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Die Rückkehr des Drachen

Die Rückkehr des Drachen

Titel: Die Rückkehr des Drachen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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gekniet, wo ein heißer, trockener Wind Staub über den Boden fegte und Geschöpfe, ähnlich dem auf dem Drachenbanner, aber viel kleiner, auf dem Wind herantrieben und sich auf seiner Haut niederließen. Dann hatte sie geträumt, wie er in ein großes Loch in einem schwarzen Berg hineinmarschiert war. Das Loch war von innen her mit dem roten Glühen aus riesigen Feuern darunter erfüllt. Und in einem Traum schließlich stand er den Seanchan gegenüber.
    Bei diesem letzten Traum war sie sich nicht sicher, aber sie wußte, daß die übrigen etwas zu bedeuten hatten. Damals, als sie noch sicher war, Anaiya trauen zu können, bevor sie die Burg verlassen hatte, bevor sie erfuhr, daß die Schwarzen Ajah Wirklichkeit waren, hatte sie ja die Aes Sedai ganz vorsichtig ein wenig auszuhorchen versucht. Anaiya hatte das sicher nur für ihre übliche Neugier gehalten. Dabei hatte sie erfahren, daß die Träume von Ta'veren bei einem echten Träumer fast immer etwas zu bedeuten hatten, und je stärker ta'veren diese Person war, desto sicherer konnte die Bedeutung bestimmt werden.
    Aber Mat und Perrin waren ebenfalls ta'veren, und sie hatte auch von ihnen geträumt. Seltsame Träume, noch schwieriger zu verstehen als die von Rand. Perrin mit einem Falken auf der Schulter und Perrin mit einem Habicht. Nur, daß der Habicht eine Leine im Schnabel hielt. Egwene war sich irgendwie sicher, daß sowohl Falke wie auch Habicht Weibchen waren. Der Habicht versuchte, Perrin die Leine um den Hals zu legen. Das ließ sie schaudern; sie mochte keine Träume von Leinen und Halsbändern. Und dieser Traum von Perrin - einem bärtigen Perrin! -, der ein riesiges Wolfsrudel anführte, das sich erstreckte, soweit das Auge sehen konnte. Die Träume von Mat waren noch schlimmer gewesen. Mat, der sein eigenes linkes Auge auf eine Waagschale legte. Mat, der an einem Baum aufgehängt war. Es war auch ein Traum von Mat und den Seanchan dabeigewesen, aber den tat sie als wirklichen Alptraum ab. Das mußte einfach ein Alptraum gewesen sein. Genau wie der, in dem Mat die Alte Sprache sprach. Das mußte von dem herrühren, was sie während seiner Heilbehandlung gehört hatte.
    Sie seufzte, und aus dem Seufzen wurde wieder ein Gähnen. Sie und die anderen waren nach dem Frühstück in Mats Zimmer gegangen, um nachzusehen, wie es ihm ging, doch er war nicht dagewesen.
    Vielleicht geht es ihm schon wieder gut genug zum Tanzen! Licht, jetzt werde ich vermutlich davon träumen, wie er mit Seanchan tanzt. Keine Träume mehr, sagte sie sich entschlossen. Nicht jetzt. Ich denke wieder darüber nach, wenn ich nicht so müde bin. Sie dachte an die Küche, an das bevorstehende Mittagessen und dann das Abendessen und morgen wieder das Frühstück, und an Töpfe und nicht enden wollendes Putzen und Schrubben. Falls ich die Müdigkeit jemals wieder loswerde. Sie änderte ihre Position auf dem Bett und betrachtete ihre Freundinnen wieder. Elayne beäugte immer noch die Namensliste. Nynaeves Schritte waren langsamer geworden. Jeden Augenblick wird Nynaeve wieder damit anfangen. Sie wird es wieder sagen. Nynaeve blieb direkt vor Elayne stehen und sah auf sie hinab. »Leg das weg. Wir sind die Liste zwanzigmal durchgegangen, und sie enthält kein hilfreiches Wort. Verin hat uns da Quatsch aufgehalst. Die Frage ist nur: War das alles, was sie hatte, oder hat sie uns mit Absicht nur diesen Quatsch gegeben?«
    Wie erwartet. In etwa einer halben Stunde wird sie es wieder sagen. Egwene blickte finster auf ihre Hände nieder, froh, daß sie sie nicht klar erkennen konnte. Der Ring der Großen Schlange wirkte ausgesprochen deplaziert an einer Hand mit solch gerunzelter Haut, nachdem sie einfach zuviel in heißem Seifenwasser gesteckt hatte.
    »Es hilft schon, ihre Namen zu kennen«, sagte Elayne, die noch immer las. »Und es hilft auch, zu wissen, wie sie aussehen.«
    »Du weißt ganz genau, was ich meine«, fauchte Nynaeve.
    Egwene seufzte und faltete die Arme vor der Brust. Dann legte sie ihr Kinn darauf. Als sie diesen Morgen aus Sheriams Arbeitszimmer gekommen war - die Sonne hatte sich noch nicht am Horizont gezeigt -, da hatte Nynaeve mit einer Kerze in dem kalten, dunklen Gang auf sie gewartet.
    Sie hatte es nicht genau erkennen können, aber Nynaeve hatte den Eindruck gemacht, als wolle sie jeden Moment anfangen, die Steine anzufressen. Und als wisse sie, daß auch das in den nächsten Minuten überhaupt nichts ändern würde. Deshalb war sie so geladen. Sie geht aus lauter

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