevauxlegersregiment Klenau. Bei Regensburg (am 20. April) zeichnete er sich aus, bis der mörderische Tag von Aspern seiner so früh und so brav begonnenen Laufbahn ein Ziel setzte. Er erhielt an diesem denkwürdigen Tage gleich zu Beginn der Schlacht den Auftrag, mit einer Abteilung von zwanzig Reitern an das vom Feinde besetzte Dorf Aspern heranzujagen. Er gehorchte und machte die Attacke. Vierzig Schritte vor dem Dorfe traf ihn eine Kanonenkugel, tötete sein Pferd und verwundete ihn schwer am rechten Oberschenkel. Dieser Verwundung erlag er am 9. Oktober; am 10. ward er beerdigt. Eine Kompanie des 30. französischen Infanterieregiments gab bei der Gruß drei Salven und der Stadtkommandant, sowie vierzig französische und mehrere verwundete österreichische Offiziere geleiteten ihn zu Grabe. Er ruht auf dem Kirchhofe zu Nikolsburg in Mähren, »hingeopfert dem unsinnigen Befehle eines schwachköpfigen Untergenerals«, wie sein ältester Bruder in unerbittlicher Kritik schreibt. Eben dieser hat ihm auch auf dem Friedersdorfer Kirchhof einen Denkstein errichtet.
43 Es ist dies derselbe Skrzynecki, der 1831 als polnischer Generalissimus berühmt geworden ist.
44 Die Köpenicker Kriegsgerichtsakten erzählen diesen
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