Foundation 01: Meine Freunde, die Roboter
Sekretärin erschien mit dem Vertrag. Weill nahm ihn,
zeigte ihn Hillary und sagte: »Sherman, mein Freund, wenn Sie
nicht länger bei mir bleiben wollen, möchte ich Sie nicht
zurückhalten.«
Dann, bevor Belanger mehr als den Anfang einer entsetzt
abwehrenden Geste zuwege bringen konnte, zerriß er den Vertrag
in vier Stücke und warf sie in den Abfallschacht. »Das ist
alles.«
Hillary ergriff Weills Hände. »Danke, Mr. Weill«,
sagte er bewegt. »Sie haben mich immer sehr anständig
behandelt, und ich bin Ihnen dankbar. Es tut mir leid, daß es
so kommen mußte.«
»Es ist schon gut, mein Freund. Es ist schon gut.«
Sherman Hillary ging, immer noch Dankesworte murmelnd.
»Um Gottes willen, Boß, warum haben Sie ihn gehen
lassen?« fragte Belanger fassungslos. »Durchschauen Sie das
Spiel nicht? Er wird sofort zu Luster-Think gehen. Sie haben ihn
gekauft.«
Weill lächelte überlegen. »Irrtum, Frank. Ganz
falsch. Ich kenne den Jungen, und das wäre nicht sein Stil.
Außerdem«, fügte er trocken hinzu, »ist Ruth
eine gute Sekretärin und weiß, was sie zu bringen hat,
wenn ich den Vertrag eines Träumers verlange. Was ich hatte, war
eine zweite Ausfertigung. Der echte Vertrag liegt immer noch im Safe,
das können Sie mir glauben.«
Jesse Weill seufzte. »Ein schöner Tag! Zuerst
mußte ich mich mit einem Vater herumschlagen, um ein neues
Talent zu gewinnen, dann mit einem Regierungsbeamten, um eine Zensur
zu verhindern, dann mit Ihnen, und nun mit meinem besten
Träumer, damit er mir nicht davonläuft. Den Vater habe ich
wahrscheinlich für mich gewonnen. Bei dem Regierungsbeamten und
Ihnen weiß ich es nicht. Vielleicht ja, vielleicht nein. Aber
wenigstens bei Sherman Hillary gibt es keinen Zweifel. Er wird
wiederkommen.«
»Woher wissen Sie das?«
Weill lächelte Belanger verschmitzt zu, und ein Netzwerk
feiner Linien überzog seine Wangen. »Frank, Sie wissen, wie
man Traumgeschichten redigiert und auf den Markt bringt, und darum
glauben Sie alle Seiten dieses Geschäfts zu kennen. Aber ich
will Ihnen etwas sagen. Das wichtigste Werkzeug in unserem ganzen
Gewerbe ist der Träumer selbst. Er ist der Mann, den Sie am
besten verstehen müssen.
Machen Sie sich einmal folgendes klar, Frank: Sie oder ich, wir
können unsere Arbeit jederzeit hinwerfen. Es ist unser Job,
nicht unser Leben. Aber nicht Sherman Hillary. Wo immer er ist, was
immer er tut, er wird träumen. Solange er lebt, muß er
denken; solange er denkt, muß er träumen. Wir halten ihn
nicht gefangen, unser Vertrag ist keine eiserne Wand für ihn.
Sein eigener Schädel ist sein Gefängnis, Frank. Darum wird
er wiederkommen. Was bleibt ihm anderes übrig?«
Belanger zuckte die Achseln. »Wenn Sie damit recht haben, tut
mir der Bursche leid.«
Weill nickte. »Mir tun sie alle leid. In all den Jahren habe
ich eins gelernt: Es ist ihr Geschäft, die Leute glücklich
zu machen. Andere Leute.«
Drittes Buch
Der Zweihundertjährige
Einleitung
Hier also eine weitere Reihe von Science Fiction-Stories. Ich
sitze da und wundere mich selber, daß ich nun schon seit mehr
als einem dreiachtel Jahrhundert Science Fiction schreibe und
herausgebe. Nicht schlecht für jemanden, der lediglich zugibt,
in seiner späten Jugend zu sein – beziehungsweise knapp
über dreißig, wenn man mich festnagelt.
Ich kann mir vorstellen, daß es den Menschen, die versucht
haben, mir von Buch zu Buch und von Metier zu Metier zu folgen,
länger vorkommt. Während die Flut von Worten Jahr für
Jahr und ohne sichtliche Anzeichen von Versiegen anhält,
entstehen natürlich die merkwürdigsten
Mißverständnisse.
Vor ein paar Wochen zum Beispiel war ich auf einer Buchmesse und
signierte Bücher. Ich bekam folgende freundlich gemeinte
Bemerkungen zu hören:
»Nicht zu glauben, daß Sie noch am Leben
sind!«
»Wie machen Sie es bloß, so jung auszusehen?«
»Sind Sie wirklich nur ein Mensch?«
Dem nicht genug. In einer Kritik, die 1975 in der Dezemberausgabe
des Scientific American erschien, beschrieb man mich als
›einen ehemals in Boston lebenden Biochemiker, jetzt
Aushängeschild und Paradepferd einer New Yorker
Autorenvereinigung‹.
Du meine Güte! Autorenvereinigung? Lediglich das Paradepferd
und Aushängeschild?
So liegen die Dinge nicht. Es tut mir leid, wenn meine umfassende
Produktion es unmöglich erscheinen läßt, aber ich bin
am Leben, ich bin jung und ich bin nur ein Mensch.
Ich bin sogar jemand, der ausschließlich im
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