Don Quixote
»ich war doch nicht besoffen, mein Herr hat den Riesen richtig gepfeffert, die Trompeten blasen vom Turme, meine Grafschaft kommt angesegelt.«
Wer hätte nicht über die Tollheit der beiden, des Herrn wie des Dieners, lachen müssen? Alle lachten auch, außer dem Wirte, der sich dem Teufel ergeben wollte; doch brachten es endlich der Pfarrer und Cardenio dahin, daß man mit großer Anstrengung Don Quixote wieder zu Bette brachte, wo er auch äußerst erschöpft von neuem einschlief. Sie ließen ihn schlafen und gingen nach dem Tor der Schenke, um Sancho zu trösten, daß er den Kopf des Riesen nicht gefunden hatte, aber sie hatten weit mehr zu tun, den Wirt zu besänftigen, der über die plötzliche Ermordung seiner Schläuche in Verzweiflung war, und die Wirtin heulte mit lauter Stimme: »O du verfluchte Unglücksstunde, in der dieser irrende Ritter in unser Haus gekommen ist, o so hätten ihn doch meine Augen niemals gesehen, da er mir so teuer zu stehen kommt! Letzthin reist er ab, ohne für Abendessen, Heu und Haber für ihn und seinen Stallmeister, eine Mähre und einen Esel zu bezahlen, und spricht, er sei ein abenteuernder Ritter (o wollte Gott doch allen Abenteurern, die auf Erden leben, ihre Abende teuer bezahlen lassen) und daß er deswegen nichts zu bezahlen brauche und daß das in den Taxen der irrenden Ritterschaft buchstäblich so vorgeschrieben stehe; dann kommt seinetwegen der andere Herr daher und nimmt mir meinen Schwanz weg, den er mir nun nicht ein Viertel so gut wiedergebracht hat, denn er ist ganz zerpflückt und taugt jetzt nicht mehr dazu, wozu ihn mein Mann brauchen will; endlich und zum Beschluß werden meine Schläuche zerstochen und mein Wein verschüttet; oh, wenn ich dafür nur könnte sein Blut verschüttet sehen! Aber bei den Gebeinen meines Vaters und dem Leichnam meiner Mutter, daß er es nur nicht wieder so zu machen denkt, sondern er soll mir alles bis auf den letzten Pfennig bezahlen, oder ich will nicht so heißen, wie ich heiße, und meinen ehrlichen Namen verlieren.«
Diese und andere Redensarten stieß die Wirtin im höchsten Grimme aus, und ihre wackere Magd Maritorne stand ihr redlich bei; die Tochter schwieg und lachte von Zeit zu Zeit heimlich für sich selber. Der Pfarrer beruhigte alle und versprach, soviel er imstande sei, allen Verlust zu ersetzen, sowohl in Ansehung der Weinschläuche als auch besonders in Ansehung des verdor benen Schwanzes, von dem so viel gesprochen werde. Dorothea tröstete auch Sancho Pansa und sagte ihm, daß, wenn es gewiß sei, daß sein Herr dem Riesen den Kopf heruntergehauen habe, sie ihm verspräche, sobald ihr Reich nun beruhigt sei, ihm die schönste Grafschaft zu geben, die sich darin befinde.
Hiermit war Sancho getröstet und versicherte die Prinzessin, daß er es ganz gewiß wisse, daß er den Kopf des Riesen gesehen habe, und zum größern Wahrzeichen habe er einen Bart, der bis auf den Gürtel reiche, und wenn er jetzt nicht zu finden wäre, so komme das daher, weil alles, was sich in diesem Hause zutrage, vermittelst Zauberei geschehe, wie er schon neulich erfahren, da er hier geherbergt. Dorothea sagte, daß sie das auch glaube und daß er nur ohne alle Sorgen sein möchte, denn alles würde gut gehen und so kommen, wie man es nur wünschen könne.
Als alle beruhigt waren, wollte der Pfarrer die Novelle zu Ende lesen, denn er sah, daß nur noch wenig übriggeblieben. Cardenio, Dorothea und die übrigen baten ihn auch darum; er, um allen das Vergnügen zu machen und auch weil er selbst sie gern las, fuhr in der Erzählung folgendermaßen fort:
Seitdem führte Anselmo in der Überzeugung von Camillas Tugend das vergnügteste und zufriedenste Leben. Camilla machte dem Lotario stets ein verdrüßliches Gesicht, damit Anselmo über ihre wahre Gesinnungen im Irrtum bliebe, und Lotario, um dies noch mehr zu bestätigen, bat ihn um die Erlaubnis, sein Haus nicht mehr besuchen zu dürfen, denn er merke deutlich den Verdruß, den Camilla über seine Besuche empfinde; aber der betrogene Anselmo verlangte, daß er dies durchaus nicht unterlasse, und so arbeitete Anselmo auf tausend Arten an seiner eigenen Schande, indes er glaubte, sich glücklich zu machen.
Leonella, die ihre Liebe nun autorisiert sah, kam endlich dahin, alle andre Rücksichten zu vergessen und sich ihrer Leidenschaft zügellos hinzugeben; denn sie verließ sich darauf, daß ihre Gebieterin sie verbergen helfe, ja ihr sogar die Mittel angebe, wie sie am besten ihr
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