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Blut vergisst nicht: 13. Fall mit Tempe Brennan

Blut vergisst nicht: 13. Fall mit Tempe Brennan

Titel: Blut vergisst nicht: 13. Fall mit Tempe Brennan Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kathy Reichs
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hatte wirklich schöne Augen. Eins braun, das andere grün wie eine Tanne. O Mann.«
    Der nächste Kodak-Augenblick zeigte Spider, Plato und Harriet auf einem Pier. Alle trugen Shorts und leichte Sommerhemden. Harriet sah aus, als hätte sie viel zu viel Sonne und viel zu wenig Sonnencreme abbekommen. Einige Falten verschwanden zu einem V in ihrem beträchtlichen Dekolleté.
    Das vorletzte Bild zeigte Spider unter einem Bogen aus Luftballons neben einem Mädchen mit Brille und hoch aufgetürmten Haaren. Er trug ein weißes Sakko mit einer Blume im Knopfloch. Sie trug ein rosafarbenes Abendkleid aus Satin mit Rüschenmanschetten. Beide wirkten steif und linkisch.
    Die letzte Aufnahme war das offizielle Porträt einer Baseballmannschaft, zwölf Jungs in Uniform und zwei Trainer, einer vorne auf ein Knie gestützt, der andere stehend in der hinteren Reihe. Ein aufgedrucktes Datum nannte die Saison: 1966/67.
    Wieder war Piatos Erklärung unerwartet lang.
    »Das wurde in Spiders letztem Collegejahr aufgenommen, bevor er zur Armee ging. Er hatte für Sport nicht viel übrig, wollte es aber wenigstens mal versuchen. Meistens saß er auf der Bank. Das da ist er.«
    Lowery deutete mit dem Finger auf einen Jungen, der in der ersten Reihe kniete.
    Ich hob das Album eben an, als er es zur Seite riss.
    »Moment.« Er hielt sich die Seite auf Armeslänge vor die Augen, zog sie heran und streckte die Arme dann wieder. Diesmal deutete er mit dem Finger auf einen der stehenden Jungs. »Das da ist Spider.«
    Ich begriff den Grund für Lowerys Verwirrung. Beide Jungs hatten dieselben dunklen Haare und Augen, dieselben schweren Brauen über den Augenhöhlen.
    »Mann«, sagte ich. »Sie könnten Brüder sein.«
    »Cousins, von Harriets Seite her. Die Leute verwechselten sie immer. Nur dass Spider die grünen Augen von seiner Mama hatte. Reggies waren dunkel wie meine.«
    Das Foto war zu ausgebleicht, die Gesichter zu klein, um sie auf Anhieb auseinanderhalten zu können.
    »Ein Herz und eine Seele, die beiden«, fuhr Plato fort. »Reggie war derjenige, der Spider dazu überredete, ins Team zu gehen.«
    Der alte Mann nahm das Album zurück und klappte es zu. Wieder entstand ein langes Schweigen, bevor er noch etwas sagte.
    »Mein Daddy kämpfte in Frankreich. Ich tat in Korea meine Pflicht. Drei meiner Brüder gingen zur Army, einer zur Navy. Alle ihre Söhne meldeten sich freiwillig. Ich will damit nicht angeben, nur eine Tatsache feststellen.«
    »Das ist bewundernswert, Sir.«
    »Spider ging nach Vietnam und kam in einer Kiste zurück.«
    Lowery atmete durch die Nase ein. Atmete aus. Schluckte.
    »Ich hatte immer Vertrauen ins Militär. Jetzt —«
    Dann klappte er unvermittelt das Album noch einmal auf, riss das Mannschaftsfoto heraus und hielt es mir hin.
    »Ich vertraue darauf, dass Sie meinem Jungen Gerechtigkeit widerfahren lassen.«
     
    Ich hatte mich um über eine Stunde verschätzt. Als ich in meinem Stadthaus in Charlotte war, schlug die Uhr meiner Oma auf dem Kaminsims bereits zehn.
    Bird fing mich, Missbilligung verströmend, an der Tür ab.
    Nachdem ich mich bei dem Kater entschuldigt und ihm seine Schüssel aufgefüllt hatte, zog ich mich aus, warf meine Klamotten in die Waschmaschine und stieg unter die Dusche. Während ich mich abtrocknete, erzählte ich ihm von meinem Tag in Lumberton.
    Ich zog eben einen Pyjama an, als in der Küche etwas schepperte.
    Verwirrt eilte ich nach unten.
    Ich durchquerte eben das Esszimmer, als Katy durch die Schwingtür krachte.
    Der Ausdruck im Gesicht meiner Tochter ließ mir das Blut in den Adern erstarren.

8
    Katys Haare waren ein blondes Chaos, die Augen feucht und gerötet. Die unteren Lider und die Wangen waren mit Mascara verschmiert.
    Ich stürzte zu meiner Tochter und drückte sie an mich. »Liebling, was ist denn los?«
    Katy stand nur stumm da, die Schultern hochgezogen, die Hände zu Fäusten geballt.
    Ich schob sie sanft in mein Arbeitszimmer und auf die Couch, nahm sie dort wieder in die Arme und streichelte ihr den Rücken. Sie blieb steif, weder wehrte sie sich gegen meine Berührung, noch reagierte sie darauf.
    Sekunden vergingen. Eine Minute. Schließlich ließ sie, tief aufseufzend, ihren Körper gegen meinen sinken. Bald durchnässten Tränen meine Pyjamajacke.
    Mein Magen krampfte sich zusammen, während ein Kaleidoskop von Bildern auf mich einstürzte. Tragödien der Kindheit, die ähnliche Tränen ausgelöst hatten. Der Tod ihres Kätzchens Arthur. Der Umzug ihrer

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