Das Flammende Kreuz
Zaun gewachsen war, und krähte vor Begeisterung, als sich ein Regen aus Laubstückchen und den getrockneten Überresten erfrorener Kürbisse über sein flammendes Haar ergoss. Sein rundes Gesicht trug einen Ausdruck entschlossener Konzentration, als er jetzt Anstalten machte, einen Kürbis von der Größe seines Kopfes in seinen Mund zu befördern.
Aus dem Augenwinkel fing ich eine Bewegung auf; Marsali, die mit Wasser von der Quelle kam, um den verkrusteten Kessel zu füllen. Nein, man sah ihr noch nicht das Geringste an - Jamie hatte Recht, sie war viel zu dünn -, aber jetzt, da ich es wusste, konnte ich die Blässe ihres Gesichtes und die Schatten unter ihren Augen sehen.
Verdammt. Noch eine rasche Bewegung; Briannas lange, weiße Beine, die im Schatten der großen Blaufichte unter ihren gerafften Röcken aufleuchteten. Und benutzte sie das Gänsefingerkrautöl? Zwar stillte sie Jemmy noch, aber das war keine Garantie, nicht in seinem Alter...
Ich hörte ein Geräusch hinter mir und fuhr herum. Ich sah Jamie umständlich in sein Deckennest zurückklettern wie ein leuchtend rotes Faultier. Er hatte meine Amputationssäge in der Hand.
»Was zum Teufel machst du da?«
Er ließ sich mit einer Grimasse niedersinken und legte sich langsam und heftig keuchend auf das Kissen zurück. Er hielt die zusammengeklappte Säge an seine Brust geklammert.
»Ich wiederhole«, sagte ich und stellte mich drohend über ihn, die Hände auf den Hüften, »was zum Teufel...«
Er öffnete die Augen und hob die Säge ungefähr drei Zentimeter hoch.
»Nein«, sagte er mit Nachdruck. »Ich weiß, was du denkst, Sassenach, und ich werde es nicht zulassen.«
Ich holte tief Luft, um zu verhindern, dass meine Stimme zitterte.
»Du weißt genau, dass ich es nicht tun würde, es sei denn, es wäre absolut unumgänglich.«
»Nein«, sagte er erneut und warf mir einen vertraut trotzigen Blick zu. Kein Wunder, dass er sich nie fragte, wem Jemmy ähnlich sah, dachte ich voll säuerlicher Belustigung.
»Du weißt ja gar nicht, was mit dir vorgeht -«
»Ich weiß besser als du, was mit meinem Bein vorgeht, Sassenach«, unterbrach er mich, dann hielt er inne, um Luft zu holen. »Es kümmert mich nicht.«
»Dich vielleicht nicht, aber mich!«
»Ich werde nicht sterben«, sagte er überzeugt, »und ich wünsche nicht, mit einem halben Bein zu leben. Mir graut davor.«
»Nun, ich brenne auch nicht besonders darauf. Aber wenn du die Wahl zwischen deinem Bein und deinem Leben hast?«
»So weit kommt es nicht.«
»Es könnte aber verdammt gut so weit kommen!«
»Nein.« Das Alter änderte nicht das Geringste, dachte ich. Zwei Jahre oder fünfzig, ein Fraser war ein Fraser, und es gab keinen Felsblock, der sturer war. Ich rieb mir mit der Hand durch das Haar.
»Nun. Gut«, sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen. »Gib mir das verdammte Ding, und ich packe es weg.«
»Dein Wort.«
»Mein was?« Ich starrte ihn an.
»Dein Wort«, wiederholte er und zahlte mir meinen Blick mit Zinsen zurück. »Vielleicht bekomme ich Fieber und verliere das Bewusstsein. Ich will nicht, dass du mir das Bein abnimmst, wenn ich nicht in der Lage bin, es zu verhindern.«
»Wenn es so weit kommt, bleibt mir gar keine andere Wahl.«
»Dir vielleicht nicht«, sagte er ganz ruhig, »aber mir. Ich habe meine Wahl getroffen. Dein Wort, Sassenach.«
»Du verfluchter, unsäglicher, haarsträubender -«
Sein Lächeln ließ mich aufschrecken, ein weißes Grinsen in seinem roten Gesicht. »Wenn du jetzt Schotte zu mir sagst, Sassenach, dann weiß ich, dass ich am Leben bleibe.«
Ein Aufschrei von draußen hinderte mich daran zu antworten. Ich fuhr zum Fenster herum und sah gerade noch, wie Marsali zwei Eimer Wasser fallen ließ. Das Wasser spritzte ihr über Rock und Schuhe, doch sie achtete nicht darauf. Ich blickte in die Richtung, in die sie schaute, und schnappte nach Luft.
Er war ganz lässig durch das Paddock gestapft, hatte die Zaunbalken zerbrochen, als wären es Streichhölzer, und stand jetzt in der Mitte des Kürbisbeets neben dem Haus, zuckende Kürbisranken in seinem kauenden Maul. Er war riesig, dunkel und zottelig und stand drei Meter von Jemmy entfernt, der ihn mit großen, runden Augen und offenem Mund anstarrte und den Kürbis in seinen Händen völlig vergessen hatte.
Marsali kreischte erneut auf, und Jemmy, der sich von ihrem Schrecken anstecken ließ, fing an, nach seiner Mutter zu schreien. Ich machte kehrt, schnappte Jamie gezielt die
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