Don Quixote
des Szepters und der Krone würdig sind.«
»Ihr wißt wenig von der Welt«, erwiderte Don Quixote, »denn Ihr wißt nichts um Dinge, die sich in der irrenden Ritterschaft zuzutragen pflegen.«
Die anderen, die den Fragenden begleiteten, waren Don Quixotes Gespräch überdrüssig, deshalb pochten sie von neuem mit der größten Heftigkeit an, wodurch der Wirt erwachte, so wie alle übrigen, die in der Schenke waren; dieser stand daher auf, um zu sehen, wer da sei.
Es begab sich indes, daß eine von den Stuten, die mit den vier Anklopfenden gekommen war, zum Rozinante trat, um diesen zu beriechen, der noch immer melancholisch, tiefsinnig und mit niederhängenden Ohren dastand, ohne sich unter seinem aufgerichteten Herrn zu bewegen, und da dieser doch im Grunde Fleisch war, ob er gleich von Holz schien, so konnte er die Erwiderung nicht unterlassen, sondern er wandte sich um, um auch das zu beriechen, was ihn so höflich begrüßte, und sowie er sich kaum ein Unmerkliches rührte, fielen beide Füße des Don Quixote herunter, und indem er vom Sattel herunterrutschte, wäre er auf den Boden gefallen, wenn er nicht am Arme gehangen hätte; welches ihm so großen Schmerz verursachte, daß er meinte, die Hand sei ihm entweder abgebrochen oder der Arm ausgerissen, denn er kam dem Boden so nahe, daß er mit den äußersten Spitzen der Füße die Erde küßte, was eben das schlimmste war, denn da er fühlte, wie wenig ihm abginge, um die Beine auf die Erde zu stellen, so quälte er sich und reckte sich aus, soviel er vermochte, um den Boden zu erreichen; so daß es ihm wie denen ging, die sich auf der Leiter einer Folter befinden, welche stehen und auch nicht stehen, so daß sie selbst ihre Schmerzen vermehren, indem sie sich beeifern, sich noch mehr auszurecken, weil sie von der Hoffnung getäuscht werden, daß sie vielleicht mit ein wenig mehr Ausdehnung auf den Boden kommen möchten.
3. [44.] KAPITEL
Enthält die Fortsetzung der unerhörten Begebenheiten in
der Schenke
Don Quixote schrie in der Tat so gewaltig, daß der Wirt schnell die Tür der Schenke aufmachte und erschrocken heraustrat, um zu sehen, wer so gräßlich brülle, und die übrigen, die draußen waren, taten das nämliche. Maritorne, die auch schon von dem nämlichen Geschrei aufgewacht war und wohl denken konnte, was es sei, lief zum Stall und band, ohne daß es einer bemerkte, den Strick los, an dem Don Quixote hing, und alsbald fiel dieser vor den Augen des Wirts und der Reisenden auf die Erde nieder, die herbeiliefen und ihn fragten, was ihn zu so großem Schreien bewogen habe. Er aber, ohne ein Wort zu sagen, streifte den Strick von seiner Hand los, stellte sich auf seine Beine, bestieg den Rozinante, ergriff den Schild und legte die Lanze ein, worauf er ein Stück ins Feld hineinritt, im halben Galopp wiederkam und ausrief: »Wer da sagt, daß ich mit Recht bezaubert gewesen, dem will ich, wenn mir solches die Mikomikonische Prinzessin erlaubt, der Lüge zeihen und ihn hiermit zum Zweikampf herausfordern!«
Die angekommenen Reisenden standen über diese Rede Don Quixotes voll Verwunderung da; der Wirt riß sie aber bald heraus, indem er ihnen sagte, wer Don Quixote sei und daß man auf ihn nicht achten müsse, weil ihm der Verstand fehle. Jene fragten hierauf den Wirt, ob nicht etwa ein junger Mensch von ungefähr funfzehn Jahren in der Schenke sei, in der Kleidung eines Eseltreibers, mit diesen und jenen Merkmalen, wobei sie ganz den Liebhaber der Doña Clara beschrieben. Der Wirt antwortete, daß in der Schenke so viele Menschen wären, daß er nicht habe achtgeben können, ob jener mit darunter sei; indes aber sah der eine die Kutsche, in der der Hörer angekommen war, und sagte: »Er muß ohne Zweifel hier sein, denn dies ist die Kutsche, der er gefolgt sein soll; einer von uns bleibe an der Tür, die übrigen aber sollen hineingehen, um ihn zu suchen; auch wäre es wohl gut, daß einer von uns um die ganze Schenke herumginge, damit er nicht über die Hofmauer springen kann.«
»Das soll geschehen«, sagte ein anderer; sie gingen hinein, der eine blieb vor der Tür, und ein anderer ging um die Schenke herum. Alles dies sah der Wirt mit an und begriff nicht recht, weshalb sie diese Vorkehrungen träfen; doch war er damit zufrieden, daß sie wohl den jungen Menschen suchen würden, den sie ihm erst beschrieben hatten. Es war indessen Tag geworden, und deshalb, sowie durch das Geschrei des Don Quixote erweckt, standen alle auf, zuerst Doña
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