Der Herr der Ringe
Merry schien es, dass die Gesichter der Reiter, die in Hörweite saßen, bei diesen Worten erbleichten.
»Wenn es in Wirklichkeit solche Pfade gibt«, sagte Théoden, »dann ist ihr Tor in Dunharg. Aber kein Lebender darf es durchschreiten.«
»Wehe, Aragorn, mein Freund«, sagte Éomer. »Ich hatte gehofft, dass wir zusammen in den Krieg reiten würden; doch wenn Ihr die Pfade der Toten einschlagt, dann ist unser Abschied gekommen, und es ist wenig wahrscheinlich, dass wir uns jemals unter der Sonne wiedersehen.«
»Diesen Weg werde ich dennoch nehmen«, sagte Aragorn. »Aber das sage ich Euch, Éomer, in der Schlacht werden wir uns wiedertreffen, wenn auch alle Heere von Mordor zwischen uns stehen sollten.«
»Ihr werdet tun, wie Ihr wünscht, Herr Aragorn«, sagte Théoden. »Vielleicht ist es Euer Schicksal, seltsame Pfade zu beschreiten, auf die andere sich nicht wagen. Dieser Abschied betrübt mich, und meine Stärke wird dadurchverringert; doch nun muss ich die Gebirgswege einschlagen und darf nicht länger säumen. Lebt wohl!«
»Lebt wohl, Herr«, sagte Aragorn. »Reitet großem Ruhm entgegen! Leb wohl, Merry! Ich lasse dich in guten Händen zurück, in besseren, als wir hoffen konnten, als wir die Orks bis Fangorn jagten. Legolas und Gimli werden noch weiter mit mir jagen, hoffe ich; aber dich werden wir nicht vergessen.«
»Auf Wiedersehen«, sagte Merry. Er fand weiter nichts zu sagen. Er kam sich sehr klein vor und war verwirrt und bedrückt von all diesen düsteren Worten. Mehr denn je fehlte ihm Pippin mit seiner unerschütterlichen Fröhlichkeit. Die Reiter waren bereit, und ihre Pferde waren unruhig. Er wünschte, sie würden aufbrechen und es hinter sich bringen.
Nun sprach Théoden zu Éomer, und er hob die Hand und rief laut, und auf dieses Wort hin brachen die Reiter auf. Sie ritten über den Deich und in die Klamm hinunter, dann wandten sie sich rasch nach Osten und nahmen den Pfad, der sich auf etwa eine Meile an den Vorbergen entlangzog, bis er nach Süden abbog, wieder in die Berge hineinführte und dem Blick entschwand. Aragorn ritt zum Deich und schaute hinab, bis die Mannen des Königs weit unten in der Klamm waren. Dann wandte er sich zu Halbarad.
»Dort reiten drei, die ich liebe, und den kleinsten nicht am wenigsten«, sagte er. »Er weiß nicht, welchem Ziel er entgegenreitet; doch selbst wenn er es wüsste, würde er dennoch gehen.«
»Ein kleines Volk, doch von großem Wert sind die Auenländer«, sagte Halbarad. »Wenig wissen sie von unseren langen Mühen, um ihre Grenzen zu schützen, und doch reut es mich nicht.«
»Und nun sind unsere Schicksale miteinander verflochten«, sagte Aragorn. »Und dennoch müssen wir uns nun leider trennen. Ja, ich sollte eine Kleinigkeit essen, und dann müssen auch wir forteilen. Kommt, Legolas und Gimli, ich muss mit euch reden, während ich esse.«
Zusammen gingen sie zurück zur Burg, doch eine Zeitlang saß Aragorn schweigend am Tisch in der Halle, und die anderen warteten, dass er spräche. »Komm«, sagte Legolas schließlich. »Sprich und sei getröstet und schüttle den Schatten ab! Was ist geschehen, seit wir im Morgengrauen zu diesem schrecklichen Ort zurückkamen?«
»Ein Kampf, der für mein Teil etwas schrecklicher war als die Schlacht der Hornburg«, antwortete Aragorn. »Ich habe in den Stein von Orthanc geblickt, meine Freunde.«
»Du hast in diesen verfluchten Zauberstein geblickt!«, rief Gimli, und Furcht und Staunen malten sich auf seinem Gesicht. »Hast du etwas gesagt zu – ihm? Selbst Gandalf fürchtete diese Begegnung.«
»Du vergisst, mit wem du sprichst«, sagte Aragorn streng, und seine Augen blitzten. »Habe ich nicht vor den Toren von Edoras meinen Anspruch offen erklärt? Was, fürchtest du, hätte ich ihm sagen sollen? Nein, Gimli«, fügteer mit sanfterer Stimme hinzu, und die Härte wich von seinem Gesicht und er sah aus wie einer, der sich seit vielen Nächten in schlafloser Pein quälte. »Nein, meine Freunde, ich bin der rechtmäßige Herr des Steins, und ich habe das Recht und auch die Kraft, ihn zu gebrauchen, so beurteilte ich es jedenfalls. Das Recht kann nicht bezweifelt werden. Die Kraft reichte – knapp.«
Er holte tief Luft. »Es war ein erbitterter Kampf, und die Erschöpfung vergeht nur langsam. Ich sprach kein Wort mit ihm, und zum Schluss unterwarf ich den Stein meinem Willen. Allein das wird ihm schwer erträglich sein. Und er erblickte mich. Ja, Herr Gimli, er sah mich, aber in
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