Die Rückkehr des Drachen
Rippen, und schlug schließlich wie ein Speer in Galads Bauch ein. Stöhnend krümmte sich Galad zusammen, versuchte noch, den Sturz zu vermeiden. Der Stock zitterte in Mats Händen. Mat war bereit zu einem endgültigen, krachenden Schlag auf Galads Kehlkopf. Doch Galad sank zu Boden.
Mat ließ den Bauernspieß beinahe fallen, als ihm klar wurde, was er um ein Haar getan hätte. Gewinnen, nicht umbringen. Licht, woran habe ich da gedacht? Er entspannte sich und stützte das Ende des Stocks auf den Boden. In dem Moment mußte er sich aber auch schon daran festhalten, um auf den Beinen zu bleiben. Der Hunger bohrte in ihm wie ein Messer, das Mark aus einem Knochen schabt. Mit einem Mal bemerkte er, daß nicht nur die Aufgenommenen und die Aes Sedai zusahen. Alles Üben auf dem ganzen Gelände hatte aufgehört. Sowohl die Behüter wie auch die Schüler standen da und beobachteten ihn.
Hammar ging zu Galad hin, der immer noch stöhnend am Boden lag und versuchte, sich aufzurichten. Der Behüter hob die Stimme und rief: »Wer war der größte Schwertmeister aller Zeiten?«
Aus den Kehlen von Dutzenden von Schülern ertönte laut im Chor: »Jearom, Gaidin!«
»Ja!« schrie Hammar und drehte sich dabei um, damit ihn alle hörten. »Zeit seines Lebens hat Jearom mehr als zehntausend Kämpfe bestehen müssen, in der Schlacht wie in Zweikämpfen. Er wurde nur ein einziges Mal besiegt: Von einem Bauern mit einem Bauernspieß wie diesem! Denkt daran! Erinnert euch später an das, was ihr gerade gesehen habt!« Er blickte auf Galad hinunter und fragte leiser: »Wenn du jetzt nicht hochkommst, Junge, ist der Kampf entschieden.« Er hob eine Hand, und die Aes Sedai und Aufgenommenen stürmten herbei und umringten Galad.
Mat rutschte am Stock auf die Knie herunter. Keine der Aes Sedai schaute sich auch nur nach ihm um. Eine der Aufgenommen sah ihn an, ein molliges Mädchen, das er bestimmt um einen Tanz gebeten hätte, wenn sie nicht gerade Aes Sedai werden wollte. Sie blickte mit finsterer Miene herüber, schnaubte und wandte sich wieder um, weil sie sehen wollte, was die Aes Sedai mit Galad machten.
Gawyn war wieder auf den Beinen, stellte Mat erleichtert fest. Er rappelte sich hoch, als Gawyn zu ihm herüberkam. Nur nichts zugeben. Ich komme hier niemals
heraus, wenn sie sich entschließen, mich von morgens bis abends zu bemuttern. Blut verkrustete Gawyns Haar über der einen Schläfe, aber einen Schnitt oder eine größere Schramme konnte Mat nicht entdecken.
Er drückte Mat zwei Silbermark in die Hand und sagte trocken: »Ich glaube, nächstesmal werde ich auf dich hören.« Er bemerkte Mats Blick und berührte seine Schläfe. »Sie haben es bereits geheilt, aber es war nicht so schlimm. Elayne hat mich mehr als einmal übler zugerichtet. Du kannst aber mit dem Ding umgehen!«
»Nicht so gut wie mein Pa. Er hat an Bel Tine jedes Jahr den Bauernspieß-Wettkampf gewonnen, solange ich mich zurückerinnern kann, bis auf ein- oder zweimal, wo Rands Pa gewann.« Plötzlich war dieser interessierte Blick wieder in Gawyns Augen, und Mat verwünschte sich, daß er Tam al'Thor erwähnt hatte. Die Aes Sedai und die Aufgenommenen drängten sich immer noch um Galad. »Ich... ich muß ihn ganz schön erwischt haben. Das wollte ich nicht.«
Gawyn blickte hinüber, aber man konnte nichts erkennen außer zwei Ringen von weiblichen Rückenpartien. Die weißen Kleider der Aufgenommenen bildeten den äußeren Ring. Sie drückten sich fast auf die Aes Sedai, so gebannt starrten sie über diese hinweg Galad an. Gawyn lachte. »Du hast ihn nicht umgebracht. Ich habe sein Stöhnen gehört. Er sollte jetzt eigentlich wieder auf den Beinen sein, aber sie lassen natürlich diese Chance nicht verstreichen, wenn sie schon mal die Hände an ihm haben. Licht, vier davon sind Grüne Ajah!« Mat sah ihn verwirrt an - Grüne Ajah? Was hat das mit ihm zu tun? -, aber Gawyn schüttelte den Kopf. »Es ist nicht wichtig. Du kannst sicher sein, daß Galads einzige Sorge die ist, sich nicht plötzlich als Behüter bei einer Grünen Aes Sedai wiederzufinden, bevor sein Kopf wieder klar ist.« Er lachte wieder. »Nein, das würden sie nicht tun. Aber ich wette um die zwei Mark von mir in deiner Hand, daß einige von ihnen das am liebsten täten.«
»Nein, nicht das Geld. Das brauche ich.« Mat schob die Münzen in seine Tasche. Die Erklärung gab für ihn nicht viel her. Außer, daß es Galad gutging. Alles, was er über die Verhältnisse zwischen Behütern
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