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Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Titel: Wanderungen durch die Mark Brandenburg Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Theodor Fontane
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seinen Vater schrieb, und aus denen ich seinerzeit alles Wichtigste mitgeteilt habe, den genauesten Aufschluß. Aber fast möcht' ich die darin Geschilderte mehr noch und entschiedener in Schutz nehmen, als es seitens ihres damaligen, ihr »heimlich« und »versuchsweise« angetrauten Gatten geschah. Indem er sie verteidigt, klagt er sie doch zugleich auch an, und dieser Ton klingt überall durch. Er persönlich mochte dazu berechtigt sein, ebenso sehr seiner seriösen Natur als seiner aparten Lage nach, wir Nachlebenden aber können milder und in dieser Milde vielleicht auch gerechter sein. Ist es richtig (und es wird richtig sein), daß sie der Typus einer »vornehmen Dame« des vorigen Jahrhunderts war, so liegt uns die Pflicht ob, sie nicht bloß aus ihrer Epoche, sondern vor allem auch aus ihrem Gesellschaftskreise heraus zu beurteilen, will sagen aus einem Kreise heraus, darin der Charakter nicht viel und die Tugend noch weniger bedeutet, und in dem, bei Beurteilung schöner Frauen, über vieles hinweggesehen werden durfte, wenn sie nur über drei Dinge Verfügung hatten, über Schönheit, Esprit und Charme.
     
13. Kapitel
     
Der Krautentochter Deszendenz
    Als Frau von Arnstedt, verwitwete Baronin Knyphausen, geschiedene von Elliot, am 13. September 1819 gestorben war, hinterließ sie Kinder aus drei Ehen. Und zwar
     
Aus der Ehe mit Hugh Elliot
    1. Luise Isabelle von Elliot. Dieselbe wurde wahrscheinlich 1779 geboren, da die Verheiratung ihrer Mutter mit Elliot im Jahre 1778 stattfand. Als Ende Juli 1783 die gerichtliche Trennung erfolgte, wurde nachstehende Festsetzung getroffen: »Madame Elliot, geborne Baronesse von Kraut, verspricht ihrer Tochter Luise Isabelle von Elliot ein Kapital von 25000 Talern in Gold sicher zu stellen, und zwar derart, daß an dem Tage, wo Madame Elliot in den Besitz des Bredowschen Erbes (Hoppenrade-Löwenberg) eintritt, obiges Kapital von 25000 Talern auf der königlichen Bank deponiert werden muß.«
    Gemäß dieser Anordnung wurde denn auch, als der vorgesehene Fall eintrat, verfahren. Zu welcher Zeit das Geld erhoben worden ist, ist aus den Aufzeichnungen nicht ersichtlich. Miß Elliot aber vermählte sich später mit einem Mr. Payne. Weitere Schicksale nicht bekannt.
     
Aus der Ehe mir Baron Knyphausen
    2. Sophie Friederike Oriane Konstanze, geboren 1785. 31 Sie war zweimal verheiratet, in erster Ehe mit dem Landrat von Schwerin, in zweiter Ehe mit dem Rittmeister, späteren Major Freiherrn von Kettler auf Jeesch-Kittel. Aus beiden Ehen wurden je drei Kinder geboren.
    Der Tod der Frau von Kettler kann nicht vor 1856 erfolgt sein, in welchem Jahre sie noch an weiterhin zu nennenden Erbschaftsverhandlungen teilnahm. Sie war eine kluge Dame, praktisch, energisch, und in allen Stücken mehr ihres Vaters (Baron Knyphausens) als ihrer Mutter Tochter. Ihren zweiten Gatten, von Kettler, verlor sie auf tragische Weise. Kettler war 1830 aus dem preußischen in den russischen Dienst getreten und machte die gleich darauf ausbrechende Kampagne gegen Polen mit. In der Schlacht bei Grochow wurde er erheblich verwundet und gefangengenommen. Als man ihn auf einem Wagen nach Warschau brachte, drängte sich der Pöbel heran und heulte und johlte; einer aber stieg auf das Wagenrad und spie ihm ins Gesicht. Ein Faustschlag war Kettlers Antwort. Aber freilich war es auch das Signal, um über ihn herzufallen und ihn buchstäblich zu zerreißen. – Auch seinem ältesten Sohne war ein jäher Tod vorbehalten. Ein herabstürzender schwerer Baumast erschlug ihn.
     
Aus der Ehe mit Rittmeister von Arnstedt
    3. Henriette Sophie Rosalie. Verheiratete sich um das Jahr 1820 (oder vielleicht auch schon zu Lebzeiten der Mutter) mit dem Baron von Wülknitz und starb 1861 im Bade zu Doberan. Auf dies von Wülknitzsche Paar komm' ich am Schlusse des Kapitels zurück.
    4. Mathilde Julie Friederike war 1802 geboren. Vermählte sich 1826 mit Hans von Örtzen auf Ankershagen, Schloßhauptmann und Kammerherr in Neu-Strelitz. 1878.
    5. Heinrich Adolf Friedrich von Arnstedt. Wahrscheinlich 1796 geboren. Er trat unter Major von Sohr ins brandenburgische Husarenregiment und machte die Kriege von 1813 bis 1815 mit. An dem Unglückstage von Versailles (Juli 1815), an dem auch der junge York fiel, war er mit unter den Verwundeten. In die Heimat zurückgekehrt, entschied er sich für Verbleib im Regiment, und suchte durch ein Leben auf großem Fuße über die Langeweile des kleinen Dienstes und über die noch größere

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