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Blutsverwandte: Thriller (German Edition)

Blutsverwandte: Thriller (German Edition)

Titel: Blutsverwandte: Thriller (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jan Burke
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auf der Steuerbordseite lag San Clemente Island und backbord das nördliche San Diego County.
    Dexter hatte ihn um fünf Uhr heute Morgen angerufen. Nelson hatte so getan, als sei es ein geschäftlicher Anruf, und behauptet, er müsse ein paar Tage verreisen. Bis er angezogen war, war seine Frau Elisa wieder eingeschlafen. Ihre Haut war zart und warm, als er sie zum Abschied küsste und sie dabei halb weckte.
    Fast hätte er in diesem Moment alles vermasselt, da er beinahe die Nerven verloren, sie umarmt und eine übertriebene Abschiedsszene gemacht hätte.
    Dann dachte er daran, wie sehr sie ihn am Ende dieses Tages hassen würde, und riss sich zusammen.
    Dexter hatte ihn vor fast einer Woche gewarnt, dass Giles irgendetwas im Schilde führte, das für alle gewaltigen Ärger bedeuten werde. Schließlich hatte Nelson nachgegeben und dafür gesorgt, dass das Boot heimlich umgetauft wurde und einen anderen Liegeplatz bekam. Später müsste es noch neu lackiert werden.
    Als Nelson vor fast sieben Jahren in Giles’ Pläne einbezogen wurde, hatte ihn Dexter beiseitegenommen und ihm geraten, unbedingt Vorkehrungen dafür zu treffen, vielleicht eines Tages schnell das Land verlassen zu müssen.
    Zwecklos, die Zeit zurückdrehen zu wollen, sagte er sich. Zwecklos, sich zu überlegen, was er hätte anders machen können. Scham, Schuldgefühle und Reue waren nun seine ständigen Begleiter. Und trotzdem …
    Und trotzdem hatte er Elisa geheiratet. Wäre das ohne Giles’ Pläne geschehen? Nein.
    Sie hätten schon vor langer Zeit heiraten können. Sie lernten sich kennen, gingen miteinander aus, und er war von Anfang an verrückt nach ihr. Allerdings fühlte er sich in Masons Gegenwart beklommen, da sich dieser nie von irgendetwas beeindrucken ließ, womit Nelson ihn für sich einzunehmen versuchte.
    Was für Fehler er auch immer in Bezug auf Mason machte, sie waren gar nichts im Vergleich zu seinem größten Missgriff: Er stellte Elisa seinem charmanten Bruder Richard vor.
    Richard und Elisa vergaßen alle anderen um sich herum, sowie sie miteinander bekanntgemacht wurden. Ach, irgendwann fragte ihn Richard, ob es ihm etwas ausmachen würde … ob es ihm etwas ausmachen würde! Nelson war von dem in seinen Augen doppelten Verrat schwer gekränkt, und sein Stolz war verletzt. Richard und Elisa bemerkten in ihrer Verliebtheit nicht einmal, wie viel es ihn kostete, seine vermeintliche Gelassenheit aufrechtzuerhalten.
    Giles hatte es bemerkt. Dexter und Roy auch. Sie sahen, dass im Lauf der Jahre der Schmerz darüber an ihm fraß.
    Er rang schwer darum, ein Teil von Richards und Elisas Leben zu bleiben, nur um in Elisas Nähe zu sein, sie zu unterstützen. Zu ihm hielten sie als einzigem Familienmitglied den Kontakt.
    Fast fünfzehn Jahre vergingen auf diese Weise. Er wartete darauf, dass ihn eine andere Frau in dieser Form anzog. Darauf, dass sein Verlangen nach Elisa nachließ. Doch keine andere konnte ihn jemals reizen.
    Er erzählte den anderen, er sei mit seiner Arbeit verheiratet. In gewissem Sinne stimmte das auch. Nelson war sich sicher, dass er mit Ausnahme von Giles, Dex und Roy jeden getäuscht hatte.
    Bis Richard dieser Illusion eines Tages ein Ende machte.
    »Von all meinen Brüdern«, begann er, »warst du immer am nettesten zu mir. Das macht das Ganze besonders schwer, weil ich dich nicht kränken will, aber ich weiß nicht, wie ich es vermeiden soll. Du musst ein bisschen mehr Distanz zu meiner Familie halten, Nelson.«
    »Was soll das heißen?«, fragte Nelson fassungslos.
    »Es tut mir leid. Ich weiß, dass dich das verletzt. Doch selbst Mason ist aufgefallen, dass du immer noch …« Er suchte nach dem passenden Wort. »Dass du immer noch in Elisa verliebt bist.«
    »Mason! Er hat weder vor dir noch vor ihr den geringsten Respekt. Was du ihn alles zu Elisa sagen lässt! Er macht sie so unglücklich …«
    »Damit kommst du nicht durch, Nelson. Diesmal lenkst du mich nicht ab, schon gar nicht, indem du schlecht über Mason redest. Mason ist völlig in Ordnung. Er wird diese rebellische Haltung irgendwann überwinden. Er ist intelligent und begabt und hat ein gutes Herz.« Richard seufzte. »Siehst du, fast hätte es wieder funktioniert. Diesmal hat Mason aber zufälligerweise recht, und er hatte auch den Mut, mich damit zu konfrontieren. Ich habe immer gehofft, immer glauben wollen, dass du irgendwann akzeptieren würdest, dass Elisa und ich glücklich verheiratet sind, aber ich fürchte, ich habe dir damit einen

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