Eine Lüge macht noch keine Liebe! (German Edition)
wenigstens in Italien – und nicht nur dort – eine Familie mit Kindern als Norm angesehen wurde. Sie schloss aus, dass er verheiratet war, schließlich trug er keinen Ring, nicht einmal einen Schatten davon hatte sie an seinen Händen entdecken können. Das hat nichts zu bedeuten, argumentierte sie gegen sich selbst. Du trägst auch keinen und bist trotzdem verheiratet. Aber ich lebe gewissermaßen schon in Scheidung, widersprach sie sich. Und er vielleicht auch?
Wie auch immer, sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass er zu Frau und Kindern unterwegs war, wenn er sie verließ. Auch dafür schien er ihr zuviel Zeit mit ihr zu verbringen. Oder wollte sie es sich nur nicht vorstellen? Unsinn, schließlich will ich ja gar nichts von ihm. Außer mit ihm ins Bett zu gehen natürlich, ergänzte sie wahrheitsgemäß.
Jedenfalls musste sie sich eingestehen, dass es ein ganz einfaches Mittel gab, das zu klären, was sie beschäftigte: sie brauchte ihn nur zu fragen. Und wenn es dich nicht genug interessiert, um ihn zu fragen, du Dummkopf, dann ist es auch unnötig, so lange darüber nachzudenken, schloss sie ihre Betrachtungen.
Er würde sie um zwei Uhr nachmittags abholen. Angesichts ihres gähnend leeren Kühlschranks ging Lara einkaufen, dann machte sie sich noch schnell über die Waschmaschine her, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. In den nächsten Tagen wollte sie die Vorhänge waschen, nahm sie sich vor. Wenn Valerie und Bert ihr schon so großzügig das Haus überließen, sollte sie sich wenigstens mit solchen Kleinigkeiten revanchieren.
Als Alessandro vor der Tür stand, war sie gerade noch mit Anziehen fertig geworden. Er trug schwarze Hosen, ein blaues Hemd und einen schwarzen Pullover. Auch sein Mantel war schwarz. Und teuer, wie ihr geschulter Blick sofort erriet. Seine Augen reflektierten die Farbe seines Hemdes und sie gestand sich ein, dass Schwarz ihm zweifellos gut stand. Und er war verdammt attraktiv, bemerkte sie nicht zum ersten Mal.
„Nimm lieber einen Schal mit“, riet er ihr, „wir haben kalten Wind heute.“
Sie schnappte sich auch noch ein Paar Handschuhe und schloss die Tür.
„Wohin ans Meer fahren wir denn?“
„Kennst du Porto Garibaldi?“
„Hab ich schon mal gehört, aber ich war noch nie dort.“
„Schön, dann lernst du es jetzt kennen. Es ist einer der sieben Lidi di Comacchio, das sind die Strandbäder, die zwischen hier und Ravenna liegen. Du wirst sehen, es gefällt dir bestimmt.“
Er nahm nicht die Hauptstraße, sondern parallel dazu die Route entlang seichter Lagunen nach Süden. Lara, die inzwischen einiges an Informationen über die Gegend gesammelt hatte, begrüßte die karge, winterliche Vegetation an den Straßenrändern. So hatte sie Gelegenheit, die vielen Wasservögel zu beobachten, die in diesem Gebiet überwinterten. Angeblich sollte es sogar Flamingos hier geben, aber von denen war nichts zu sehen. Statt dessen begegneten ihnen jede Menge Teichhühner, verschiedene Entenarten, von denen sie auf Anhieb nur die Stockenten erkannte, Reiher und Möwen, die stillen Wasserflächen waren voll von ihnen und es mussten Tausende sein. Sie genoss es sehr, nicht selbst am Steuer zu sitzen, sondern nach Herzenslust die Umgebung betrachten zu können.
Alessandro parkte das Auto und sie schlenderten zu Fuß einen Kanal entlang, an dem ein Fischerboot nach dem anderen vor Anker lag. Der Kanal, so erklärte er ihr, sei gewissermaßen der Fischerhafen des Ortes, er führe vom offenen Meer bis hinein in die Valli di Comacchio, der letzten Brackwasserlagune, die von der Urbarmachung der Gegend noch übrig geblieben sei.
Sie folgten der Kaimauer, die entlang des Ortes bis zum Meer hinausführte und Lara war froh um Schal und Handschuhe. Er hatte Recht gehabt, ihnen wehte ein kalter Wind entgegen und sie zog ihren Mantel enger um sich. Eine befestigte Mauer mit einem betonierten Fußweg führte weit bis ins Meer hinaus, an ihm entlang standen Hütten mit den für die Gegend so typischen viereckigen Senknetzen. An ihren Ecken waren lange Seile befestigt, mit denen sie ins Wasser gelassen werden konnten. Nach einer gewissen Zeit wurden sie dann wieder heraus gezogen und mit etwas Glück fanden sich Fische oder Krebse darin.
Am Ende des Weges stand ein winzig kleiner Leuchtturm. Hier war der Wind besonders heftig und trieb Lara die Tränen in die Augen. Der Horizont vor ihnen war klar und das Meer stach scharf vom blauen Winterhimmel ab. Als Lara
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