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Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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allem nach dem bitteren Rauch, den er eingeatmet hatte. Die Kraft seines Arms, der sie umfing, und das Kratzen seines Bartes auf ihrer Haut. Das aufgeborstene, alte Leder seiner Schuhe unter ihren nackten Zehen und die Form der Knochen seiner Füße, die darin steckten.
    »Du bist es«, sagte sie und weinte. »Du bist wieder zu Hause!«
    »Aye, ich bin zu Hause«, flüsterte er ihr ins Ohr. »Geht’s dir gut? Und Jemmy?«
    Sie lockerte ihre Umklammerung seiner Rippen, und er lächelte sie an - wie seltsam, sein Lächeln durch einen dichten, schwarzen Bart zu sehen, wenn auch das Mondlicht die vertraute Rundung seiner Lippen zeigte.
    »Alles in Ordnung. Und du?« Sie schluchzte, und ihr liefen die Augen über, als sie ihn ansah. »Was machst du denn hier draußen, zum Kuckuck? Warum hast du nicht geklopft?«
    »Aye. Bestens. Ich wollte dir keinen Schrecken einjagen. Ich dachte, ich schlafe hier draußen und klopfe am frühen Morgen. Warum weinst du denn?«
    In diesem Moment begriff sie, dass er nicht deshalb flüsterte, um Jemmy nicht zu wecken; das bisschen Stimme, das er hatte, war eine zerschlissene Hülle, tonlos und außer Atem. Und doch sprach er deutlich und brachte seine Worte ohne Zwang hervor, ohne sein früheres, schmerzerfülltes Zögern.
    »Du kannst sprechen«, sagte sie und wischte sich hastig mit dem Handrücken über die Augen. »Ich meine - besser.« Früher einmal hätte sie aus Rücksicht auf seine Gefühle gezögert, seinen Hals zu berühren, doch sie war instinktiv so klug, die plötzliche Intimität des Schocks nicht ungenutzt zu lassen. Möglich, dass die Spannungen wiederkehrten und sie erneut Fremde wurden, doch im Moment, in diesem Moment konnte sie in der Dunkelheit alles sagen, alles tun, und sie legte ihre Finger auf die warme, raue Narbe, berührte den Einschnitt, der ihm das Leben gerettet hatte, eine glatte, weiße Linie in seinem Bart.
    »Tut es immer noch weh, wenn du redest?«
    »Es tut weh«, krächzte er leise, und sein Blick traf den ihren, dunkel und sanft im Mondschein. »Aber ich kann es tun. Ich werde es tun - Brianna.«
    Sie trat zurück, eine Hand auf seinem Arm, denn es widerstrebte ihr, ihn loszulassen.
    »Komm herein«, sagte sie. »Es ist kalt hier draußen.«

     
    Ich hatte diverse Einwände gegen Kaminfeuer, angefangen bei den Splittern unter meinen Fingernägeln und dem Harz an meinen Händen bis hin zu den Blasen, Brandwunden und der schieren, ärgerlichen Feindseligkeit des Elementes. Zwei Dinge musste ich aber eingestehen: Es war unleugbar warm, und es tauchte den Liebesakt in ein gedämpftes Licht von solcher Schönheit, dass man alle Hemmungen der Nacktheit getrost vergessen konnte.
    Unsere beiden Schatten verschwammen an der Wand, hier ein Arm oder Bein, dort die Wölbung von Rücken oder Flanke, deutlich als Teil eines sich wiegenden Tiers erkennbar. Jamies Kopf tauchte auf, eine große, langmähnige Kreatur, die sich über mir erhob, den Rücken haltlos aufgebäumt.
    Ich fuhr mit den Fingern über schimmernde Haut und bebende Muskeln, strich über die glänzenden Haare auf Armen und Brust, um meine Hände dann in der Wärme seines Haars zu vergraben und ihn keuchend auf die dunkle Mulde zwischen meinen Brüsten hinunterzuziehen.
    Ich hielt die Augen halb geschlossen, genau wie meine Beine, denn ich wollte seinen Körper noch nicht freigeben, die Illusion der Einheit noch nicht aufgeben - wenn es denn eine Illusion war. Wie oft würde ich ihn wohl noch so halten, vielleicht sogar im Zauber des Feuerscheins?
    Ich klammerte mich mit aller Kraft an ihn und an das ersterbende Pulsieren meines Körpers. Doch wer versucht, die Freude festzuhalten, vertreibt sie nur, und innerhalb weniger Sekunden war ich nur noch ich selbst. Die dunkle Krampfader an meinem Knöchel war selbst im Schein des Feuers deutlich zu sehen.
    Ich ließ seine Schultern los und griff zärtlich in die drahtigen Locken seines Haars. Er drehte den Kopf zur Seite und küsste meine Brust, dann bewegte er sich seufzend und glitt neben mich.
    »Und man sagt, Hühner mit Zähnen sind selten«, sagte er und betastete vorsichtig einen tiefen Bissabdruck auf seiner Schulter.
    Ich lachte auf. Dann stützte ich mich auf einen Ellbogen und warf einen Blick zum Kamin.
    »Was ist denn?«
    »Ich überzeuge mich nur davon, dass meine Kleider nicht in Flammen aufgehen.« Im Eifer des Gefechtes hatte ich nicht großartig darauf geachtet, wohin er meine Kleidungsstücke geworfen hatte, aber sie schienen in

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