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Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Titel: Der dunkle Turm - Gesamtausgabe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen King
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und jemand wie ich braucht seinen Schönheitsschlaf.« Er kicherte, sah aber wieder unbehaglich drein, weil niemand darin einstimmte. Er ließ sich von der Bühne gleiten und schüttelte allen die Hand, was er mit der Inbrunst eines Pfarrers tat, dem es endlich gelungen war, ein störrisches Paar nach einer langen und stürmischen Werbung zu verheiraten.
     
     

9
     
    Als sie nach draußen kamen, war der Mond bereits untergegangen und über dem Reinen Meer der erste Silberstreif des Tageslichts zu erkennen.
    »Möglich, dass wir uns wiedersehen, Sai«, sagte Jonas.
    »Möglich, dass wir das tun«, sagte Roland und schwang sich in den Sattel.
     
     

10
     
    Die Großen Sargjäger bewohnten das Haus des Nachtwächters etwa eine Meile südlich von Seafront – das war fünf Meilen außerhalb der Stadt.
    Auf halbem Weg dorthin hielt Jonas an einer Biegung der Straße an. Von hier aus fiel das Land steil und steinig zum gegenwärtig heller werdenden Meer hin ab.
    »Absteigen, Mister«, sagte er. Es war Depape, den er dabei ansah.
    »Jonas… Jonas… ich…«
    »Absteigen.«
    Depape biss sich nervös auf die Lippen und stieg ab.
    »Nimm die Brille ab.«
    »Jonas, was soll das? Ich verstehe nicht…«
    »Wenn du willst, dass sie kaputtgeht, dann lass sie auf. Mir ist das egal.«
    Depape biss sich noch fester auf die Lippen und nahm die Nickelbrille ab. Er hielt sie kaum in der Hand, da versetzte ihm Jonas eine schallende Ohrfeige. Depape schrie auf und taumelte dem Abgrund entgegen. Jonas zuckte so schnell vor, wie er zugeschlagen hatte, und packte Depape am Hemd, bevor dieser hinunterstürzen konnte. Jonas krallte die Hände in den Stoff und zog Depape zu sich. Er atmete tief ein und inhalierte den Geruch von Kiefernharz und Depapes Schweiß.
    »Ich sollte dich einfach den Abgrund hinunterstoßen«, hauchte er. »Ist dir klar, wie viel Schaden du angerichtet hast?«
    »Ich… Jonas, ich wollte doch nicht… nur ein bisschen Spaß, mehr wollte ich… woher hätten wir wissen sollen, dass sie…«
    Langsam lockerte Jonas den Griff. Das letzte Geplapper war versiegt. Woher konnten wir wissen sollen, das war zwar grammatikalisch nicht ganz astrein, aber es traf zu. Und wenn das heute Abend nicht passiert wäre, hätten sie es vielleicht nicht erfahren. Wenn man es so betrachtete, hatte Depape ihnen sogar einen Gefallen getan. Mit dem Teufel, den man kannte, wurde man leichter fertig als mit dem, den man nicht kannte. Trotzdem würde es sich herumsprechen, und die Leute würden lachen. Aber vielleicht war selbst das in Ordnung. Mit der Zeit würde das Lachen schon aufhören.
    »Jonas, ich erflehe deine Verzeihung.«
    »Sei still«, sagte Jonas. Im Osten würde die Sonne sich bald über den Horizont aufschwingen und das erste Funkeln eines neuen Tages in diese Welt des Aufruhrs und Kummers werfen. »Ich werde dich nicht runterwerfen, weil ich dann auch Clay runterwerfen und anschließend selbst hinterherspringen müsste. Schließlich haben sie uns genauso in Schach gehalten wie dich, richtig?«
    Depape wollte dem schon zustimmen, dachte dann aber, das könnte gefährlich sein. Er schwieg bedachtsam.
    »Komm her, Clay.«
    Clay glitt von seinem Reittier.
    »Hockt euch hin.«
    Sie gingen alle drei auf den Zehenspitzen in die Hocke, Absätze in die Höhe. Jonas pflückte einen Grashalm und schob ihn sich zwischen die Lippen. »Man hat uns gesagt, sie wären Bengel des Bundes, und wir hatten keinen Grund, es nicht zu glauben«, sagte er. »Die bösen Jungs, die bis nach Mejis geschickt wurden, eine verschlafene Baronie am Reinen Meer, um eine Arbeit zu erledigen, die zu zwei Teilen als Buße und zu drei Teilen als Strafe gedacht war. Hat man uns das nicht glauben gemacht?«
    Die beiden anderen nickten.
    »Glaubt das nach heute Nacht noch einer von euch?«
    Depape schüttelte den Kopf. Reynolds ebenfalls.
    »Sie mögen reiche Jungs sein, aber das ist längst nicht alles«, sagte Depape. »Wie sie sich heute Nacht benommen haben… sie waren wie…« Er verstummte, weil er nicht recht bereit war, den Satz zu beenden. Es war zu absurd.
    Jonas zeigte sich allerdings dazu bereit. »Sie haben sich wie Revolvermänner benommen.«
    Zuerst antwortete weder Depape noch Reynolds. Dann sagte Clay Reynolds: »Sie sind zu jung dafür, Eldred. Um Jahre zu jung.«
    »Aber vielleicht nicht zu jung für Lehrlinge. So oder so, wir werden es herausfinden.« Er wandte sich an Depape. »Du wirst ein wenig reiten müssen, Freundchen.«
    »Och,

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