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Der Weg Nach Tanelorn

Der Weg Nach Tanelorn

Titel: Der Weg Nach Tanelorn Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michael Moorcock
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Eine Gespensterstadt
     
    Der Himmel war wie eine schwärende Wunde, voll von ekligen, ungesunden Blau-, Braun-, dunklen Rot- und Gelbtönen. Und Schatten waren zu sehen, die sich im Gegensatz zu denen auf dem Boden manchmal bewegten.
    Ein Krieger namens Hown Schlangenbeschwörer, einer von Elrics Kampfgefährten, dessen Rüstung seegrün schillerte, sagte: »Ich war selten an Land, das muss ich zugeben, aber die Art dieses Landes hier ist ungewöhnlicher als jegliche, die ich je kannte. Das Land schimmert, es verzerrt sich!«
    »Stimmt«, murmelte Falkenmond. Auch ihm war inzwischen aufgefallen, dass ein Streifen flackernden Lichtes von Zeit zu Zeit über die Insel fiel und die Umrisse der anschließenden Felsen verschwimmen ließ.
    Ein barbarischer Krieger mit Zöpfen und funkelnden Augen, man nannte ihn Ashnar, den Luchs, fühlte sich offenbar hier nicht sehr wohl. »Woher kommen alle diese Schatten?« knurrte er. »Weshalb können wir nicht sehen, wer oder was sie wirft?«
    Sie machten sich auf den Weg ins Innere der Insel, obgleich alle nur ungern die Küste und das Schiff hinter sich ließen. Corum wirkte am wenigsten beunruhigt. Er sprach in einem Ton philosophischer Neugier.
    »Es könnte sein, dass diese Schatten von Dingen geworfen werden, die in einer anderen Dimension der Erde existieren. Wenn alle Ebenen hier zusammentreffen, wie erwähnt wurde, wäre das eine wahrscheinliche Erklärung. Es ist keinesfalls das Merkwürdigste, das ich bei einer solchen Konjunktur erlebt habe.«
    Ein Schwarzer, dessen Gesicht eine v-förmige Narbe aufwies, und der Otto Blendker hieß, fuhr über den quer über seine Brust verlaufenden Schulterriemen und brummte: »Eine wahrscheinliche? Dann kann ich nur hoffen, dass niemand mit einer unwahrscheinlichen Erklärung kommt.«
    »In der tiefsten Höhle meines eigenen Landes habe ich eine ähnliche Merkwürdigkeit erlebt«, erzählte Thereod von den Höhlen, »aber bei weitem nicht in diesem Ausmaß. Dort überschnitten sich die Dimensionen, wie man behauptete. Corum dürfte demnach recht haben.« Er schob das lange, schmale Schwert auf seinem Rücken ein wenig zur Seite. Dann wandte er sich nicht mehr an die Allgemeinheit, sondern unterhielt sich mit dem zwergenhaften Emshon von Ariso, der wie üblich etwas auszusetzen hatte.
    Falkenmond dachte immer noch darüber nach, ob der Kapitän sie nicht doch betrogen hatte. Sie hatten schließlich keinen Beweis, dass der Blinde wohlmeinend war. Wie leicht wäre es möglich, dass der Kapitän selbst irgendetwas mit den Welten beabsichtigte und ihn und seine Mitstreiter für seine eigenen Zwecke ausnutzte. Aber er schwieg darüber, denn die anderen waren ganz offensichtlich bereit, dem Wunsch des Kapitäns zu willfahren, ohne seine Lauterkeit in Frage zu stellen.
    Wie von selbst hafteten seine Augen wieder an der Form des Schwertes unter Elrics Umhang, und er fragte sich, weshalb es ein so ungutes Gefühl in ihm weckte. Dann verlor er sich jedoch in anderen Gedanken und achtete kaum auf die beunruhigende Gegend. Er ließ alles, was ihn hierhergebracht hatte, noch einmal an seinem geistigen Auge vorbeiziehen. Erst Corums Stimme riss ihn aus seinen Überlegungen.
    »Vielleicht ist das hier Tanelorn – oder vielmehr all die verschiedenen Varianten, die es von dieser Stadt je gegeben hat. Denn Tanelorn existierte in vielen Formen, und jede davon war von den Wünschen jener abhängig, deren Sehnsucht nach ihr am größten war.«
    Falkenmond blickte auf und sah die Stadt. Es war eine verrückte Anordnung von Ruinen, die auch jetzt noch jede nur mögliche Art von Bauweise verrieten, als hätte ein Gott Muster von Häusern aus jeder Welt des Multiversums geholt und sie planlos hier aufgestellt. Alle waren zerfallen, und die Ruinen erstreckten sich bis an den Horizont, doch immer noch war zu erkennen, was sie einst gewesen waren – trutzige Türme, schlanke Minarette, phantasievolle Burgen, und alle warfen sie ihre Schatten. Außerdem gab es auch in der Stadt unzählige Schatten, die scheinbar keinen Ursprung hatten – zweifellos Schatten von Gebäuden, die für ihre Augen unsichtbar blieben.
    Falkenmond war zutiefst enttäuscht. »Das ist nicht das Tanelorn, das ich zu finden erwartete«, erklärte er.
    »So geht es Euch wie mir.« Auch Erekoses Stimme verriet seine bittere Enttäuschung.
    »Vielleicht ist es gar nicht Tanelorn.« Elric blieb abrupt stehen. Seine roten Augen studierten die Ruinen. »Vielleicht nicht.«
    »Es könnte eine

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