Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)
meine Stirn ein lindes Wehen,
das wie ein Hauch von oben mich berührt.
Dorthin will ich des Glaubens Flügel schlagen,
die mich durch dich empor und zu dir tragen.Hilf mir, o Gott, stets deiner zu gedenken,
und was ich tu, auf dich nur zu beziehn.
Woll dich in mich, laß mich in dich versenken
und Alles, was mich von dir scheidet, fliehn.
Ich will nur dich allein im Aug behalten
und geistig mich .’durch dich für dich gestalten.Hilf mir, o Gott, mich endlich zu besiegen;
ich weiß es ja, ich bin mein ärgster Feind.
Ich will niemals, auch mir nicht, unterliegen;
nur dieser Sieg ist’s, der mich dir vereint.
So hilf mir denn, hilf deinem schwachen Kinde,
daß ich durchs Vaterherz den Himmel finde!
Reue
Herr, schau mich an! Ich lieg vor dir im Staube,
und bis du mich erhörst, so lange bleib ich liegen.
Wie Noah damals ausgesandt die Taube,
so laß ich mein Gebet nach deiner Gnade fliegen.
Ich sündigte im Himmelund vor dir;
verzeihe mir, mein Gott, verzeihe mir!Herr, schau mich an! Ich lieg vor dir im Staube,
ein bittend Kind vor seines Vaters Türe.
Ich hatte dein vergessen, doch erlaube,
daß mich die Reue wieder zu dir führe.
Ich will hinfort dir gern gehorsam sein;
o laß, mein Gott, o laß mich wieder ein!Herr, schau mich an! Ich lieg vor dir im Staube,
doch hör ich schon des Engels Schritte klingen.
Er naht und wird mir Alles, was ich glaube,
Verzeihung, Hilfe und Erlösung bringen.
Er führt mich wieder, wieder zu dir hin,
und ich, ich fühl, daß ich im Himmel bin!
Kanaan
Verlaß mich nicht! Ich steh im dunkeln Land.
Führ mich zur Wahrheit, Herr, an deiner Hand.
Ich sehne mich nach deinem Licht;
verfaß mich nicht, o Herr, verlaß mich nicht!Verlaß mich nicht! Herr, hör mein Flehen an.
Hinüber schaut mein Aug nach Kanaan.
Gib mir, was dein Prophet verspricht;
verlaß mich nicht, o Herr, verlaß mich nicht!Verlaß mich nicht! Es winkt mir Zion schon.
Ich seh den Himmelsglanz um deinen Thron.
Es leuchtet mir dein Angesicht;
verlaß mich nicht, o Herr, verlaß mich nicht!
Im Traum
Ich ging im Traum zum Himmel ein
und blieb dort an der Türe stehen.
Ich sah so viele Engelein
hinaus und wieder einwärts gehen.Sie schwebten leuchtend hin und her,
der Himmel hier und dort die Erde,
auf letzterer zu fragen, wer
sich ihnen anvertrauen werde.Doch ob ich ohne Unterlaß
auf ihr Bemühn, ihr Sorgen schaute,
es war so wunderselten, daß
sich ihnen jemand anvertraute.Das tat mir so unendlich leid,
daß ich von meinem Traum erwachte
und nun seitdem und allezeit
den Engeln zu gehorchen trachte.O, könnte Jeder so, wie ich
einmal im Traum zum Himmel gehen,
es würde dieser sicherlich
nicht mehr vergeblich offen stehen!
Du hast – – –
Du hast den Kopf zum Sinnen und zum Denken,
kannst auf –\1 und abwärts dein Bestreben lenken;
laß es zur Höhe oder Tiefe gehen,
doch harr’ des Richters, ob du wirst bestehen.
Du hast das Herz; nie ist’sim Leben still;
es schlägt für gut und bös, wofür es will,
doch ob es fleißig, noch so fleißig war,
der Schläge Summe wird einst offenbar.Du hast die Hände, welche wirken sollen;
sie können nehmen, geben, wie sie wollen,
doch selbst was sie verborgen hier getrieben,
das findest du einst Alles aufgeschrieben.
Du hast die Füße, welche selten ruhn,
kannst vorwärts, rückwärts deine Schritte tun,
und bist du ungewiß, hast du die Knie’,
o, beug sie zum Gebet, o beuge sie! »
Mehr Licht!«
»Mehr Licht. mehr Licht!« Die Finsternis
läßt mich nur zagend vorwärts gehn;
ich schreite langsam, ungewiß
und bleib oft ängstlich tastend stehn.»Mehr Licht, mehr Licht!« Zwar leuchtet mir
die Weisheit dieser klugen Weit,
doch so. daß sie den Weg zu dir
verdunkelt. aber nicht erhellt.»Mehr Licht, mehr Licht?« Am Glauben nur,
an ihm allein, allein gebrichts;
ihn scheut die irdische Natur
und mit ihm dich, den Quell des Lichts.
Ich bin bei dir
Ich bin bei dir, ob du mich kennst. ob nicht;
hör oder hör es nicht. was meine Stimme spricht.
Du hast die Wahl; du hast auch deine Pflicht;
nun stürz ins Dunkel, oder steig zum Licht.Ich binbei dir; es kann nicht anders sein;
ich bin der, der ich bin, ich ewig nur allein.
Nimm mich als Fels, nimm irdschen Sand und Stein;
ich stütz dein Haus; auf Erde fällt es ein.Ich bin bei dir; ich bleibe fort und fort;
ich warte hier auf dich, doch warte ich nicht dort.
Wo strebst du hin, nach welchem letzten Ort?
Nun sprich es aus, sprich das Entscheidungswort!
Nur
Weitere Kostenlose Bücher