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Don Quixote

Don Quixote

Titel: Don Quixote Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Miguel de Cervantes Saavedra
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die Damen entfernt hatten, verfiel er auf den Gedanken, daß alles dieses sich wieder, wie das vorige Mal, durch Bezauberung zutrage, als ihn in diesem nämlichen Kastell jener verzauberte Mohr von Eseltreiber zerprügelte; er verwünschte bei sich seinen geringen Verstand, da es ihn jenes Mal in diesem Kastell so übel geraten sei, er es dennoch zum zweiten Male unternommen habe, hineinzugehen, da es doch eine Regel bei den irrenden Rittern sei, daß, wenn sie einmal ein Abenteuer versucht und es nicht bestanden haben, dieses ein Zeichen ist, daß es nicht für sie, sondern für andere aufgehoben wird, deshalb sie es gar nicht nötig haben, es zum zweiten Male zu versuchen. Er zog indes immer an seinem Arme, um zu sehen, ob er ihn losmachen könnte, aber er war so gut befestigt, daß alle seine Versuche vergeblich waren. Er arbeitete aber mit der größten Behutsamkeit, um den Rozinante in keine Bewegung zu bringen, und so viele Mühe er sich auch gab, sich wieder in den Sattel zu setzen, war er doch gezwungen, auf den Füßen stehen zu bleiben oder sich die Hand abzureißen. Jetzt war es Zeit, sich das Schwert des Amadis zu wünschen, gegen welches keine Zauberei Gewalt hatte; jetzt war es Zeit, sein Schicksal zu verfluchen; jetzt war es Zeit, zu wehklagen über den Verlust, welchen die Welt erleiden müsse, während er dort festgezaubert sei, denn er zweifelte nicht, daß dies der Fall war; jetzt war es Zeit, sich von neuem seiner geliebten Dulcinea von Toboso zu erinnern; jetzt war es Zeit, seinen getreuen Stallmeister Sancho Pansa zu rufen, der im tiefsten Schlafe auf dem Sattel seines Esels ausgestreckt lag und in dieser Stunde sich um die Mutter nicht kümmerte, die ihn zur Welt geboren; jetzt rief er den weisen Lirgande oder Alquife an, daß sie ihm helfen möchten; jetzt flehte er seine gute Freundin Urganda um Beistand an; und kurz, der Morgen kam jetzt herauf, indem er so in Verzweiflung und Verwirrung war, daß er wie ein Stier brüllte, weil er nicht glaubte, daß sein Unfall mit dem Tage enden werde, sondern er hielt ihn für unvergänglich, weil er nämlich bezaubert sei; worin er noch dadurch bestätigt wurde, daß Rozinante sich wenig oder gar nicht bewegte, so daß er glaubte, er würde so, ohne zu essen, ohne zu trinken und zu schlafen, mit seinem Pferde stehenbleiben müssen, bis dieser böse Einfluß der Gestirne wieder vorüber sei oder bis ein anderer noch größerer Zauberer ihn entzauberte; in welchem Glauben er sich aber dennoch sehr geirrt hatte, denn kaum fing es an aufzudämmern, als vier Menschen zu Pferde auf die Schenke zuritten, die sehr gut gekleidet waren und Musketen mit sich führten. Sie pochten an die Tür der Schenke, die noch verschlossen war, mit großer Gewalt; als Don Quixote dies gewahr wurde, der es noch nicht aufgegeben hatte, Schildwache zu sein, rief er mit lauter und trotziger Stimme: »Ritter oder Stallmeister, oder wer ihr sonst sein mögt, enthaltet euch, so an die Tür dieses Kastells zu schlagen, denn es ist hinlänglich deutlich, daß zu dieser Stunde die Bewohner drinnen schlafen oder nicht gewohnt sind, die Festung eher zu eröffnen, als bis die Sonne über den ganzen Erdboden verbreitet ist; darum entfernt euch und wartet, bis der Tag vollends anbricht, und dann wird man sehen, ob es dienlich sei oder nicht, euch aufzumachen.«
    »Was, in's Teufels Namen, für eine Festung oder Kastell ist denn das«, sagte der eine, »daß wir solche Zeremonien beobachten sollten? Wenn Ihr der Wirt seid, so laßt uns aufmachen, wir sind Reisende, die den Pferden nur etwas Hafer geben und dann weiterreiten werden: denn wir sind eilig.«

»Hab ich denn etwa, Ihr Ritter, das Ansehen eines Wirtes?« antwortete Don Quixote.
    »Ich weiß viel, wovon Ihr das Ansehen habt«, antwortete jener, »aber das weiß ich, daß Ihr närrisch sprecht, wenn Ihr die Schenke ein Kastell nennt.«
    »Es ist ein Kastell«, versetzte Don Quixote, »und eins der vorzüglichsten in dieser Provinz; es befinden sich Leute darin, die schon einen Szepter in der Hand und eine Krone auf dem Kopfe gehabt haben.«
    »Besser wär's«, versetzte der Reisende, »sie hätten den Szepter im Kopfe und die Krone in der Hand gehabt; und wenn wir es genau betrachten, so wird eine Gesellschaft von Komödianten darin sein, die wohl, wie Ihr sagt, mit Szepter und Krone umzugehen pflegen: denn in solcher kleinen Schenke, in welcher es noch dazu so still wie in dieser zugeht, glaube ich nimmermehr, daß Leute wohnen, die

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