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Der verlorne Sohn

Der verlorne Sohn

Titel: Der verlorne Sohn Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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einmal gehört zu haben!«
    »Das ist auch wahr. Man hat Ihnen das Richtige gesagt.«
    »Hm! Wie kommen Sie denn als Findelkind zu einem Vetter mütterlicher Seits?«
    »Ah! Donnerwetter! Das ist dumm! Ja! So ist es! Ein Findelkind hat ja gar keine Mutter! Na, ich habe mich versprochen. Herr Arndt ist mein Vetter väterlicher Seits.«
    Der Beamte konnte ein Lächeln nicht verbergen.
    »Kennen Sie denn Ihren Vater, oder vielmehr, haben Sie ihn vielleicht gekannt?«
    »Nein.«
    »Sie wissen nicht, wie er hieß?«
    »Nein.«
    »Wer er war, und wo er wohnte?«
    »Nein. Wie habe ich als Findelkind das denn wissen können!«
    »Und doch haben Sie hier einen Vetter väterlicher Seits. Wie geht das zu?«
    »Sakkerment! Das ist wieder dumm! Hm, wenn ich es mir richtig überlege, so wird die Verwandtschaft wohl von der Seite meiner Frau herkommen.«
    Er hatte sich vergaloppirt und blickte Arndt wie hilfesuchend an. Dieser erhörte diesen bittenden Blick und sagte: »Verzeihung, Herr Staatsanwalt, daß der Herr Förster durch die Eigenthümlichkeit der Verhältnisse zu einer kleinen Unwahrheit gezwungen wurde. Ich bin gar nicht sein Vetter.«
    Der Anwalt runzelte die Stirn und sagte:
    »Nicht? Wie kommt Herr Wunderlich denn dazu, Sie als etwas zu bezeichnen, was Sie gar nicht sind?«
    »Darum.«
    Bei diesem Worte griff Arndt in die Tasche und zog eine große, an einer Kette hängende Medaille hervor, welche er dem Staatsanwalte zeigte.
    »Ach so!« sagte dieser schnell. »Sie sind Detective?«
    »Ja.«
    »Und zwar in höherer Stellung, wie ich aus der Art der Münze ersehe. Sie wohnen wohl vorübergehend in dieser Gegend?«
    »Ja, hier beim Herrn Förster Wunderlich.«
    »Dann begreife ich! Sie gelten als sein Vetter und lassen sich Arndt nennen?«
    »So ist es, Herr Anwalt.«
    »Es läßt sich vermuthen, daß nur ein wichtiger Auftrag der Grund zu Ihrer Anwesenheit sein kann, und daraus schließe ich, daß auch die Ursache Ihres gegenwärtigen Besuches eine wichtige ist.«
    »Sie täuschen sich nicht. Ich bin hier, um einen höchst gefährlichen Menschen zu fangen.«
    »Doch nicht etwa den Waldkönig?«
    »Gerade diesen.«
    »Ah! Höchst interessant! Seit wann befinden Sie sich denn auf der Försterei?«
    »Seit einigen Tagen!«
    »Bereits? Und das erfahre ich erst jetzt!«
    Diese Worte waren in dem Tone gesprochen, welchen ein Vorgesetzter anzuschlagen pflegt, wenn er im Begriffe steht, einem Untergebenen einen Verweis zu ertheilen. Arndt lächelte leise vor sich hin und fragte: »Sie meinen, daß es meine Pflicht gewesen wäre, mich bei Ihnen zu melden?«
    »Gewiß. Dann hätten Sie wohl nicht nöthig gehabt, mich bei Ihrem ersten Besuche aus dem Schlafe zu stören.«

»Dann erlauben Sie mir, zu meiner Entschuldigung noch ein Zweites zu meiner Legitimation beizutragen. Hier, bitte!«
    Er zog sein Notizbuch hervor und nahm aus demselben ein mit einem großen Siegel versehenes Schreiben, welches er auseinander faltete und dem Beamten entgegen hielt. Dieser nahm es und las Folgendes:
    »An sämtliche Civil-und Criminalbehörden des Landes.
     
    Inhaber gegenwärtiger Legitimation ist mit einer Aufgabe höchst secreter Natur betraut. Es werden hiermit sämmtliche Behörden angehalten, ihm alle Hilfe und jedweden Beistand, den er begehrt, zu leisten, ohne weitere Fragen an ihn zu stellen. Vielmehr ist ihm in der Weise zu begegnen, wie man mir selbst begegnen würde!«
     
    Nun folgte der Name der Residenzstadt, das Datum und die Unterschrift des Justizministers.
    Der Staatsanwalt machte ein höchst erstauntes Gesicht. Er erhob sich ehrerbietig von seinem Stuhle, machte eine Verbeugung und entschuldigte sich: »Verzeihung, mein Herr! Das habe ich natürlich nicht ahnen können.«
    »Ich weiß das recht wohl,« antwortete Arndt. »Ich wollte Ihnen nur beweisen, daß Sie es mit keiner Person zu thun haben, welche Sie vielleicht einer Bagatelle wegen Ihres so kostbaren Schlafes beraubt.«
    Der Beamte fühlte die Ironie. Er erröthete vor Verlegenheit und antwortete: »Ich bin jeden Augenblick bereit, meine Pflicht zu thun. Aber bitte, wenn ich auch keine Erkundigung aussprechen darf, so ist es doch vielleicht nöthig, den Namen zu wissen, mit welchem bezeichnet zu sein Sie wünschen.«
    »Ich gelte als der Vetter Arndt unseres guten Försters hier. Nennen also auch Sie mich immerhin bei diesem Namen!«
    »Ganz wie Sie befehlen, Herr Arndt. Wir scheinen uns in einer eigenthümlichen Zeit zu befinden. Sie sind nicht die einzige

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