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Don Quixote

Don Quixote

Titel: Don Quixote Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Miguel de Cervantes Saavedra
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dieser Hunde, unserer geborenen Feinde? Verflucht sei die Stunde, in der ich dich zeugte! Verflucht sei jede Freude und jede Liebkosung, womit ich dich erzogen habe!‹
    Da ich aber sah, daß er noch lange fortfahren würde, ließ ich ihn schnell ans Land setzen, von wo er uns laut schreiend mit seinen Verwünschungen und Wehklagen verfolgte, indem er Mahomet und Allah anrief, uns zu vernichten und gänzlich zu zerstören. Als wir schon weiter fortgesegelt waren und seine Worte nicht mehr hören konnten, sahen wir doch noch seine Gebärden, denn er riß seinen Bart aus, raufte sich die Haare und wälzte sich auf dem Boden; nur einmal erhob er die Stimme so laut, daß wir seine Worte vernehmen konnten. ›Komm zurück, geliebtes Kind, komm zurück, denn ich vergebe dir alles, überlaß diesen Leuten alles Geld und komm zurück, um deinen elenden Vater zu trösten, der auf diesem wüsten Sande sein Leben lassen wird, wenn du ihn verlässest!‹
    Alle diese Worte hörte Zoraida, sie weinte unaufhörlich und antwortete ihm folgendes: ›Bitte Allah, mein Vater, daß Lela Marien dich tröste, die mich dazu bewogen hat, Christin zu werden. Allah weiß, daß ich nichts anderes tun konnte, als was ich getan habe, und daß diese Christen mich nicht dazu überredet haben; denn wenn ich auch nicht mit ihnen gereist wäre, so hätte ich doch nicht in meinem Hause bleiben können, weil meine Seele mich eifrig antrieb, das ins Werk zu setzen, was mir so gut scheint, wie du es, geliebter Vater, für böse hältst.‹
    So sprach sie noch, indem ihr Vater sie nicht mehr hörte und wir ihn nicht mehr sahen. Ich tröstete Zoraida, und wir setzten unsere Reise fort, die der günstige Wind beschleunigte, so daß wir gewiß glaubten, uns am folgenden Morgen am spanischen Ufer zu befinden.
    Wie aber das Glück selten oder nie ganz rein und ungetrübt erscheint, ohne daß ein Unglück es begleitet oder zerstöre, so wollte es das Schicksal haben, oder vielleicht machten es die Flüche des Mohren, die er seiner Tochter mitgegeben hatte, denn die Verwünschungen eines Vaters sind immer furchtbar, daß, als wir so fortfuhren und schon drei Stunden der Nacht verflossen waren, das Segel aufgespannt, die Ruder in Ruhe, weil der Wind unsere Arbeit unnötig machte, wir plötzlich beim hellen Scheine des Mondes nahe an uns ein rundes Schiff sahen, das mit vollen Segeln und so dicht von uns vorbeistrich, daß wir die Segel einziehen mußten, um nicht anzustoßen, und sie richteten sich ebenfalls ein, damit wir vorbeifahren könnten. Sie hatten sich auf den Rand des Schiffes begeben, um zu fragen, wer wir wären, wohin wir führen und woher wir kämen! Da sie dies aber in französischer Sprache fragten, sagte der Renegat: ›Antworte keiner, denn sie sind gewiß französische Korsaren, die auf alles Beute machen.‹
    Wir gaben nach diesem Rat keine Antwort, und da wir schon etwas weiter gefahren waren und wieder Wind gewonnen hatten, wurden plötzlich zwei Stücke abgeschossen, und, wie es schien, mit Kettenkugeln geladen, denn der eine Schuß schlug unsern Mast in der Mitte durch und warf ihn mit dem Segel ins Meer, indem wurde auch das zweite Stück abgefeuert, das mitten durch unsere Barke schlug und sie ganz durchlöcherte, ohne uns selbst zu beschädigen. Wie wir sahen, daß wir versinken wollten, fingen wir alle laut an um Hülfe zu rufen, daß die aus dem Schiffe uns beistehen möchten, weil wir zugrunde gingen. Sie hielten an und setzten ein Boot aus, in das sich zwölf gewaffnete Franzosen begaben, mit ihren Musketen und brennenden Lunten, und so kamen sie zu uns; da sie sahen, daß wir so wenige wären und daß das Schiff schon zu sinken anfing, nahmen sie uns auf und sagten, daß wir uns diesen Unfall selber, wegen der Unhöflichkeit, nicht geantwortet zu haben, zuzuschreiben hätten. Unser Renegat nahm das Kästchen mit den Schätzen der Zoraida und warf es in das Meer, ohne daß dies einer bemerkte. Wir begaben uns nun alle zu den Franzosen, die, nachdem sie erfahren hatten, wer wir wären, uns als unsere Feinde alles nahmen, was sie nur fanden, so daß sie der Zoraida sogar die Spangen raubten, die sie um die Füße trug. Doch war ich deshalb nicht so bekümmert, weil Zoraida und ich befürchteten, daß sie ihr außer dem kostbaren Schmuck auch jenen Schmuck rauben würden, den sie und ich höher als alles schätzte; aber die Begierden jener Menschen gehen nicht weiter als auf Geld hinaus, und noch niemals habe ich eine so große

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