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Die Bruderschaft der Runen

Titel: Die Bruderschaft der Runen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michael Peinkofer
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mordeten.
    Quentins Entschlossenheit, dem Rätsel auf den Grund zu gehen, war längst so groß wie die seines Onkels. Allerdings waren für ihn all die Verbrechen der letzten Wochen nicht zusammenhanglos geschehen; vielmehr hatte er das Gefühl, dass sie zu einem großen Ganzen gehörten, zu einer geheimnisvollen Verschwörung, und dass ungleich mehr dahinter steckte, als sie bislang ahnten.
    Vielleicht, dachte Quentin, war das Schwert des Bruce der Schlüssel, um das Rätsel zu lösen …

3.
    G wynneth Ruthven fand keinen Schlaf, wie so oft in diesen unheilvollen Tagen.
    Seit Wallaces Macht geschwunden war, befanden sich die Clans und der Adel in Aufruhr. Überall brodelte und gärte es, Unheil lag in der Luft, das Gwynn deutlich spüren konnte.
    So viel hatte sich verändert seit dem Tod ihres Vaters, so viel in so kurzer Zeit. Nicht genug damit, dass der Aufstand, der von der Hoffnung des schottischen Volkes auf Frieden und Freiheit getragen worden war, blutig gescheitert war. Der Adel war zerstritten und uneins wie je, teilte sich in jene, die Wallace auch weiterhin folgen und ihm die Treue halten wollten, und jene, die ihn für einen gefährlichen Emporkömmling hielten und denen seine Niederlage bei Falkirk gerade zupass gekommen war.
    Da sie eine Frau war, stand es Gwynn nicht zu, sich zu diesen Dingen zu äußern. Kriege zu führen und Politik zu betreiben war den Männern vorbehalten, und so war es allein ihr Bruder Duncan, der in diesen Tagen die Geschicke des Ruthven-Clans führte.
    Zu Beginn seiner Herrschaft hatte Duncan seine Schwester noch des Öfteren um ihren Rat in strittigen Fragen gebeten, in letzter Zeit jedoch nicht mehr. Unter dem Einfluss der Berater, mit denen er sich umgeben hatte, hatte Duncan sich verändert. Zu seinem Nachteil, wie Gwynneth fand.
    Immer wieder musste sie an ihre unheimliche Begegnung mit der alten Kala denken. Das Runenweib hatte sie gewarnt, dass ihr Bruder sich mit Mächten einließ, die er weder verstand noch kontrollieren konnte. Anfangs hatte Gwynneth sich damit zu trösten versucht, dass Kala eine verrückte Alte war, deren Worten man besser keine Aufmerksamkeit zollte. Aber je mehr Zeit verging, desto deutlicher erkannte sie, dass Kala Recht gehabt hatte, in jeder Hinsicht.
    Anfangs war Duncan nur abweisend gewesen. Zunehmend hatte er sich verschlossen, hatte seine Schwester nicht mehr teilhaben lassen an seinen Gedanken. Sein Herz war betrübt gewesen vom Tod des Vaters, und in seine Trauer hatte sich Hass gemischt – Hass auf den Mann, dem er die Schuld am Tod des Clansfürsten und am Scheitern des Aufstands gab: William Wallace. Und dieser Hass hatte ihn empfänglich gemacht für seine neuen Berater, die längst nicht mehr von seiner Seite wichen.
    Was Wallace betraf, stand Duncan unter den Clansoberhäuptern keineswegs allein. Es gab viele, die Braveheart misstrauten, nicht wenige hatten ihm auf dem Schlachtfeld von Falkirk den Rücken gekehrt. Dass Wallace und seine Getreuen sich dafür blutig rächten, hatte die Lage nicht verbessert. Der schottische Adel war dabei, sich gegenseitig zu zerfleischen, und einmal mehr würden die Engländer triumphieren.
    Vergeblich hatte Gwynn versucht, ihrem Bruder das klar zu machen, aber er hatte sie nur ausgelacht und ihr gesagt, dass eine Frau von Dingen wie diesen nichts verstünde. Und natürlich hatte sie auch versucht, ihn trotz Kalas Worten vor seinen neuen Beratern zu warnen. Darauf war Duncan böse geworden, und für einen Moment hatte sie etwas in seinen Augen aufblitzen sehen, das ihr Angst gemacht hatte.
    Seither fand Gwynneth keine Ruhe mehr.
    Nacht für Nacht lag sie wach in ihrem Gemach und wälzte sich hin und her. Wenn der Schlaf sie übermannte, dann nur, um sie mit Albträumen heimzusuchen – Albträumen, in denen ihr Vater vorkam und ihr Bruder und in denen es zum blutigen Streit zwischen beiden kam. Gwynneth versuchte stets zu vermitteln, aber der Traum endete immer auf dieselbe Weise, ohne dass sie es ändern konnte: Vater und Sohn zückten ihre Schwerter und drangen aufeinander ein, und am Ende fiel der alte Clansherr vom Streich seines eigenen Sprosses, der die blutige Klinge zum Himmel reckte und etwas in einer Sprache sagte, die Gwynneth nicht verstand.
    Es waren Laute, wie sie sie noch nie zuvor gehört hatte, von bösem, kaltem Klang. Duncan murmelte die Worte wie eine Beschwörungsformel, wieder und wieder, während Gwynneth vor Entsetzen wie erstarrt war. Ihr Herz pochte und begann zu

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