Blutsverwandte: Thriller (German Edition)
herum, mit denen sie spielen konnte.
Jenny war praktisch noch ein Kleinkind und würde letztlich schlucken, was man ihr eingeredet hatte, nämlich dass ihre Eltern tot seien. Victoria und Roy wären ihre neue Mommy und ihr neuer Daddy. Onkel Nelson wäre für Jenny immer noch Onkel Nelson, obwohl er dafür sorgen musste, dass Elisa den Fletchers fernblieb, und wenn sie denn Kontakt hatte, würde sie sich nie zur selben Zeit im Haus von Graydon Fletcher aufhalten wie Roy mit seiner Familie.
Caleb wäre dann auf dem College. Nelson hoffte jedoch, ihn enger an den Rest der Familie Fletcher binden zu können.
Natürlich war es nicht so gekommen …
Teilweise allerdings doch. Elisa hatte nie das geringste Interesse an den Fletchers entwickelt, was in mancher Hinsicht ein Segen war, ihn in anderer Hinsicht jedoch belastete, da die Familie ihm so viel bedeutete. Jenny gewöhnte sich ein – so kam es ihm wenigstens vor, obwohl ihn sein schlechtes Gewissen davon abhielt, Roys Familie oft zu besuchen. Dennoch hatte es ihn überrascht, wie lange und intensiv Elisa um Jenny trauerte und wie hartnäckig sie an dem Glauben festhielt, dass Jenny noch lebte.
Ebenso wenig hatte er geahnt, wie sehr sie Mason vermissen und sich um sein Wohlergehen sorgen würde. Also tat er, was er konnte, für Mason, nachdem der junge Mann verurteilt worden war. Das brachte Nelsons Werben um Elisa weiter voran, als er sich je hätte träumen lassen.
Caleb hatte sich als ebenso unmöglich und stur erwiesen wie sein Vater. Elisa fühlte sich von Calebs Verhalten entsetzlich verletzt und vermisste ihn ebenfalls, doch war sie wegen Nelson auch wütend auf ihn. Sie sah, wie sich Nelson um Calebs Freundschaft bemühte und wie dieser Nelson zurückwies, und war von ihrem Sohn enttäuscht.
Nelson versuchte ihr das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Sie brauchte nach Richards Tod und all ihren anderen Verlusten jemanden zum Anlehnen. Nelson genoss es, ihr dabei zu helfen, das Leben wieder anzunehmen. Sie war eine erstaunliche Frau, viel stärker, als manche glaubten.
Er liebte sie und war überzeugt davon, dass auch sie ihn liebte. Oder den Mann liebte, für den sie ihn hielt. All das würde sich nun ändern.
Wenn er sich umbrachte, bliebe ihr wenigstens sein Vermögen. Er spürte die Meeresbrise und die Wärme der Sonne auf seinem Gesicht. Noch nicht, dachte er, noch nicht.
Er würde warten, bis er sicher war, dass Dexter recht hatte. Er hatte so lange gewartet, um mit Elisa zusammen zu sein, nun würde er noch ein bisschen länger warten, ehe er losließ.
50. KAPITEL
DIENSTAG, 2. MAI, 20:15 UHR SAN BERNARDINO MOUNTAINS
»Genie«, sagte Dad, »Cleo und ich verschwinden kurz nach draußen. Jungs, ihr geht nach oben, putzt euch die Zähne und zieht die Schlafanzüge an. Ich komme dann gleich und bringe euch ins Bett.«
Die Jungen sahen Genie an, die leicht nickte, und gingen nach oben. Als sie sich umwandte, merkte sie, dass Cleo sie beobachtete. Sie lächelte und sagte: »Danke, dass wir in deinem Haus wohnen dürfen, Cousine Cleo.«
»Keine Ursache, Genie.« Genie dachte erst, sie wolle mehr sagen, doch Cleo schien es sich anders überlegt zu haben und trat an einen Wandschrank, um einen warmen Mantel, Handschuhe und eine Wollmütze herauszunehmen.
Als die beiden das Haus verlassen hatten, fühlte sich Genie erleichtert. Sie war sicher, dass Cousine Cleo eine Lügnerin war. Genie hatte absichtlich mehrere Male Carrie erwähnt und registriert, dass Cleo das gar nicht recht war. Sie hoffte, das hieß, dass Carrie entweder bei Ms. Kelly war oder vielleicht schon ihren richtigen Vater getroffen hatte. Es fiel ihr schwer, sich vorzustellen, dass Carrie vielleicht nicht mehr zu ihnen zurückkehren würde.
Cleo passte es auch nicht, als Aaron weinte und sagte, dass er zu seiner Mommy wolle. Sie warf Aaron einen giftigen Blick zu, der ihn nur noch heftiger weinen ließ. Genie hatte ihn allerdings schnell getröstet und abgelenkt, bis er aufhörte. Zwar hatte Cleo weder etwas zu ihm gesagt noch ihm etwas getan, aber dieser Blick … dieser Blick war beängstigend.
Dad schien überhaupt nicht wahrzunehmen, dass sie da waren. Man musste ihn mehrmals ansprechen, damit er einen bemerkte. Zwei Minuten später hatte es dann den Anschein, als hätte er nichts von dem gehört, was man zu ihm gesagt hatte, oder gar völlig vergessen, dass man da war. Seit Cleo aufgetaucht war, war es noch schlimmer geworden. Dad machte bereitwillig alles,
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