Darkover 23 - Asharas Rückkehr
Tat mythische Dimensionen; selbst die Götter wurden mit hineingezogen. Mein Haar war einmal so rot wie deines.«
»Wirklich?« Sie wünschte, er würde aufhören, so geheimnisvoll zu sein, Andeutungen zu machen, ihr Bruchstücke an Information zu überlassen statt einer zusammenhängenden Sammlung von Fakten, in die sie sich verbeißen konnte. Und wieder dieses Wort - Sharra. Es lief ihr kalt den Rücken hinab, obwohl es im Garten warm war. »Na schön - ich habe gerade mehr über die Geschichte meines Vaters erfahren als in meinem ganzen bisherigen Leben. Er ist problematisch daran hat sich nichts geändert.« Sie verzog den Mund zu einer Art Grinsen. »Aber wenn das die Geschichte ist, warum fand sich dann nichts davon auf der Diskette, die ich studiert habe? Das Freundlichste, was ich darüber sagen kann, ist, dass sie so gut wie frei von Informationen war. Von einer… Sharra war keine Rede, und wenn es ein so bedeutendes Ereignis war, wie Sie sagen, warum wird es dann nicht in den terranischen Archiven erwähnt?«
Regis schien jetzt in seine eigenen Gedanken versunken zu sein und sprach fast mechanisch. »Oh, es ist in den Archiven, aber nicht zur allgemeinen Kenntnis freigegeben. Es gibt Dinge, von denen wir glauben, dass wir sie lieber nicht dem Blick der Öffentlichkeit überlassen sollten. Darkover birgt immer noch ein paar Geheimnisse, und ich glaube, das ist gut so.«
Margarets Reaktion auf diese ruhig zugegebene Unterdrückung von Informationen war die einer Gelehrten - sie wurde fuchsteufelswild. Es war eine unnötig heftige Gefühlsaufwallung - Regierungen versuchten nun einmal, Geheimnisse zu bewahren. Ihr wurde klar, dass sie zwar auf diesen freundlichen Fremden neben ihr wütend war, aber noch wütender auf den Alten. »Ihre kleinen Geheimnisse haben nichts mit mir zu tun. Ich bin rein zufällig hier, und ich möchte einfach nur in Ruhe arbeiten …« Sie sprach in ihrem kältesten, förmlichsten Tonfall. Margaret empfand eine wachsende Hilflosigkeit, ausgelöst vom Klang zweier harmloser Silben: Sharra! Manchmal hatte ihr Vater nachts dieses Wort gerufen, und sie war jedes Mal aufgewacht und hatte am ganzen Leib gezittert. Und wenn sie dann wieder einschlief, träumte sie immer von einem großen, leuchtenden Edelstein voller Licht und Feuer. Das Bild brannte für einen Moment in ihrem Geist, bevor sie es wieder verbannte.
»Du hörst dich ganz wie dein Vater an! Und du siehst in diesem Augenblick deiner Mutter sehr ähnlich.«
»Thyra?«, fragte sie eisig.
»Ahm … na ja, zumindest weißt du darüber Bescheid. Es ist mir ein bisschen peinlich.«
»Peinlich? Wieso? Sie sind ja schließlich nicht mit der Schwester Ihrer Frau ins Bett gegangen, oder?« Kaum hatte sie es gesagt, bereute sie es auch schon.
Zu ihrer großen Erleichterung wirkte Regis nicht gekränkt; es war fast, als verstünde er ihre Wut und Verwirrung. »Nein, das bin ich nicht. Ich habe einige interessante Dinge getan in meinem Leben, aber das war nicht dabei. Ich habe Marjorie
Scott nur einmal gesehen und bin ihr nie offiziell vorgestellt worden, aber da sie und Thyra Halbschwestern waren und sich sehr ähnlich sahen, habe ich wohl beide gemeint. Formal bist du die Tochter von Marjorie Scott - auch wenn sie deine Tante ist. Ich mache ein völliges Durcheinander aus der Sache, oder? Ich meine, in unseren Unterlagen wirst du als ihre Tochter geführt. Du bist wie alle deine Eltern«, und du hast die gleiche unselige Empfindlichkeit wie Lew, dachte er, ohne es auszusprechen. Margaret hörte die nicht gesagten Worte deutlich und zuckte zusammen.
»Sieht aus, als hätte ich einen Überfluss an Müttern - wenn man Dio noch mit dazurechnet. Ich finde die ganze Sache verwirrend und unerfreulich.«
»Wie meinst du das?«
»Wie würden Sie sich fühlen, wenn sie herausfänden, dass Ihre Mutter eigentlich Ihre Tante ist, und Ihre Tante Ihre Mutter, und dass die eine so merkwürdige Person war, dass niemand ihren Namen aussprechen mag.«
»Hm, ich glaube, ich wäre ziemlich aufgebracht, jetzt, wo du es sagst. Aber wie hast du von ihr gehört - in welchem Zusammenhang?« Regis sah sie an, und er wirkte sowohl interessiert als auch aufrichtig. »Bei Meister Everard in der Musikstraße. Er ließ mich diese Ryll probieren, von der er sagte, dass man sie nicht spielen kann, und dieses Lied kam aus ihr heraus … es war sehr gespenstisch. Dann erzählte er mir ein wenig von der Geschichte des Instruments, und ich begriff… es spielt keine Rolle.«
Weitere Kostenlose Bücher