Foundation 01: Meine Freunde, die Roboter
der Voraussetzung,
daß Multivac, der alles, was den Menschen anging, mit
großem Geschick und sorgsam prüfte, nichts dagegen hatte.
Ein Betätigungsfeld, das der Zufriedenheit des Menschen
abträglich war, kam nicht in Frage.
Was jedoch hätte an mathematischen Spielen abträglich
sein können? Sie waren rein abstrakt, machten Bakst Spaß
und schadeten niemand.
Er rechnete nicht damit, daß die Isolation anhielt. Der
Kongreß würde ihn nicht auf Dauer isolieren. Nicht ohne
eine Verhandlung, wobei es natürlich eine andere Verhandlung
sein würde als diejenige, welche Hines über sich ergehen
lassen mußte. Die Tyrannei absoluter Gerechtigkeit eines
Multivac würde dabei wegfallen.
Trotzdem war er froh, als sie zu Ende war, und freute sich,
daß ihr Noreens Zurückkommen ein Ende gemacht hatte. Sie
kam über den Hügel, und er lief ihr strahlend entgegen. Die
fünf Jahre, die sie zusammen gewesen waren, waren
glückliche Jahre gewesen. Selbst die gelegentlichen
Zusammenkünfte mit den beiden Kindern und den zwei Enkeln
Noreens waren erfreulich gewesen.
»Danke, daß du zurückgekommen bist«, sagte
er.
»Nicht aus eigenen Stücken«, sagte sie.
Sie sah müde aus. Ihr braunes Haar war vom Wind zerzaust.
Ihre breiten Backenknochen waren rauh und von der Sonne
gebräunt.
Bakst drückte auf die Kombination für ein leichtes
Mittagessen mit Kaffee. Sie hielt ihn nicht davon ab, zögerte
jedoch, bevor sie zu essen anfing.
»Ich bin gekommen, weil ich mit dir sprechen muß«,
sagte sie. »Der Kongreß schickt mich.«
»Der Kongreß!« sagte er. »Fünfzehn
Männer und Frauen – mich inbegriffen. Selbstgewählt
und hilflos.«
»Als du noch Mitglied warst, hast du nicht so
gedacht.«
»Ich bin älter geworden und habe dazugelernt.«
»Zumindest hast du gelernt, deine Freunde zu
verraten.«
»Das war kein Verrat. Hines hat versucht, Multivac zu
zerstören. Ein idiotischer, sinnloser Versuch.«
»Du hast ihn beschuldigt.«
»Das mußte ich tun. Multivac kannte die Fakten ohne
meine Beschuldigung. Und ohne meine Beschuldigung wäre ich
mitschuldig gewesen. Das hätte Hines nichts genützt, aber
mir geschadet.«
»Ohne einen menschlichen Zeugen hätte Multivac die
Anklage fallenlassen.«
»Nicht im Falle einer Anti-Multivac-Handlung. Das war kein
Fall von illegaler Elternschaft oder von verbotener Lebensarbeit. Ich
konnte das Risiko nicht eingehen.«
»Also hast du es zugelassen, daß Simon für die
Dauer von zwei Jahren jegliche Arbeitsgenehmigung entzogen
wird.«
»Er hat es nicht anders verdient.«
»Ein tröstlicher Gedanke. Du magst das Vertrauen des
Kongresses verloren haben, hast aber das Vertrauen des Multivac
gewonnen.«
»In der Welt, so wie sie heute ist, ist das Vertrauen des
Multivac wichtig«, sagte Bakst mit ernstem Gesicht.
Er war sich plötzlich bewußt, daß er kleiner war
als Noreen.
Sie schien wütend genug zu sein, um ihn schlagen zu wollen.
Sie kniff die Lippen zusammen, bis diese fast weiß waren. Aber
sie war damals schon über achtzig – nicht mehr jung –,
und die Angewohnheit, nicht gewalttätig zu sein, war zu tief in
ihr verwurzelt.
»Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?« fragte
sie.
»Es gäbe noch eine Menge dazu zu sagen. Hast du alles
schon vergessen? Erinnerst du dich nicht mehr daran, wie es einmal
gewesen ist? Erinnerst du dich noch an das zwanzigste Jahrhundert?
Wir leben jetzt lange und in Sicherheit. Wir leben
glücklich.«
»Und wertlos.«
»Willst du in eine Welt zurückkehren, wie sie damals
gewesen ist?«
Noreen schüttelte den Kopf. »Teufelsmärchen, um uns
Angst einzujagen. Wir haben unsere Lektion gelernt. Mit der Hilfe des
Multivac sind wir durchgekommen, aber wir brauchen diese Hilfe jetzt
nicht mehr. Jede weitere Hilfe macht uns weichlich und bringt uns um.
Ohne Multivac steuern wir die Millionen von Robotern, wir leiten die Farmen, Minen und Fabriken.«
»Wie erfolgreich?«
»Erfolgreich genug. Und mit anwachsender Praxis besser. Wir
brauchen den Anreiz, sonst sterben wir.«
»Wir haben doch unsere Arbeit, Noreen«, sagte Bakst.
»Unser jeweilig selbst gewähltes
Betätigungsfeld.«
»Jeweilig selbst gewählt, solange es unwichtig ist, und
sogar das kann nach Belieben weggenommen werden, wie bei Hines. Und
was hast du schon für ein Betätigungsfeld, Ron?
Mathematische Spiele? Striche auf Papier zeichnen?
Zahlenkombinationen ausdenken?«
Bakst streckte die Hand nach ihr aus. Es war eine fast
flehentliche Geste.
»Das kann sehr wichtig
Weitere Kostenlose Bücher