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Drachenklänge

Drachenklänge

Titel: Drachenklänge Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Anne McCaffrey
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abrieb, die er in warmes Wasser getaucht hatte.
    Während er schlückchenweise seine Suppe zu sich
    nahm, schälte er sich aus seinen klammen Sachen. Die wärmsten Kleidungsstücke, die sie mitgebracht hatten, wollte er Kasia anziehen. Er streifte ihr dicke Wollsocken über die Füße, die er zuvor massiert hatte, bis die Haut rosig schimmerte.
    Als das Wasser für seine Zwecke warm genug war,
    tauchte er ein Handtuch hinein und wickelte es um Kasias Waden. Ihre Haut verlor allmählich den bläu-lichen Schimmer, und indem er ihr nach und nach
    die Suppe einflößte, schien die gefährliche Unter-kühlung zu vergehen. Doch sie lag schlaff und kraftlos unter der Felldecke, und selbst das Schlucken strengte sie an.
    415
    Die Schaluppe dümpelte sanft auf den Wellen, passte sich den Wogen und der Strömung an, wurde jedoch vom Anker am Abdriften gehindert. Robinton legte sich zu Kasia in die Koje, schmiegte sich eng an sie und gestattete sich endlich den Luxus von ein paar Stunden Schlaf.
*
    Er wachte auf, weil er dringend seine volle Blase ent-leeren musste. Jede Bewegung fiel ihm schwer, und er fühlte sich benommen. Es dauerte ein Weilchen, ehe er sich erinnerte, was passiert war. Erschrocken peilte er aus dem kleinen Bullauge und entdeckte durch die wabernden Nebelschwaden die schemenhaften Konturen der Küste. Kleine Wellen klatschten gegen den Schiffsrumpf, der frei um die Ankerleine schwojte.
    Sich auf die Lippen beißend, damit er nicht vor
    Schmerzen laut stöhnte, stemmte er sich von der Koje hoch und purzelte beinahe auf den Boden. Kasia rühr-te sich nicht, aber ihr Gesicht hatte ein bisschen Farbe, und die Lippen waren nicht länger blau. Er deckte sie bis zum Kinn mit der Pelzdecke zu und stolperte den Niedergang hinauf.
    Als er die Luke öffnete, traf ihn ein Schwall eisiger, feuchter Luft. Das Deck war übersät mit Treibgut, das die Wellen angespült hatten. Hand über Hand han-gelte er sich an die Reling, wo er sich ins Wasser er-leichterte.
    Angestrengt spähte er durch den Nebel, um sich zu orientieren, doch von der Küste waren keine Details zu erkennen. Falls es sich überhaupt um eine Küsten-linie handelte. Denn viele dieser kleinen Buchten waren nichts weiter als schmale Einlässe, die das Meer in die Klippen gefressen hatte. Doch er wollte nicht un-dankbar sein. Dieser Ankerplatz hatte ihnen das Leben gerettet.
    416
    Er kraxelte wieder nach unten.
    Das Feuer war ausgegangen, die Holzkohle zu Asche verglüht. Er holte Nachschub und zündete ein neues Feuer an. Während die Flammen hochzüngelten, wärm-te er sich die Hände. Kasia bewegte sich und stöhnte, dann fing sie an zu husten. Aus Angst vor einem Fieber fühlte er ihr die Stirn, doch die Haut war kühl. Auch ihre Wangen fühlten sich kalt an. Viel zu kalt.
    Er machte Wasser heiß und stellte den Suppentopf auf das Kohlebecken. Die geringste Anstrengung erschöpfte ihn, und nach Luft ringend setzte er sich auf den Rand der Koje. Mit tiefen, langsamen Atemzügen versuchte er sich zu beruhigen. Eine Gänsehaut ließ ihn erschauern, und er merkte, dass auch er an Untertemperatur litt.
    Als das Klah fertig und die Suppe aufgewärmt war, weckte er Kasia. Da sie nicht aus eigener Kraft sitzen konnte, stopfte er ihr Kissen und die Seesäcke in den Rücken. Unruhig drehte sie den Kopf hin und her und bemühte sich vergeblich, ihren Husten zu unterdrü-
    cken. Es klang wie ein heiseres Bellen.
    »Kasia, Liebling, du musst etwas essen.«
    Sie schüttelte den Kopf und hielt die Augen geschlossen.
    Er überredete sie, die Augen zu öffnen, und dann zwang er sie, wenigstens ein paar Schluck von dem heißen Klah zu trinken. Sie bedachte ihn mit einem müden Lächeln, ehe sie den Kopf ermattet nach hinten legte und wieder einschlief.
    Schlafen war vielleicht das Beste, was sie ihren aus-gepumpten Körpern antun konnten. Er aß den Rest
    der Suppe und schlüpfte dann zu Kasia unter die Felldecke. Ihre Arme waren unnatürlich kalt, und er rubbelte sie, bis seine Kräfte versagten.
    Dann schlummerten sie beide.
*
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    Robintons Besorgnis wuchs, als er gestärkt aufwachte, Kasia indessen immer noch wie tot dalag. Ihre Lethargie erschreckte ihn. Und es wurde immer kälter. Der hölzerne Schiffsrumpf bot keinen Schutz vor der eisigen Feuchtigkeit, die durch jede Ritze kroch und ihre geschwächten Körper weiter auskühlte.
    Robinton packte Kasia in sämtliche verfügbaren
    Kleidungsstücke und erhitzte immer wieder den Kessel, den er dann, gut in Tücher

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