Black Dagger 20 - Schattentraum
nach ihren Waffen zu greifen.
Sie gab ein eindrucksvolles Bild ab, wie sie da so im Lichtkreis stand, hart umrissen und schwarz, umwirbelt von Schneeflocken, die Stiefel fest auf dem weißen, weichen Untergrund verankert. Doch Xcor fühlte sich nicht zu ihr hingezogen – obwohl er bei ihr vielleicht eher Chancen gehabt hätte. Jemand von ihrer Härte hatte vielleicht weniger Probleme im Angesicht seines … Angesichts.
»D u scheinst mir ziemlich aggressiv, werte Vampirin.«
»W enn du mich zwingst, dich zu töten, werde ich nicht zögern.«
»S o, so. Ich werde es mir merken. Sag mir, bist du hiergeblieben, um dich meiner Gesellschaft zu erfreuen?«
»I ch bezweifle, dass sie sonderlich erfreulich ist.«
»D a hast du recht. Ich bin nicht gerade bekannt für meine guten Umgangsformen.«
Sie verfolgte ihn, dachte er. Deshalb war sie hier. Wenn er es sich genau überlegte, hatte er schon seit einigen Stunden das Gefühl, beschattet zu werden.
»I ch fürchte, ich muss gehen«, näselte er. »A ber etwas sagt mir, dass sich unsere Wege wieder kreuzen werden.«
»D arauf kannst du Gift nehmen.«
Er neigte ihr den Kopf zu … und dematerialisierte sich an einen fernen Ort. Mit welchen Mitteln sie ihm auch nachschnüffelte, Molekülen konnte sie nicht folgen. So gut war niemand.
Das konnte nicht einmal seine Auserwählte – dem Himmel sei gedankt. Denn diese fixe Idee war wahrlich lang genug in seinem Kopf herumgespukt: Wenn sie wollte, konnte sie ihn finden, denn ihr Blut in ihm war wie ein Leuchtfeuer, das ziemlich lange für sie brennen würde.
Aber sie hatte es nicht getan und würde es auch in Zukunft lassen. Sie hatte nichts mit dem Krieg zu schaffen –
Als er fern der Innenstadt am Ufer des Hudsons Gestalt annahm, klingelte sein Handy. Er holte das schwarze Ding hervor und blickte auf das Display. Das Bild eines altmodischen Dandys leuchtete neben Symbolen und Nummern, die er nicht entziffern konnte – sein Kontaktmann bei der Glymera.
Xcor drückte auf die grüne Taste. »W ie schön, von dir zu hören, Elan«, murmelte er. »W ie geht es dir wohl an diesem wundervollen Abend? Das sind sie? Ausgezeichnet. Über den Ort können wir noch einmal sprechen – aber sage ihnen zu. Wir wollen eiligst mit ihnen zusammenkommen.«
Perfekt, dachte er, als er die rote Taste drückte. Die Splittergruppe der Glymera wollte ihn persönlich kennenlernen. Langsam kam die Sache ins Rollen.
Es wurde aber auch Zeit.
Er blickte über den Fluss und ließ seiner Aggression freien Lauf, doch sie verebbte schnell wieder. Unausweichlich kehrten seine Gedanken zu der Auserwählten und diesem schrecklichen Ausdruck in ihrem Gesicht zurück.
Sie wusste jetzt, wer er war.
Und wie alle weiblichen Wesen sah sie in ihm ein Monster.
Von der Rückbank des SUV aus überprüfte Qhuinn in alle Richtungen, ob sie verfolgt wurden. Außerdem hatte er V und Rhage gerufen, um den BMW für alle Fälle zu eskortieren.
Dass seine Sorge Xcors Bande galt, hatte er nicht erwähnt. Sie nahmen an, dass es um Lesser ging, und er hatte sie nicht aufgeklärt.
John fuhr auch nicht zum Anwesen der Bruderschaft – es gab keinen Grund, in die Nähe ihres Stützpunktes zu kommen. Stattdessen fuhren sie in die Vorstadt, um dort ihre Kreise zu ziehen und in menschlicher Nachbarschaft zu bleiben, bis sich Layla etwas erholt hatte und sie sich ins Haus dematerialisieren konnten.
Qhuinn musterte sie von der Seite. Sie blickte starr aus dem Fenster, und ihre Brust hob und senkte sich viel zu schnell.
Aber die Erkenntnis, dass man dem Feind geholfen hatte – ihm womöglich das Leben gerettet hatte –, wäre für jeden ein harter Schlag gewesen.
Er beugte sich zu ihr hinüber, legte ihr die Hand aufs Bein und drückte es. »A lles ist gut, Süße.«
Sie sah ihn nicht an. Schüttelte nur den Kopf. »W ie kannst du das sagen?«
»D u wusstest es nicht.«
»E r ist in der Stadt geblieben. Er verfolgt uns nicht.«
Gut zu wissen. »S ag mir, wenn sich daran etwas ändert.«
»N atürlich.« Ihre Stimme klang leblos. »U nverzüglich.«
Qhuinn fluchte verhalten. »L ayla, sieh mich an.« Als sie nicht reagierte, legte er den Zeigefinger unter ihr Kinn. »H ey, du wusstest nicht, wer er war.«
Layla schloss die Augen, als wünschte sie, sie könnte zu jener Nacht zurückkehren und alles anders machen.
»K omm her«, sagte Qhuinn und zog sie an sich.
Sie lehnte steif an seinem Arm, und als er ihr den Rücken rieb, spürte er die Anspannung in
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