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Blutsverwandte: Thriller (German Edition)

Blutsverwandte: Thriller (German Edition)

Titel: Blutsverwandte: Thriller (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jan Burke
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möglich seine ungeteilte Aufmerksamkeit widmete.
    Er nahm oft diesen Nonstop-Flug nach Paris und versuchte daher gar nicht erst, unter einem falschen Namen zu reisen. Das würde sich ändern, sobald er gelandet war, doch fürs Erste blieb er Mr. Fletcher, wie immer.
    Sowie er sicher war, dass er eine Zeitlang ungestört bleiben würde, griff er nach seinem Exemplar des Las Piernas News Express und las den Artikel noch einmal durch. Dann schloss er die Augen und malte sich aus, auf wie viele Arten Giles’ Pläne schiefgehen könnten. Die Anzahl überstieg sein Vorstellungsvermögen.
    Er hatte gewusst, dass es Ärger geben würde, sobald die Geschichte in der Zeitung gestanden hatte. Da abzusehen war, dass Giles alles noch schlimmer machen würde, blieb ihm nichts anderes übrig, als zu verschwinden.
    Aufgrund einer Abmachung mit einem Neffen, der Zeitungen ausfuhr, hatte er jeden Morgen schon in aller Frühe ein Exemplar des Express bekommen. Und deshalb war Dex heute Morgen bereits um vier Uhr zum Flughafen Los Angeles aufgebrochen. Um sechs war er in der Luft.
    Falls Giles Mist baute, begrüßte ihn womöglich die Polizei, sobald er morgen früh um halb acht in Paris eintraf. Dann wäre es – er sah auf die Uhr und rechnete hastig – in Las Piernas halb elf Uhr abends und immer noch Dienstag.
    Möglich, sagte er sich. Unwahrscheinlich, aber möglich. Auf jeden Fall war es klüger, jetzt zu verschwinden und dann zu erfahren, dass zu Hause alles in Butter war und Giles’ Plan funktioniert hatte, als dazubleiben und es hinterher bereuen zu müssen.
    Kurz vor seiner Abreise hatte er Nelson angerufen. Er hatte schon immer eine Schwäche für den armen Nelson gehabt.
    Die meisten Leute würden ihn den reichen Nelson nennen. Nelson war erfolgreich, und er war ein Ass in seinem Beruf, doch hatte er sich stets auf Dexter gestützt, der ihm Informationen über andere lieferte, sich um ihn kümmerte und ihn vor Leuten schützte, die ihn ausnutzen wollten. Er bezahlte Dexter gut für seine Hilfe in Rechtsfragen, doch in Dexters Augen hatte der wertvollste Rat, den er seinem Bruder gegeben hatte, wenig mit Recht zu tun.
    Beim Gedanken an Nelson seufzte er. Er hatte für ihn getan, was er konnte. Jetzt musste er seinen eigenen Kopf aus der Schlinge ziehen.
    Seit Jahren hatte er sich auf diesen Tag vorbereitet. Er hatte schon immer eine Reihe sicherer Häuser für Cleo besorgt, stets in dem stillschweigenden Übereinkommen, dass vielleicht irgendwann der Tag kommen würde, an dem er eines oder mehrere davon selbst nutzte.
    Dex glaubte sie besser zu kennen als alle anderen, die momentan eine Rolle in ihrem Leben spielten.
    Er verwandelte den Sitz in ein Bett, um ein paar Stunden lang bequem schlafen zu können.
    Er schloss die Augen und lächelte vor sich hin. Cleo war eine mit allen Wassern gewaschene kleine Teufelin, und sie würde Giles nie ganz vertrauen. Mit etwas Glück hatte er soeben lediglich das Geld für einen einfachen Flug nach Frankreich zum Fenster hinausgeworfen.
    Er schlug die Augen auf. Würde er in die Familie zurückkehren, wenn er könnte? Der Gedanke, sie zu verlassen, war einst undenkbar gewesen. Aber jetzt … jetzt gab es eine ganze Menge Möglichkeiten.
    Er schloss erneut die Augen und sank in einen tiefen Schlaf.
    Die Flugbegleiterin kam wenig später wieder und nahm das leere Weinglas mit. Es war immer ein Vergnügen, Dex Fletcher zu bedienen, der weder schwierig noch anspruchsvoll war und sich regelmäßig nicht nur daran erinnerte, wie man hieß, sondern auch wusste, ob man Kinder hatte, und sich nach ihnen erkundigte. Er interessierte sich einfach für die Menschen um ihn herum, ganz anders als die meisten der Widerlinge, die erster Klasse flogen. Seine Frau konnte sich glücklich schätzen. Sie blickte auf sein gut geschnittenes Gesicht herab, das schlafend fast noch attraktiver wirkte, und machte die Leselampe aus, die er angelassen hatte. Die Zeitung ließ sie liegen – der Versuch, sie ihm wegzunehmen, hätte ihn wahrscheinlich geweckt. Der Ärmste. Als sie vorhin mit ihm gesprochen hatte, war er ihr ziemlich müde erschienen.

49. KAPITEL
     
    DIENSTAG, 2. MAI, 12:35 UHR BREITENGRAD 33°10’0˝, LÄNGENGRAD 118°11’15˝
     
    Nelson Fletcher stand an Bord des Trawlers, der früher einmal Elisa geheißen hatte, und sah in einen herrlichen Tag hinaus, der dummerweise der unglücklichste Tag seines Lebens war.
    Vom Heck aus konnte er Santa Catalina Island hinter sich liegen sehen. Vor ihm

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