Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Alaska

Titel: Alaska Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: James Albert Michener
Vom Netzwerk:
Großen Acht ‹ endlich vollmachen und die Sache hinter mich bringen.«
    »Sie werden es nie hinter sich bringen. Ich meine, es lässt einen nie los«, sagte Poley. »Letzten Monat erst habe ich einen jungen Freund mit zum Jagen auf die Baranovinseln genommen bei Sitka. Der wollte sich auch seine Bergziege holen, und es hat mir genauso viel Spaß wie bei meinem ersten Mal gemacht.«
    »Poley«, sagte Jeb eines Tages, »ich habe mitbekommen, wie sich ein paar Männer ... das heißt Männer aus Barrow, Weiße, keine Eskimos, über Ihre Arbeit da unterhalten haben. Was geht da vor?«
    Zum ersten Mal seit ihrer Bekanntschaft, für beide bisher angenehm und lohnend, antwortete Poley nicht nur ausweichend, was er immer getan hatte, wenn er auf direkte, an ihn gerichtete Fragen nicht eingehen wollte, sondern reagierte auch verärgert und gereizt, als schämte er sich für das, was er getan hatte: »Oh, die haben große Pläne da oben. Sie brauchen Rat.« Mehr wollte er dazu nicht sagen, und in den Monaten darauf sah Jeb seinen Mentor immer seltener, statt dessen tauchten jetzt neue Männer vom amerikanischen Kontinent in Anchorage auf und gelegentlich auch in Prudhoe Bay. Es war schwierig, sie einzuordnen, und irgendwie passten sie nicht nach Alaska. Stieß man im Flughafen Fairbanks auf ein paar Männer, die aussahen, als kämen sie gerade von den Ölfeldern in Tulsa, Oklahoma oder Odessa, Texas, dann konnte man jede Wette eingehen, dass sie entweder weiter nach Prudhoe Bay wollten oder am Ort ein Schnellrestaurant für Ölarbeiter auf Urlaub eröffnen. Poley Markhams Gäste waren eine besonders schillernde Mischung: ein Straßenbauer aus Massachusetts, ein Bauunternehmer aus Südkalifornien und der Besitzer einer Elektrofirma in Saint Louis. Und alle strömten anscheinend gierig Richtung Norden in das Gebiet nördlich des Polarkreises.
    Dann tauchte Markham plötzlich für ein halbes Jahr unter, und Gerüchte sickerten durch, er halte sich in Boston auf und jongliere mit Anleihen in bisher ungeahnter Höhe. »Ich erhielt kürzlich einen Brief von einem Freund, der in Verbindung mit einer kleinen Bank in Boston steht. Er schreibt, dass sich Markham - und es muss unser Markham sein - Anleihen in Höhe von dreihundert Millionen zusammengaunert. Wofür, wusste mein Informant nicht.«
    Und das war die zweite Entdeckung, die Jeb Keeler über seinen Freund machte: Poley war dabei, einige waghalsige finanzielle Unternehmungen für Funktionäre in Barrow einzufädeln, und die Summen, um die es dabei ging, waren enorm. Zuerst hatte Jeb noch den Verdacht, Poley und seine Kumpane hätten ein neues Ölfeld entdeckt, aber sein Kontaktmann in Prudhoe Bay bestätigte ihm: »Sicher nicht, denn das hätte sich sofort rumgesprochen.«
    »Was hat er denn bloß vor?«
    »Das weiß man bei ihm nie.« Aber dann redete der Ölfachmann offen mit ihm: »Ich kann Ihnen sagen, Keeler, dieses Ölfeld da in Prudhoe pumpt Unsummen in die › North Slope ‹ . Steuern, Löhne und Gehälter. Hier oben ist ’ne Menge Geld im Umlauf, und Markham ist schon immer einer gewesen, der Geld anzieht.«
    »Ich doch auch«, entgegnete Jeb abwehrend. »Und Sie auch. Sonst hätten wir doch in dieser gottverlassenen Gegend nichts verloren.«
    »Stimmt«, sagte der Manager jetzt nachdenklich, »aber Sie und ich, wir halten uns bei unserer Arbeit an bestimmte Grenzen. Markham tut das nicht.«
    Fast ein ganzes Jahr hatte sich keine Gelegenheit ergeben, mit Poley zu reden, der sich die meiste Zeit in Los Angeles und New York aufhielt und sich um die Finanzierung seiner gigantischen Projekte nördlich des Polarkreises kümmerte, als Jeb in Prudhoe ein Eilbrief von Markham erreichte: »Holen Sie mich Freitag in Anchorage ab. Ich glaube, wir können uns jetzt an Ihre Bergziege heranwagen.« Gut gelaunt machte sich Jeb auf und flog mit einer Arco Richtung Süden nach Anchorage. Poley war in einem Luxushotel abgestiegen und wartete bereits auf ihn. »Ein Bekannter hat mich angerufen. In den Wrangell Mountains soll eine große Herde Bergziegen gesehen worden sein. Brechen wir gleich auf.« Sie fuhren im Auto nach Matanuska und von dort aus nach Palmer, wo beide für 60 Dollar eine Jagdgenehmigung für Auswärtige erstanden und Jeb für noch einmal 250 Dollar die Metallmarke, die man laut Vorschrift an jede erlegte Bergziege heften musste . Dann bestiegen sie das kleine Flugzeug, mit dem Markham einige Jahre zuvor seine eigene Beute aus dem Revier herausbefördert hatte, und

Weitere Kostenlose Bücher