Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Dein ist die Rache

Dein ist die Rache

Titel: Dein ist die Rache Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: David Mark
Vom Netzwerk:
längere Schraube, dann ist alles wieder wie neu«, meint McAvoy gedankenverloren. »Viel hält es nicht aus.«
    »Das Gewicht eines Körpers?«, fragt Pharaoh.
    »Nein.«
    McAvoy und Pharaoh sehen sich an. McAvoy übernimmt.
    »Wir versuchen, etwas mehr über Simons Tod herauszufinden«, sagt er, während er zur Sitzgruppe zurückgeht und sich absichtlich einschüchternd über dem kleinen, sitzenden Mann aufbaut. »Es gibt Hinweise, dass er ermordet wurde.«
    Darren sieht von einem zum anderen. Er wirkt ehrlich verblüfft.
    »Was? Wer?«
    »Das versuchen wir gerade herauszufinden. Soweit wir wissen, war Simon promisk. Können Sie sich an Leute erinnern, die ihn besucht haben?«
    Darren stellt die Gitarre weg. »Ich bin nicht die Nachbarschaftswache«, sagt er und verbirgt sein Unbehagen hinter einer leichten Aggressivität.
    »Mr Woodmansey …«
    »Ja«, schnappt er. Wirft einen Blick zu dem hünenhaften Polizeibeamten hoch und sagt sanfter: »Ja. Manchmal klopfte es bei ihm an der Tür. Und den ein oder anderen habe ich auch gesehen, ja.«
    »Erinnern Sie sich an Gesichter? Daten?«
    »Natürlich nicht«, gibt er ungläubig zurück. »Das waren einfach so Typen.«
    »Dann war Ihnen also klar, dass Simon homosexuell war.«
    Darren schnaubt. »Äh, bloß ein bisschen«, sagt er sarkastisch. »Ehrlich, schwuler geht’s gar nicht. Nicht dass mir das was ausmachen würde. So oder so, verstehen Sie?«
    »Und es machte Ihnen nichts aus, dass er vor Ihrer Tür mit Leuten rummachte?«
    »Vor meiner Tür hätte ich vielleicht etwas dagegen gehabt«, meint Darren. Er will aufstehen, lässt sich dann aber zurückfallen, als ihm klar wird, dass er McAvoy nur bis an die Brust reicht. »Es kümmert mich einen Scheiß, was er in seinem Schlafzimmer getrieben hat. Was hat das mit mir zu tun?«
    Pharaoh tritt neben McAvoy. »Hat es Ihnen leidgetan, als Sie hörten, dass er tot ist?«
    Die Frage scheint Darren zu erschüttern. Er beugt sich über die Armlehne des Sofas und greift nach einem Aschenbecher, der aussieht, als könnte er aus einem Pub gestohlen sein. Er zieht eine Zigarette aus dem Päckchen auf dem Boden und zündet sie an, inhaliert tief. »Wie auch immer. Üble Geschichte, Mann.«
    »Und Sie hatten keinen Verdacht, dass an der Geschichte etwas faul ist?«
    »Auf die Idee bin ich gar nicht gekommen.«
    Pharaoh verzieht das Gesicht. »Direkt neben Ihnen stirbt ein Mann, und Sie denken nicht darüber nach?«
    »Ich dachte, es ist eine Schande, dass er tot ist«, meint Darren und betrachtet die Glut seiner Zigarette. »Er machte einen ganz netten Eindruck. Aber Sie wissen ja …«
    McAvoys Gesicht ist ausdruckslos. »Ich weiß was?«
    »Na ja, die ganze Lebensweise«, sagt er und sucht nach den richtigen Worten, um sich auszudrücken. »Man weiß ja nie, was hinter verschlossenen Türen vor sich geht, oder? Vielleicht stand er ja auf dieses autoerotische Zeugs …«
    »Ach so, dann hatten Sie also doch eine Theorie«, erwidert Pharaoh säuerlich. »Vielleicht noch mehr?«
    »So war das nicht gemeint«, sagt er. Unter ihrem stechenden Blick wird ihm unbehaglich. »Ich meine, was darf man denn heutzutage noch denken? Ich wähle liberal. Also, das würde ich tun. Wenn ich zur Wahl ginge. Und wenn die Liberalen noch liberal wären. Mir ist egal, was die Leute treiben. Ich war mal in einer Band mit einem schwulen Bassisten.«
    Einen Moment tritt Stille ein. McAvoy mustert den jungen Mann und fragt sich, wie viele Jahre sie trennen. Wie unterschiedlich ihre Weltsicht ist. Wie es sich wohl anfühlen muss, die Welt mit solchem Desinteresse zu betrachten.
    »Das kenne ich«, beginnt Darren, als ein Song von Curtis Mayfield aus Pharaohs Handtasche plärrt.
    Pharaoh bringt ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen und greift nach dem Telefon. »Haben Sie daran gedacht, er könnte ermordet worden sein?«, fragt sie.
    Darren wendet sich zu McAvoy. Scheint einen Moment zu überlegen. Er zuckt die Achseln. »Vielleicht eine Sekunde lang. Ich weiß nicht.«
    McAvoy seufzt. »Denken Sie an den Zeitpunkt seines Todes zurück. Nicht den genauen Tag, ich weiß, an den können Sie sich nicht erinnern. Aber um die Zeit herum, als er gestorben ist. Wissen Sie noch, ob er da Besuch hatte?«
    »Es kamen und gingen ständig Leute.«
    McAvoy drückt den Rücken durch, und seine Brustmuskeln wölben sich unter dem Hemd. Er hat es satt, dass den Leuten alles egal ist. »Mr Woodmansey, ich weiß, es ist Sonntagnachmittag, und das hier hatten Sie

Weitere Kostenlose Bücher