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Der Streik

Der Streik

Titel: Der Streik Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ayn Rand
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ihnen früher erlaubt hatten, von ihren fünfundzwanzig Hektar zu leben, nur durch die Existenz von Wyatts riesigen Ölfeldern ermöglicht worden und mit ihnen in Rauch aufgegangen waren. Erst als ihre Vermögen dahingeschmolzen waren und ihre Pumpen stillstanden, erkannten die kleinen Männer, dass kein Unternehmen im Land es sich leisten konnte, Öl zu dem Preis zu kaufen, der nun für die Herstellung erforderlich war. Schließlich zahlte Washington den Ölproduzenten Subventionen, aber nicht alle Ölproduzenten hatten Freunde in Washington, und so entstand eine Situation, die niemand zu genau durchleuchten oder thematisieren wollte.
    Andrew Stockton war in einer Lage, um die ihn die meisten Geschäftsleute beneideten. Der plötzliche Ansturm, als alle auf Kohle umstellten, hatte sich wie eine goldene Bürde auf seine Schultern gesenkt. Seine Fabrik arbeitete rund um die Uhr, im Wettlauf mit den Schneestürmen des kommenden Winters wurde Bauteil um Bauteil für kohlebetriebene Brenn- und Hochöfen gegossen. Es gab nur noch wenige verlässliche Gießereien; sein Betrieb war zu einem der wichtigsten Pfeiler geworden, die die Heizkeller und Küchen des Landes stützten. Doch plötzlich stürzte der Pfeiler ohne Vorwarnung ein. Andrew Stockton verkündete, dass er sich aus dem Geschäft zurückziehen werde, schloss sein Werk und verschwand. Er hinterließ kein Wort darüber, was mit dem Werk geschehen sollte oder ob seine Angehörigen das Recht hatten, die Fabrik wieder in Betrieb zu nehmen.
    Auf den Straßen des Landes fuhren immer noch Autos, aber sie bewegten sich wie Reisende in der Wüste, die an von der Sonne gebleichten Skeletten von verendeten Pferden vorbeiritten, an den Skeletten von liegen gebliebenen Wagen, die von ihren Fahrern in den Straßengräben zurückgelassen worden waren. Die Leute kauften keine Autos mehr, und die Automobilfabriken schlossen. Aber es gab immer noch Männer, die durch Freundschaften, die niemand hinterfragen wollte, an Öl kamen. Diese Leute kauften Autos und zahlten dafür jeden Preis. Die Berghänge von Colorado wurden von dem Licht erhellt, das aus den großen Fenstern der Fabrik drang, wo unermüdlich Lastwagen und Automobile von den Fließbändern von Lawrence Hammond liefen und zu den Anschlussgleisen von Taggart Transcontinental befördert wurden. Die Nachricht von Lawrence Hammonds Rückzug aus dem Geschäft kam vollkommen unerwartet, kurz und plötzlich wie ein einzelner Glockenschlag inmitten einer drückenden Stille. Ein örtliches Bürgerkomitee startete Aufrufe über das Radio, in denen es Lawrence Hammond, wo auch immer er sich aufhielt, um Erlaubnis bat, das Werk wieder eröffnen zu dürfen. Es kam keine Antwort.
    Sie hatte aufgeschrien, als Ellis Wyatt ging, sie hatte um Luft gerungen, als Andrew Stockton aufhörte; als sie erfuhr, dass Lawrence Hammond sich zurückgezogen hatte, fragte sie ungerührt: „Wer ist der Nächste?“
    „Nein, Miss Taggart, ich kann es nicht erklären“, hatte Andrew Stocktons Schwester ihr bei ihrem letzten Besuch in Colorado vor zwei Monaten versichert. „Er hat mir kein Wort gesagt, ich weiß nicht einmal, ob er tot ist oder am Leben, wie bei Ellis Wyatt. Nein, am Tag vor seinem Verschwinden ist nichts Besonderes vorgefallen. Ich erinnere mich nur, dass er am letzten Abend Besuch von einem Mann hatte. Einem Fremden, den ich noch nie zuvor gesehen hatte. Sie haben bis spät in die Nacht miteinander gesprochen, als ich schlafen ging, brannte in Andrews Büro noch Licht.“
    Die Menschen in den Städten von Colorado verhielten sich ruhig. Dagny hatte gesehen, wie sie durch die Straßen liefen, vorbei an ihren kleinen Drugstores, Eisenwarenhandlungen und Lebensmittelläden: als hofften sie, die Routine ihrer Arbeit könnte sie vor einem Blick in die Zukunft bewahren. Auch sie war durch diese Straßen gegangen, mit gesenktem Kopf, um die rußgeschwärzten Felsen und die verbogenen Stahlreste, die einst die Wyatt-Ölfelder gewesen waren, nicht sehen zu müssen. Man konnte sie von vielen Städten aus sehen; hätte sie geradeaus geblickt, hätte sie sie in der Ferne gesehen.
    Eine Ölquelle ganz oben auf dem Hügel brannte immer noch. Niemand war in der Lage gewesen, sie zu löschen. Sie hatte sie von der Straße aus gesehen: eine Stichflamme, die unermüdlich gen Himmel züngelte, als wollte sie sich losreißen. Sie hatte sie in einer schwarzen und klaren Nacht aus einer Entfernung von hundert Meilen durch ein Zugfenster gesehen: ein

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