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Atlantis

Titel: Atlantis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Hans Dominik
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Wort flog durch sein Hirn. Er klammerte sich daran, drückte ihre Hand fester. Führte sie zum Wagen. Und als wolle er sich ganz frei machen von den letzten Spuren der Erinnerung, beugte er sich zu ihr und sprach liebe, linde Worte. Sprach wie zu jenen Zeiten, da er sie an sich zog.
    Sie hörte es. Eine leichte Röte kam auf ihre blassen Wangen. Wer in der Welt konnte so zu ihrem Herzen sprechen wie er, wie die Stimme dieses Mannes, dieses Zauberers? Wie waren ihre Gedanken auf der Fahrt? Los! Los von ihm! Und jetzt? Vergessen all das Fürchterliche, was sie in den letzten Wochen, Tagen erlebt, vergessen auch das Allerschrecklichste, das Schwerste von allem: die Begegnung im Gefängnis.
    Wie hätte sie Rouse gegenüberstehen wollen? Abwälzen die ungeheure Schuld, die sie drückte, abwälzen auf ihn, dessen Werkzeug sie doch nur gewesen. Ihr Herz hatte, je näher der Flughafen kam, immer stürmischer geschlagen, zum Zerspringen, als sie landete. Da hatte er ihre Hand genommen, zu ihr gesprochen, und alles war weggewischt.
    Sie saßen sich in seinem Salon gegenüber. Er hatte den Bericht über die Gerichtsverhandlung in seiner Hand, las, fragte.
    Und sie antwortete, plauderte wie über etwas Gleichgültiges, als ob nichts ihre Seele bedrückte…
    »Was wird er beginnen, James Smith? Wird er bei uns, bei der Gesellschaft bleiben? Wäre es möglich?«
    Sie hatte kurz die Achseln gezuckt.
    »Warum nicht?« sprach ihr lächelnder Mund.
    *

Das Rasseln der Schichtglocke hallte über Mineapolis. Hallte in den Riesenwerkstätten, in denen Heere von Arbeitern in Tag- und Nachtschichten, immer verstärkt durch Neugeworbene aus allen Teilen des Reiches, Schwarze, Mischlinge, Weiße – alle Teile der Welt lieferten das Material – tätig waren. Rasselte auch durch den Riesenschlund des Augustus-Schachtes. Die Förderschalen von Sohle zu Sohle sausten auf und nieder, die alte nach oben, die neue Schicht nach unten bringend.
    Über Tage! Anderthalb Dutzend Förderschalen spieen die Untertagarbeiter stoßweise aus. Förderschale sieben! Der neue Maschinist trat in den Schaltraum.
    »All right!«
    »All right! Die letzte Personenfahrt oben! Gibt heute viel zu tun da drüben!«
    Der alte Maschinist deutete auf einen Riesenstapel Kisten.
    »Die Sprengstoffmagazine unten werden frisch aufgefüllt.«
    »Weiß! Komme von unten!«
    »Von unten?« fragte der.
    »Von unten! War vor Ort! Bin schon eine Woche hier und benutzte die doppelte Feierschicht, mal runterzufahren und mir die Arbeiten anzusehen.«
    »Was ist da zu sehen? Bin schon seit Monaten hier und war noch nicht unten. Was die von unten mir erzählten, genügt mir längst. Dreck, Staub, Hitze, der ekelhafte Karbidgestank… trotz aller Bewetterung. Danke! Sagtest du nicht, du kämst aus den südafrikanischen Minen? Mußt es doch kennen, wie’s unten aussieht.«
    Der andere nickte. »Dort gingen wir auf Zinn, hier auf Karbid. Es ist doch was anderes.«
    »Was anderes? Zinn ist besser. War auch da unten. War da vor Ort, bis mir ein Brocken den Fuß brach. Weshalb kommst du hierher?«
    Der andere machte mit den Fingern die Bewegung des Geldzählens.
    »Mehr Lohn! Außerdem hab’ ich genug von den verdammten Weißhäuten. Fehlt nur noch die Peitsche, dann war’s da wie früher. Schwarze Hunde. Leute wie wir beide… Mischlinge… nicht viel mehr!«
    Der nickte.
    »Verflucht die weiße Bande! Der zerschlagene Fuß allein war’s auch nicht bei mir. Dieser Hochmut, dieser Gottverfluchte, der alle Andersfarbigen als Vieh behandelt. Mein Herr Vater war auch ein Weißer…«
    Er lachte bellend.
    »Meine Mutter schwarz, ihm ehelich angetraut. Jefferson heiß’ ich… schwarz auf weiß steht’s in meinen Papieren. Und doch: Die Farbe tat’s. Meiner Mutter Blut war wohl besser gewesen. Sie stempelte mich zum Vieh. Aber!«
    Er hob drohend seine Rechte. »Der Kaiser! Unser Kaiser… er wird sie lehren, er wird’s ihnen beibringen, ob sie wollen oder nicht!«
    Er beugte sich nach dem anderen hin.
    »Krieg!« zischte es durch seine Lippen. »Krieg! Täglich warte ich darauf, daß es losgeht. Ha! Wäre der Fuß gesund, wie gerne ginge ich da mit. Du… du wirst mitgehen, du bist gesund. Ha, ich beneide dich darum. Warst du Soldat?«
    Der andere nickte.
    »Wohl gar bei denen da unten?«
    Der andere nickte wieder.
    »Um so besser! Freust du dich nicht auch?«
    »Was fragst du? Ich werde dabei sein. Wär’s nur erst soweit, daß ich zeigen kann, was…«
    »Förderschale sieben!«
    Das

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