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Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Titel: Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tad Williams
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Gott, du hast beschlossen, deine Kinder schwer zu prüfen. Ich ahne, dass uns Furchtbares bevorsteht.« Und zu Miriamel:»Seid bedankt für Eure Nachrichten, Prinzessin. Nichts davon ist erfreulich, aber nur ein Narr wünscht sich, in fröhlicher Unwissenheit zu leben, und ich bemühe mich, keiner zu sein.« Nachdenklich verzog er den Mund. »Dinivan«, meinte er dann, »das macht die Botschaft, die mir gestern zuging, noch unheilverkündender.«
    »Was für eine Botschaft, Heiligkeit?«, fragte Dinivan. »Wir haben, seit ich zurück bin, kaum ein Wort wechseln können.«
    Der Lektor nahm einen Schluck Wein. »Elias schickt Pryrates zu mir. Sein Schiff trifft morgen hier ein. Ein wichtiger Auftrag des Hochkönigs führt ihn her.«
    »Pryrates kommt?«, stieß Miriamel entsetzt hervor. »Weiß mein Vater, dass ich hier bin?«
    »Nein, nein. Seid unbesorgt«, antwortete der Lektor besänftigend und strich wieder über ihre Hand. »Es ist die Mutter Kirche, mit der er sprechen will. Außer Dinivan und mir weiß niemand, dass Ihr Euch hier aufhaltet.«
    »Er ist ein Teufel«, erklärte sie rauh. »Traut ihm nicht über den Weg.«
    Ranessin nickte ernst. »Eure Warnung nehme ich mir sehr zu Herzen, Prinzessin Miriamel; doch manchmal ist es meine Pflicht, mit dem Teufel selbst zu sprechen.« Er senkte den Blick und starrte auf seine Hände, als hoffe er, dort die Lösung aller Probleme zu finden. Als Dinivan Miriamel hinausführte, nahm der Lektor höflich, aber schwermütig von ihr Abschied.

10
Der Spiegel

    in hartnäckiger Zorn, der nicht weichen wollte, hatte Simon erfasst. Gemeinsam mit Sludig folgte er den berittenen Trollen, immer weiter bergab, fort von den Steinhaufen, die nackt und würdevoll unter dem Himmel lagen. Er spürte, wie allmählich eine solche Wut in ihm aufstieg, dass seine Gedanken sich verwirrten und er sich kaum länger als einen kurzen Augenblick auf etwas konzentrieren konnte.
    Sein Gang war steif, der Körper noch immer wund und voll blauer Flecken. In ihm brodelte es. Haestan war tot. Wieder ein Freund tot. Und er konnte nichts daran ändern. Er konnte nicht einmal darum weinen. Das war es, was ihn am meisten aufbrachte: Nichts konnte er tun, gar nichts.
    Sludig, bleich und mit Schatten unter den Augen, schien ebenfalls wenig Lust zu haben, das Schweigen zu brechen. Seite an Seite stapften die beiden Tiefländer über breite, flache Platten aus verwittertem Granit und wateten durch Schneewehen, die die Hufe der Widder zu Gischt geschlagen hatten.
    Die Vorberge schienen ihnen entgegenzuwachsen. An jeder Wegbiegung tauchten die verschneiten Schultern der Hügel wieder vor den Augen der Reisenden auf, jedes Mal ein Stück größer. Der Sikkihoq dagegen begann, während sie ständig bergab kamen, hinter ihnen bis in den Himmel zu steigen, immer höher, als hätte der Berg seine Beziehungen zu den Sterblichen beendet und kehrte nun in die erhabene Gesellschaft Gleichwertiger, des Himmels und der Wolken, zurück.
    Ich werde dich nicht vergessen, warnte Simon den Sikkihoq und sahzu dem gewaltigen steinernen Dolch in seinem Rücken auf. Er musste sich beherrschen, um es nicht laut hinauszuschreien. Wenn er die Augen zusammenkniff, war ihm, als könne er die Stelle noch sehen, an der die Steinhügel standen. Ich werde nicht vergessen, dass mein Freund auf deinem Hang begraben liegt. Ich werde es nie vergessen.
    Schnell verging der Nachmittag. Sie kamen besser voran, als der Berg breiter und die Pfade ebener wurden und zwischen den Serpentinen längere Abstände lagen. Simon bemerkte Anzeichen von Leben auf dem Berg, die ihm weiter oben nicht aufgefallen waren: ein Rudel weißbrauner Kaninchen, das zwischen den verschneiten Flecken graste, zankende Eichelhäher und Eichhörnchen in den verkrüppelten, windzerzausten Bäumen. Dieser Beweis von Leben auf einem Felsen, der ihm öde und herzlos vorgekommen war, hätte ihn eigentlich freuen sollen; stattdessen heizte er seine ziellose Wut nur noch an. Was für ein Daseinsrecht hatten alle diese kleinen und unwichtigen Geschöpfe, wenn andere starben? Er fragte sich, warum sie sich überhaupt so anstrengten, wenn doch jede Sekunde ein Habicht, eine Schlange oder der Pfeil eines Jägers ihr Leben auslöschen konnte. Der Gedanke an dieses Leben, das sinnlos im Schatten des Todes dahinkrabbelte, erfüllte ihn mit einem sonderbar erheiternden Ekel.
    Als es Abend wurde, suchten sie sich ein sanft abfallendes Gelände mit Felsblöcken und Gestrüpp, um dort ihr

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