Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)
einer?
Es leuchtete in trüber Nacht
vom Himmel einsam mir ein Stern,
und ich, auch trüb. ich hab gedacht,
die andern seien mir so fern.Da lächelte mit hellem Strahl
er mir die ganze Wahrheit zu
und brachte meines Zweifels Qual
mit seinem Himmelsgruß zur Ruh:»Es glänzen Millionen hier
ganz in demselben Himmelslicht
und in derselben Liebe dir,
dein Auge aber sieht es nicht!«
O bete gern!
O bete gern! Du brauchst dich nicht zu scheun;
sei nicht von Sorge um das Wort betört.
Der Vater wird sich immer, immer freun,
wenn er die Stimme seines Kindes hört.O bete oft! Du hast ja Zeit dazu,
und Wunsch und Dank bringt dir wohl jeder Tag.
Das Kind läßt ja dem Vater auch nicht Ruh,
bis es gesagt hat, was es sagen mag.O bete kurz! Es gleiche dein Begehr
dem Kuß des Kindes, das den Vater liebt
Und von ihm weiß, daß er so gern noch mehr,
als was es sich erbitten möchte, gibt.Ja, bete kurz, doch bete oft und gern;
der Vater ist dir ja so wohlgesinnt;
du betest zwar zu Gott, dem Weltenherrn,
doch bist du dieses Herrn geliebtes Kind.
Ich liebe
»Ich liebe« ist ein Gotteswort;
»Ich liebe« dringt ins Herz hinein.
»Ich liebe« will an jedem Ort
gegeben, nur gegeben sein.»Ich liebe« kam vom Himmel einst
zu dir, zu mir, zu aller Welt.
Doch ist es nicht das, was du meinst
und was als Liebe sich verstellt.»Ich liebe« ist nicht ein Begehr;
»Ich liebe« dient und opfert nur,
und fällt dir. eine Liebe schwer,
so ist sie himmlischer Natur.Die Erde lebt seit Anbeginn
von dem, was ihr der Himmel gibt;
er aber lebt und gibt sich hin,
denn daß er lebt, heißt, daß er liebt.
Verständige Liebe
O Liebe, die ich endlich nun erfaßt
und die du mich so ganz ergriffen hast,
daß ich nur dir, nur dir zu eigen bin,
nimm mich; nimm mich; ich gebe mich dir hin.Wer sich mit seinem Sein in dich versenkt,
dem wird von dir ein besseres geschenkt,
denn was du von ihm nimmst, gibst du als Glück,
als Seligkeit ihm tausendfach zurück.So will ich durch dich und in dir allein
nur im Beglücken selbst auch glücklich sein,
will nimmer rasten und will nimmer ruhn,
nur was du willst, nichts Anderes tun.Jedoch damit ich ja nicht irre geh
und unter Lieben schwach zu sein versteh,
so gib mir deinen Bruder an die Hand,
den klugen Lebensführer, den Verstand!
Segen
Der Schlehdorn steht in Blüten,
nun da ich scheiden muß.
Die Schwalbe aus dem Süden
bringt mir den Abschiedsgruß.Der Schlehdorn steht in Blüten;
so blühst, mein Kind, auch du.
Brich sie für mich, den Müden,
deck mich mit ihnen zu.Der Schlehdorn steht in Blüten;
welch eine süße Last.
Mag dich der Herr behüten,
wenn du mich nicht mehr hast!
Rückkehr zum Glauben
Ich grüße dich. Du warst als heller Stern
an meinem Himmel leuchtend aufgegangen.
Dein Licht, es zeigte mir den Weg zum Herrn,
an dessen Thron der Engel Chöre klangen.
Ich folge dir gehorsam, hoch beglückt
und ließ mir als dein dankbar staunend Eigen,
dem Kreis der Erde mehr und mehr entrückt,
der Allmacht und der Liebe Wunder zeigen.Ich grüße dich, wie ich dich einst gegrüßt
an jedem Tag, den mir der Herr gegeben.
Vielleicht, vielleicht hab ich genug gebüßt
und darf nun wieder für und durch dich leben.
Ich konnte, was mich leise dir entzog,
mit meinem schwachen Auge nicht erkennen;
nun aber weiß ich, daß es mich betrog,
und lasse mich nicht wieder von dir trennen.Ich grüße dich. Du bringst die Klarheit mir,
und nun darf die Genesung ich erwarten.
Es schlägt mein Puls von Neuem auf zu dir,
und ich, ich lach der Zweifel, die mich narrten.
Ich grüße dich so froh, so dankerfüllt;
ich konnte irren, doch du mußtest siegen,
und ob die Brandung hinter mir noch brüllt,
du warst der Anker – – ich bin ihr entstiegen.
Meinem Schutzengel
Ich war bei dir und lag doch so entlegen
von deiner Wohnung betend auf den Knien.
Ich war bei dir; ich bat um deinen Segen
und fragte, ob du mir vielleicht verziehn.Du warst bei mir und standest doch so ferne
von meinem Erdenheim vor Gottes Thron.
Wir atmen zwar nicht auf demselben Sterne,
doch fühl ich Segen und Verzeihung schon.Wir haben uns, du Geist, ich Staub, gefunden,
als ich durch dich den Weg zum Himmel fand,
und sind wie Leib und Seele nun verbunden,
wie Gottes Wille und des Menschen Hand.Und kann ich diesen Willen nicht begreifen,
so gibst du mir ihn klar und klarer kund:
Ich soll durch dich empor und zu dir reifen;
dann gehn wir weiter; das ist unser Bund.
Tagesscheiden
Nun gehst du hin
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