Die Enden der Parabel
Messer der Witterung überlassen waren, die sich unermüdlich
Einlaß zu verschaffen wußten. Pointsman war an diesem Tag zufällig in London oben, im Zwölften Haus oder bei einem seiner alkoholisierten Arbeitsessen mit diversen Industriellen. Begann er, sie zu vergessen? Sollte sie frei sein? War sie es schon?
Irgendwo in der offenbaren Leere der "Weißen Visitation" treibt sie tatsächlich einen Filmprojektor auf, fädelt eine Spule ein und wirft das Bild auf eine stockfleckige Mauer, direkt neben eine Genreszene, in der ein Rudel dümmlicher Aristokraten durch eine nordenglische Talmulde sattelt. Sie sieht ein weißhaariges Mädchen in Pirat Prentices Maisonette in Chelsea, ein Gesicht, das ihr so fremd ist, daß sie die mittelalterlichen Räume eher erkennt als sich selbst.
Wann haben sie denn - ach, an dem Tag, als Osbie Feel die Fliegenpilze aufkochte ... Fasziniert starrt sie auf zwanzig Minuten ihres Ichs in prä-pisceanischer Fugue. Wofür, um alles in der Welt, haben sie das benutzt? Die Antwort befindet sich ebenfalls in der Büchse, und es dauert nicht lange, bis sie darauf stößt: Grigori, der Krake, in seinem Behältnis, wie er sich Katjes Bild auf der Leinwand ansieht. Schnitt und Gegenschnitt, flimmernde Leinwand und der glotzende Kopffüßer G., jeweils mit einem maschinegeschriebenen Datum versehen - eine Dokumentation der Entwicklung des konditionienen Reflexes bei dem Kraken.
Den Rest der Rolle füllt etwas Unerklärliches, das eine Art Probeaufnahme von Osbie Feel, ausgerechnet von ihm, zu sein scheint. Sie hat auch eine Tonspur. Osbie improvisiert ein Szenario für einen Film, den er geschrieben hat. Der Titel lautet:
DOPERS GIER
"Wir beginnen mit Nelson Eddy, der im Hintergrund singt:
Dopers Gier, Oh, Dopers Gier,
Ist das Widerwärtigste, das sag ich dir! Fühlst du dich wunderbar und fein, Verwandelt sie dich in ein Schwein, Findest du je Geschmack an DOPERS GIER!
Jetzt zwei trailmüde Cowboys, die in eine Stadt einreiten, Ba-sil Rathbone und S. Z. () Sakall. Am Stadtrand stellt sich ihnen der Liliputaner in den Weg, der die Hauptrolle in Freaks gespielt hat. Der mit dem deutschen Akzent. Er ist der Sheriff der Stadt. Er trägt einen riesigen goldenen Stern, der beinahe seine ganze Brust bedeckt. Rathbone und Sakall zügeln ihre Pferde und lächeln etwas befremdet. rathbone: Der kann doch wohl kaum echt sein, oder?
sakall: Hoo, hoo! Natierlich is der echt, du verlauster Sichtiger, du host wohl gefressen zuviel von dem verkackten Kaktus-Zeug aufm Trail? Host du lieber inhaliern sollen dos scheene Gras, wos ich hob gehobt, hob ich dier gleich gesokt! rathbone (mit seinem nervösen, krankhaften Lächeln): Bitte - ich brauche keine jiddische Mamme. Ich weiß, was echt ist und was nicht.
(Der Liliputaner wirft sich unterdessen in die verschiedensten Harter-Bursche-Posituren und wirbelt ein Paar gigantischer Colts um die Finger.) sakall: Wenn du bist gewesn off'm Trail soi long wie ich -und du weißt auf wus for'n Trail, nisch, du schniffelnder Schlemihl -, donn konnste nebbich unterscheidn 'n echtn Zwergnsheriff vom a' halluziniertn.
rathbone: Ich hatte gar nicht gewußt, daß diese beiden Sorten existierten. Offensichtlich scheinst du überall in diesem Territorium Zwergensheriffs gesichtet zu
haben, sonst hättest du diese Kategorie ja wohl kaum aufgebracht. O-oder doch? Hintertrieben genug wärst du ja, um selbst so was zu versuchen. sakall: , host du noch vergessn. rathbone: Du alter Gauner.
Sie lachen, ziehen ihre Colts und tauschen ein paar verspielte Schüsse. Der Zwerg rennt hin und her, wütend, deutsch akzentuierte Westernismen ausstoßend, wie etwa:
sakall: Nu, wir sehn ihn beide. Dos heißt, er is echt.
rathbone: Von gemeinsamen Halluzinationen hat man hierzulande schon mal gehört, Partner.
sakall: Nu, nu, wer sokt, dasses is ne Joint hallucination? Hoo, hoo! Wenn es is a hallucination - und ich sog itzt nich, es is -,dann musses eher Peyote sein. Oder Jimson Weed velleicht...
Diese interessante Konversation zieht sich noch eineinhalb Stunden lang hin. Es gibt keine Schnitte. Der Liliputaner ist die ganze Zeit über aktiv und reagiert auf die zahlreichen subtilen und ab und zu regelrecht verblüffenden Argumente, die vorgetragen werden. Die Pferde scheißen hin und wieder in den Sand. Ob dem Zwerg bewußt ist, daß hier über seine reale Existenz verhandelt wird, bleibt im Ungewissen. Eine von den vielen kunstreichen Ambiguitäten dieses Streifens. Schließlich
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