Die Orks 01 - Die Rückkehr der Orks
geschwungenen Orkaxt vermochte sie nicht zu widerstehen; es durchschnitt nicht nur die Haut, sondern auch Muskeln und Sehnen. Als Balbok die Axt wieder herausriss, spritzte das Blut aus der tiefen Wunde, und sofort schlug der Ork ein zweites und ein drittes Mal zu.
Der Troll hieb um sich, sich wie wild gebärdend, konnte das verletzte Bein jedoch nicht mehr bewegen. Mit der Keule versuchte er, den Angreifer zu treffen, aber auch das gelang ihm nicht, da Balbok sich jedes Mal geschickt zwischen die Beine des Trolls flüchtete, wenn die Keule heranflog – dabei musste er sich hüten, nicht vom gewaltigen Gemächt des Trolls erschlagen zu werden.
Immer wieder hieb der Ork auf das verletzte Bein des Unholds ein, vergrößerte die Wunde mit jedem Hieb – und langte endlich beim Knochen an.
»Achtung, Troll fällt!«, stieß Balbok den traditionellen Warnruf aus, und weit holte er aus, um die Axt ein letztes Mal mit voller Wucht ins Ziel zu senken.
Es gab ein markiges Knacken, als das Axtblatt den Unterschenkelknochen zerschmetterte. Das Bein brach, und der Troll fiel tatsächlich wie ein gefällter Baum.
Mit dumpfem Aufschlag krachte die riesige Kreatur rücklings auf den Boden, noch immer brüllend und wie von Sinnen um sich schlagend. Aber die Reichweite ihrer Hiebe war ungleich geringer geworden.
Unter wütendem Kampfgeschrei stürmten Rammar und Corwyn heran und fielen über den Troll her. Dabei mussten der Ork und der Kopfgeldjäger aufpassen, dass sie nicht auf dem glitschigen Boden ausrutschten, denn aus dem Beinstumpf der Kreatur stürzte literweise dunkles Trollblut, das den Waldboden tränkte und die Lichtung in eine Matschgrube verwandelte.
Während Corwyn ein gutes Dutzend Pfeile in den weit aufgerissenen Rachen des Trolls schoss, sprang Rammar mit einem Satz auf die Brust der am Boden liegenden Kreatur und rammte ihr den saparak mit aller Kraft dorthin, wo er ihr Herz vermutete. Wenn er jedoch glaubte, dem Troll damit den Rest zu geben, war er im Irrtum; der stieß ein noch wütenderes Gebrüll aus und bäumte sich mit verzweifelter Kraft auf. Rammar wurde von seiner Brust geschleudert und landete im blutigen Matsch.
»Dummkopf!«, rief Alannah ihm zu. »Weißt du nicht, wo sich bei einem Troll das Herz befindet?«
»Nein«, antwortete Rammar verblüfft und zog den Kopf ein, um nicht von der ziellos um sich schlagenden Pranke des Trolls erwischt zu werden.
»Egal, wo sein Herz ist!«, brüllte Balbok, und nun sprang er auf den Troll. »Ohne Hirn kann nichts leben!«
Er holte weit aus, ließ die Axt mit aller Kraft niedergehen – und spaltete mit einem Schlag den Schädel des Trolls!
Blut spritzte, Hirnmasse quoll aus dem Spalt im Kopf des Trolls, und dieser bäumte sich noch ein letztes Mal auf, dann sank er zurück und blieb reglos liegen.
Der Kampf war vorbei.
Blutbesudelt und schwer atmend starrten die beiden Brüder auf den Kadaver der Kreatur, die ihrer Reise beinahe ein jähes Ende gesetzt hätte.
»Ohne Hirn kann nichts leben?«, fragte Corwyn listig in die Stille.
»So ist es, oder nicht?«, entgegnete Balbok.
Der Kopfgeldjäger schüttelte den Kopf. »Du selbst bist der beste Gegenbeweis.«
Wieder herrschte für einige Augenblicke Schweigen. Dann konnte Rammar nicht länger an sich halten und prustete los (obwohl es sich für einen Ork nicht schickt, über den Witz eines Menschen zu lachen). Auch Corwyn lachte, und sogar Alannah fiel mit heiserem Kichern ein. Und schließlich musste auch Balbok grinsen, obwohl der Scherz einmal mehr auf seine Kosten gegangen war.
Die Anspannung und die Todesangst, unter der die Gefährten gestanden hatten, brachen sich in erleichtertem Gelächter Bahn, und in der allgemeinen Heiterkeit klopfte der Kopfgeldjäger Rammar versöhnlich auf die Schulter, während der feiste Ork ihm mit der Faust auf die Brust hieb, was unter seinesgleichen als Zeichen der Anerkennung gilt – bis ihnen beiden klar wurde, was sie da taten. Corwyns Hand zuckte zurück, als ihm bewusst wurde, dass er dabei war, sich mit Marenas Mördern zu verbrüdern, und der Ork spuckte aus, als er erkannte, dass er drauf und dran gewesen war, mit einem Menschen Freundschaft zu schließen, noch dazu mit einem, der es auf seinen Skalp abgesehen hatte.
Als wäre ein Blitz zwischen sie gefahren, zuckten sie auseinander, und einen Herzschlag später hatten sie wieder die Waffen erhoben, an deren Klingen noch dunkles Trollblut klebte. Axt und saparak auf der einen und Corwyns
Weitere Kostenlose Bücher