Der Weg der Könige - Sanderson, B: Weg der Könige - The Way of Kings - The Stormlight Archive, Book 1
Auswirkungen eines Splitterpanzers hervorrufen. Allerdings sind diese Schilde in der Lage, eine Splitterklinge abzufangen.«
Das war ein Schritt – ein sehr kleiner Schritt – zu einem künstlichen Splitterpanzer hin. Und das schien ihm beunruhigend. Er würde es erst dann glauben, wenn er mit eigenen Augen gesehen hatte, wozu diese Halbsplitter in der Lage waren. »Du hättest diese Nachricht auch durch die Spannfedern schicken können, Navani.«
»Kurz nachdem ich Kholinar erreicht hatte, ist mir klargeworden, dass es ein politischer Fehler war, von hier wegzugehen.
Diese Kriegslager werden immer mehr zum wahren Zentrum unseres Königreichs.«
»Ja«, sagte Dalinar leise. »Unsere Abwesenheit vom Heimatland ist äußerst gefährlich.« War das nicht das Argument gewesen, das Navani davon überzeugt hatte, nach Hause zu gehen?
Die stattliche Frau machte eine abwehrende Handbewegung. »Ich habe beschlossen, dass die Königin inzwischen die nötigen Fähigkeiten besitzt, um sich in Alethkar zu behaupten. Dort gibt es Intrigen und Machtspiele – wie es sie immer geben wird. Aber die wirklich wichtigen Spieler kommen am Ende unausweichlich hierher.«
»Dein Sohn sieht noch immer Attentäter an jeder Ecke«, sagte Dalinar leise.
»Sollte er das denn nicht tun? Nach dem, was mit seinem Vater geschehen ist …«
»Das stimmt zwar, aber ich fürchte, er übertreibt es doch. Er misstraut sogar seinen Verbündeten.«
Navani faltete die Hände im Schoß; die Freihand lag auf der Schutzhand. »Er macht es nicht sehr gut, oder?«
Dalinar blinzelte entsetzt. »Was? Elhokar ist ein guter Mann! Er ist redlicher als alle anderen Hellaugen in dieser Armee.«
»Aber er ist ein schwacher Herrscher«, betonte Navani. »Das musst du zugeben.«
»Er ist der König«, sagte Dalinar bestimmt, »und er ist mein Neffe. Sowohl mein Herz als auch mein Schwert gehören ihm, Navani, und ich will nicht, dass schlecht über ihn gesprochen wird, auch nicht von seiner eigenen Mutter.«
Sie sah ihn an. Stellte sie etwa seine Treue auf die Probe? Wie ihre Tochter, so war auch Navani ein durch und durch politisches Wesen. Intrigen ließen sie wie eine Steinknospe in stiller, feuchter Luft aufblühen. Doch im Gegensatz zu Jasnah konnte man Navani kaum vertrauen. Bei Jasnah wusste man
wenigstens, woran man war. Abermals wünschte sich Dalinar, sie würde ihre Projekte einfach beiseiteschieben und auf die Zerbrochene Ebene zurückkehren.
»Ich rede nicht schlecht über meinen Sohn, Dalinar«, sagte Navani. »Wir wissen beide, dass ich genauso loyal zu ihm stehe wie du. Aber ich weiß gern, womit ich es zu tun habe, und das erfordert eine genaue Einschätzung der Lage. Er wird als schwach eingeschätzt, und ich will, dass er beschützt wird. Auch vor sich selbst, wenn es nötig sein sollte.«
»Dann arbeiten wir auf dasselbe Ziel hin. Aber wenn sein Schutz erst der zweite Grund für deine Rückkehr war, was war dann der dritte?«
Sie schenkte ihm ein violettäugiges, rotlippiges, ein bedeutungsschweres Lächeln.
Beim Blute meiner Ahnen …, dachte Dalinar. Bei allen Sturmwinden, ist sie schön! So schön und gefährlich. Für ihn war es eine besondere Ironie des Schicksals, dass das Gesicht seiner Frau aus seiner Erinnerung gelöscht war, während er sich in allen Einzelheiten an die Monate erinnern konnte, in denen diese Frau ihn und Gavilar gleichzeitig hingehalten hatte. Sie hatte den einen gegen den anderen ausgespielt und ihr Verlangen angestachelt, bevor sie sich für den Älteren entschieden hatte.
Die ganze Zeit hindurch hatten sie alle gewusst, dass sie Gavilar wählen würde. Dennoch hatte es wehgetan.
»Wir müssen einmal unter vier Augen sprechen«, sagte Navani. »Ich will deine Meinung über einige Dinge hören, die im Lager erzählt werden.«
Damit waren vermutlich die Gerüchte über ihn selbst gemeint. »Ich … bin zurzeit sehr beschäftigt.«
Sie rollte mit den Augen. »Bestimmt bist du das. Aber wir werden uns miteinander unterhalten, sobald ich mich hier eingerichtet und meine Fühler ausgestreckt habe. Wie wäre es mit heute in einer Woche? Ich werde zu dir kommen und dir
aus diesem Buch vorlesen – von meinem Gemahl –, und danach können wir etwas miteinander plaudern. Wir werden es an einem öffentlichen Ort tun. Einverstanden?«
Er seufzte. »Also gut. Aber …«
»Großprinzen und Hellaugen«, verkündete Elhokar plötzlich. Dalinar und Navani wandten sich dem Kopfende des Tisches zu, wo der König in
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