Atlantis
Doolin.«
»… und zwar so hart, dass das obere Ende des linken Oberarmknochens aus dem Gelenk gesprungen ist. Ich glaube, ich kann ihn wieder einrenken. Hältst du ein oder zwei Sekunden lang ziemlich schlimme Schmerzen aus, wenn du weißt, dass hinterher vielleicht alles wieder in Ordnung ist?«
»Ja«, sagte sie sofort. »Machen Sie ihn heil, Mr. Brautigan. Machen Sie ihn heil.«
Bobby sah ihn ein bisschen skeptisch an. »Können Sie das wirklich?«
»Ja. Gib mir deinen Gürtel.«
»Was?«
»Deinen Gürtel. Gib ihn mir.«
Bobby zog seinen Gürtel - einen ziemlich neuen, den er zu Weihnachten bekommen hatte - aus den Schlaufen und
gab ihn Ted, der ihn entgegennahm, ohne den Blickkontakt mit Carol zu unterbrechen. »Wie heißt du mit Nachnamen, mein Schatz?«
»Gerber. Die haben Gerber-Baby zu mir gesagt, aber ich bin kein Baby.«
»Ganz bestimmt nicht. Und du wirst es jetzt gleich beweisen.« Er stand auf, setzte sie auf den Stuhl und kniete dann vor ihr nieder wie ein Schauspieler in einem alten Film, der zu einem Heiratsantrag anhebt. Er legte Bobbys Gürtel mit seinen großen Händen zweimal zusammen und stupste dann damit gegen ihre gesunde Hand, bis sie den Ellbogen losließ und die Finger um das Leder schloss. »Gut. Jetzt steck ihn dir in den Mund.«
»Ich soll mir Bobbys Gürtel in den Mund stecken?«
Ted sah ihr weiterhin in die Augen. Er begann, ihren unverletzten Arm vom Ellbogen bis zum Handgelenk zu streicheln. Seine Finger strichen über ihren Unterarm zum Handgelenk hinab … hielten inne … fuhren wieder zum Ellbogen hinauf … strichen den Unterarm wieder hinab. Es ist, als ob er sie hypnotisierte, dachte Bobby, aber eigentlich war gar kein »als ob« dabei; Ted hypnotisierte sie tatsächlich. Seine Pupillen hatten wieder mit ihren unheimlichen Kontraktionen begonnen, sie weiteten sich und zogen sich zusammen … weiteten sich und zogen sich zusammen … weiteten sich und zogen sich zusammen. Ihre Bewegungen und die seiner Finger waren genau im gleichen Takt. Carol starrte ihm mit leicht geöffnetem Mund ins Gesicht.
»Ted … Ihre Augen …«
»Ja, ja.« Er klang ungeduldig, nicht sehr interessiert daran, was seine Augen machten. »Schmerz steigt nach oben, Carol, hast du das gewusst?«
»Nein …«
Seine Augen, die ihre nicht losließen. Seine Finger an ihrem Arm, auf und ab. Auf … und ab. Seine Pupillen wie ein langsamer Herzschlag. Bobby sah, wie Carol sich auf dem Stuhl entspannte. Sie hielt den Gürtel immer noch in der Hand, und als Ted lange genug mit dem Streicheln aufhörte, um ihren Handrücken zu berühren, hob sie ihn widerspruchslos ans Gesicht.
»O ja«, sagte er, »Schmerz steigt von seiner Quelle zum Gehirn. Wenn ich deine Schulter wieder einrenke, wird das sehr wehtun - aber du wirst den größten Teil des Schmerzes mit dem Mund fangen, wenn er zum Gehirn hochsteigt. Du wirst mit den Zähnen in ihn hineinbeißen und ihn an Bobbys Gürtel festnageln, sodass nur ein kleiner Teil in deinen Kopf gelangt, wo es am meisten wehtut. Verstehst du mich, Carol?«
»Ja …«Ihre Stimme klang abwesend. Sie sah sehr klein aus, wie sie da auf dem Stuhl mit der geraden Lehne saß, nur in Shorts und Turnschuhen. Die Pupillen von Teds Augen waren wieder zur Ruhe gekommen, stellte Bobby fest.
»Steck den Gürtel in den Mund.«
Sie steckte ihn zwischen die Lippen.
»Beiß drauf, wenn es wehtut.«
»Wenn es wehtut.«
»Fang den Schmerz.«
»Ich fange ihn.«
Ted strich mit seinem großen Zeigefinger ein letztes Mal von ihrem Ellbogen zum Handgelenk, dann sah er Bobby an. »Wünsch mir Glück«, sagte er.
»Viel Glück«, erwiderte Bobby inbrünstig.
Geistesabwesend und verträumt sagte Carol Gerber: »Bobby hat eine Ente nach einem Mann geworfen.«
»Tatsächlich?«, sagte Ted. Ganz, ganz sanft schloss er die linke Hand um Carols linkes Handgelenk.
»Bobby dachte, es wäre ein niederer Mann.«
Ted warf Bobby einen Blick zu.
»Kein solcher niederer Mann«, sagte Bobby. »Nur … ach, egal.«
»Trotzdem«, sagte Ted. »Sie sind sehr nahe. Die Rathausuhr, die Sirene …«
»Ich hab’s gehört«, sagte Bobby grimmig.
»Ich kann nicht warten, bis deine Mutter heute Abend zurückkommt - das wäre zu riskant. Ich werde den Tag in einem Kino oder einem Park oder sonst wo verbringen. Wenn alles schiefgeht, gibt es billige Absteigen in Bridgeport. Bist du bereit, Carol?«
»Bereit.«
»Wenn der Schmerz hochsteigt, was machst du dann?«
»Ich fange ihn. Beiße ihn in
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