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BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

Titel: BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Manfred Weinland / Timothy Stahl / Adrian Doyle
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zurück, sondern verwandelten seine ganze Existenz in Schmerz, als träfen sie auf blankliegende Nerven – und auf alle zugleich!
    Dennoch war in Sardons Brüllen nichts anderes als Wut. Mit einem kleinen Teil seiner Kraft ließ er sich selbst taub werden für allen Schmerz. Den gewaltigen Rest lenkte er in die Schläge, mit denen er dem Gegner zu Leibe rückte.
    Wieder wurde Purpur zerrissen, und alsbald war kaum noch etwas davon übrig, alles vergangen in allgewaltiger Raserei.
    Sardon wollte nicht innehalten, wollte sich auf das stürzen, was dahinter zum Vorschein kam: schlierige, unebene Wände, von unregelmäßiger Maserung durchwoben, sich bewegend wie unter dem Schlag eines riesigen Herzens.
    Zwei Gründe hielten ihn davon ab.
    Zum einen explodierte die Ahnung, worum es sich dabei handelte, in ihm unversehens zur Gewissheit.
    Zum anderen stoppte ihn die Stimme.
    »Nein...«
    »... tuu...«
    »... esss...«
    »... nichcht...«
    »... hörr...«
    »... mirr...«
    »... zzuu...!«
    Sardon spürte, wie die Macht in ihm niederbrannte, im gleichen Moment, da er aufhörte, sie zu gebrauchen. Er drehte sich um, in jene Richtungen, aus denen ein- und dieselbe Stimme zu ihm gedrungen war. Und er sah, was die ganze Zeit über schon dagewesen war. Doch nun endlich hatte er Gelegenheit,
wirklich
zu sehen.
    Ein schwarzglitzerndes, organisch aussehendes »Geschwür«, das in grotesk menschenähnlicher Form aus dem Boden wuchs und das etwas fast zur Gänze umwachsen hatte.
    Den Kelch.
    Umkreist wurde der abartige »Altar« von zwölf Gestalten, die ihr Recht auf Leben unübersehbar längst verwirkt hatten und dem Tod ihren Tribut doch verweigerten. Narbenübersät waren ihre nackten Leiber, und selbst die Münder erinnerten an nie verheilte Wunden.
    Münder, die sich nun wieder öffneten.
    »Hörr...
    »... mirr...«
    »... zzuu...!«
     
     
    »Wer bist du?«, fragte Sardon.
    Doch er wusste es. Er erkannte es an der Aura, die wie ein Ring um die Untoten lag, die sich an den Händen haltend den Kelch umstanden. Er hatte diese Aura schon einmal –
sterben
gespürt...
    »Icch...«
    »... binn...«
    »... die...«
    »... letzzte...«
    »... Kelchchseele...«
    Die Antwort kam zersplittert aus vielen Mündern und vielen Richtungen, und es ging weiter.
    »Nunn...«
    »... binn...«
    »... ichch...«
    »... derr...«
    »... letzzte...«
    »... HÜTER!«
    Sardon knirschte: »Niemals! Das lasse ich nicht zu! Es gibt nur einen wahren Hüter – MICH!«
    »Nichcht...«
    »... mehrr.«
    Sardon erwiderte nichts. Schweigend näherte er sich dem Kreis der Toten, in die sich die Seele jenes Jungen, den er in Kairo im ersten Ritual nach dem Wiederauffinden des Kelches getötet hatte, geflüchtet hatte. Dazu auserkoren, den Gral fortan zu hüten und vor dem Zugriff seiner wahren Eigentümer zu schützen.
    Es bereitete ihm keine Mühe, ihren Ring zu durchbrechen. Vor dem schwarzen »Altar« kniete Sardon nieder, streckte die Hände nach dem Kelch aus.
    »Tu...«
    »... esss...«
    »... nichcht!«
    »Wer sollte mich hindern?«, fragte Sardon, ohne den Blick vom Gral abzuwenden. Er mochte längst nicht gereinigt sein, aber er würde ihn nicht zurücklassen. Niemals.
    »Spürsst...«
    »... du...«
    »... esss...«
    »... nichcht?«
    Sardons Hände sanken herab.
    O doch, er spürte es. Er hatte es vorhin schon gespürt.
Es
– das, wozu die Purpurzone geworden war. Oder vielmehr: Was sie von Anfang an gewesen war.
    Ein Teil von IHM, dem Schöpfer.
    ER hatte kraft dessen, was im Kelch zurückgeblieben war, eine Art »Blase« in der Wirklichkeit geschaffen. Riss man ihre Wände nieder, würde alles, was sich in ihrem Inneren befand, aufgehen in IHM. Schuf man auch nur ein winziges Loch darin – und genau das würde geschehen, wenn man den Kelch aus dem schwarzen »Ding« nahm –, würde es nicht anders sein.
    Kein Tod konnte schlimmer sein. Sardon duckte sich unwillkürlich unter der bloßen Vorstellung.
    Mühsam, als laste das tatsächliche Gewicht seines Alters auf ihm, erhob er sich.
    Verloren...
    Nach all den Jahrhunderten der Jagd hatte er den Lilienkelch endgültig verloren, trotzdem er ihm zum Greifen nahe war. Das Gefühl von Bitternis breitete sich in seinem Mund aus wie der Geschmack üblen Blutes.
    Die Art, in der es geschah, war unwürdig. Nachdem sein Trachten und Denken weit über tausend Jahre allein dem Gral gegolten hatte, wollte Sardon nicht, dass es so endete – unspektakulär, erbärmlich.
    Sein Blick versank in der Leere

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