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Yendi

Yendi

Titel: Yendi Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Steven Brust
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–«
    »Aliera!« sagte Morrolan plötzlich. »Vielleicht sollten wir Sethra fragen.«
    Sie verstummte und legte den Kopf schief. »Ja-a-aa. Eine ausgezeichnete Idee. Warum nicht? Vielleicht kann sie dir ja ein wenig Vernunft einbleuen.«
    Er ignorierte die Bemerkung. »Dann gehen wir zu ihr.« Er wandte sich an mich. »Wir sind bald zurück.«
    »Schön«, sagte ich. »Ich bleibe hier und wische das Blut auf.«
    »Was?«
    »Ist schon gut.«
    Sie verschwanden. Unter Schmerzen erhob ich mich und ging zurück zum Raum des Dol- … zu Cawtis Zimmer. Cawti. Ich ließ den Namen in meinen Gedanken kreisen. CAW-ti. Caaaaaw-tiiii. Cawti. Ein schöner, ostländischer Name. Ich wollte die Tür aufmachen, hielt inne und klopfte vorsichtig.
    »Wer ist da?« kam von drinnen.
    »Dein Opfer«, sagte ich.
    »Welches?«
    »Sehr witzig.«
    »Komm rein«, sagte sie. »Aber auf eigene Gefahr.«
    Ich schob mich durch die Tür. »Guten Morgen.«
    »Mmmmmm.«
    »Ich stelle fest, daß du mich letzte Nacht nicht getötet hast.«
    »Oh, aber selbstverständlich«, gab sie zurück. »Sechsmal. Aber ich hatte mich verzählt und dich siebenmal wiederbelebt.«
    Ich setzte mich neben ihr aufs Bett. Sie hatte sich immer noch nicht angezogen. Ich ignorierte meinen trockenen Mund. »Oh. Das muß mir entfallen sein.«
    »Du hättest mich aber auch töten können, das weißt du.« Plötzlich klang sie ganz ernst.
    »Ja«, sagte ich langsam. »Aber du hast gewußt, daß ich es nicht tun würde. Ich hatte diese Gewißheit bei dir allerdings nicht.«
    »Das will ich dir mal glauben.« Sie lachte fröhlich. Dieses Lachen setzte ich zu dem Achselzucken auf die Liste der Sachen, die ich häufiger von ihr haben wollte. Die Kerze flackerte, also stöberte ich nach neuen herum, die ich am verglühenden Docht entzündete. Dann ging ich zum Bett zurück und tippte leicht gegen ihre Seite. Sie rückte etwas näher an die Wand, und ich streckte mich aus. Dann legte sie den Kopf auf meinen Arm.
    Einige angenehme Augenblicke lang schwiegen wir, dann sagte ich: »Ich habe eben eine interessante Unterhaltung mitgehört.«
    »Ach?«
    »Über deine Partnerin.«
    Anspannung überkam sie. »Was ist mit ihr?«
    Ich wiederholte die Unterhaltung. Dabei rückte sie ein Stück von mir ab und sah mir auf ihren Arm gestützt zu. Beim Zuhören zog sie die Augenbrauen zusammen. Auch das sah wieder sehr schön aus.
    Ich brachte die Geschichte zu Ende und sagte: »Ist sie denn eine Dragonlady?«
    Cawti schüttelte den Kopf. »Darüber zu reden ist ihre Sache.«
    »In Ordnung. Du machst dir Sorgen?«
    Sie lächelte ein wenig und legte den Kopf wieder auf meine Brust. »Für einen Attentäter seid Ihr ganz schön sensibel, Lord Taltos.«
    »In erster Linie bin ich gar kein Attentäter – da schenkst du den Gerüchten über mich zu viel Glauben. Und zweitens gilt das auch für dich, und zwar doppelt. Und drittens ist ›Lord Taltos‹ doch ein bißchen übertrieben, wenn man es recht bedenkt, oder?«
    Sie kicherte. »Wie du wünschst, Vlad. Vladimir.« Sie wiederholte es langsam. »Vladimir. VLA-di-miiir. Vlaaaadimiiir. Vladimir. Find ich gut. Ein schöner ostländischer Name.«
    »Mist«, sagte ich. »Hilf mir doch mal, dieses bescheuerte Wams loszuwerden, ja? Und paß auf, daß du dir dabei nicht weh tust …«
     
     
    Etwas später, während wir gerade ernsthaft mit Kuscheln beschäftigt waren, sagte ich: »Morrolan und Aliera werden deine Partnerin bestimmt überprüfen, weißt du das?«
    »Mmmmm. Sie werden nichts finden.«
    »Sei dir da nicht zu sicher, Cawti. Sie haben mich auch schon überrascht.«
    Sie schnalzte mit der Zunge. »Du solltest dich eben nicht überraschen lassen, Vladimir.«
    Ich grunzte und sparte mir ein paar Bemerkungen. »Ernsthaft. Sie werden mit Sicherheit etwas herausfinden. Du mußt mir ja nichts verraten, aber denk einmal darüber nach. Hattest du schon Verbindung zu ihr?«
    »Natürlich.«
    »Dann warne sie –«
    »Wieso kümmert es dich?«
    »Hm? Ich weiß nicht. Jhereg sind Jhereg, nehme ich an. Du bist für mich keine Bedrohung mehr, und ich verstehe nicht, warum sie sich einmischen sollte. Das heißt Aliera. Morrolan versteht es auch nicht.«
    »Mmmmmm.«
    Ich zuckte die Schultern, dadurch hüpfte ihr Kopf auf meiner Brust hoch. Sie kicherte, was mich unendlich erstaunte und erfreute. Habt ihr schon mal eine Attentäterin kennengelernt, die kichert? Die Situation war wirklich derart absurd, daß –
    Ich beschloß, daß ich von dort verschwinden

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