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Gefaehrten der Finsternis

Titel: Gefaehrten der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chiara Strazzulla
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er sich gegen einen drohenden Gegner verteidigen. Drymn lag auf dem Boden, seine rechte Hand streckte zitternd sein Schwert nach oben. Dalman lehnte sich an einen Baumstamm, den Dolch hoch erhoben, den er gerade aus der noch warmen Leiche eines Feindes gezogen hatte.Ventel stand kampfbereit da. Die meisten von ihnen waren ihm Zweikampf die Unterlegenen gewesen und die Flucht ihrer Feinde kam ihnen wie gerufen und rettete ihnen das Leben. Fünf Zentauren waren gefallen, aber da waren noch neunundzwanzig andere gewesen und Dalman hatte sein Schwert verloren,Validen hatte eine Wunde an der Brust davongetragen,Ventel blutete an einem Handgelenk, Drymns Fingerknöchel waren aufgeschürft und schmerzten. Trotz ihrer Verluste hatten also die Zentauren keinen Grund gehabt, sich zurückzuziehen, vor allem, da ihr Stolz sie doch zu kämpfen hieß. Und trotzdem waren sie bei dem rätselhaften Ton dieses Horns verschwunden, und zwar in aller Eile.
    Was hatten die letzten Worte ihres Anführers an Ventel zu bedeuten?
     
    Drymn kam als Erster wieder zu sich und stand auf. Ungläubig sah er sich um, dann richtete er seinen Blick auf Ventel.
    »Warum sind sie verschwunden?«, fragte er verblüfft.
    »Hast du nicht das Horn gehört?« Ventel klang beinahe verärgert. »Das war ein Ruf, auch wenn ich nicht weiß, was er bedeutet. Es könnte ein Signal für Gefahr sein.Vielleicht nähert sich jemand und die Wachtposten haben Alarm gegeben und daraufhin haben sich alle zurückgezogen.«
    »Sind wir dann etwa auch in Gefahr?«, fragte Elfhall. »Was tun wir jetzt? Sollen auch wir uns schleunigst davonmachen?«
    »Davonmachen? Und wie sollen wir das anstellen?« Jetzt klang Ventels Stimme höhnisch. »Validen ist verwundet, ich ebenfalls
und wir sind alle müde. Und falls ihr es noch nicht bemerkt habt: Während wir kämpften, ist Ardir geflohen und mit unserem Gepäck verschwunden. Wo sollten wir unter diesen Umständen schon hingehen? Ich meine, nirgendwohin. Besteht Gefahr? Na gut.Wir werden sie erwarten.Wir haben keine andere Wahl.«
    »Wenigstens werden wir unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen«, sagte Dalman, der unverletzt geblieben war. Er hatte sein Schwert aufgehoben und wirkte äußerst entschlossen, seine Ehre und seinen Stolz zu verteidigen.
    »Wenn du meinst«, sagte Ventel lächelnd. »Ich für meinen Teil lege keinen besonderen Wert darauf. Ohne Pferd, ohne Gepäck, ohne Vorräte und ohne Validens Bogen, der an Ardirs Sattel hing, sind unsere Chancen, die nächsten beiden Tage zu überleben, gleich Null. In dieser Lage können wir uns auch gleich hier umbringen lassen. Das wird wenigstens schneller und schmerzloser gehen, hoffe ich.« Nach diesen Worten ließ er sich auf den Boden nieder und lehnte sich mit dem Rücken an einen Baumstumpf.
    Lyannen riss verwirrt die Augen auf. Ventels Verhalten nach seiner Heilung trieb immer seltsamere Blüten. Wenn er so weitermachte, würde er bald vollends durchdrehen. Na großartig! Das hatte ihnen jetzt gerade noch gefehlt.
    Lyannen hätte sich noch länger mit seinen Problemen beschäftigt, aber ein Geräusch in den Zweigen holte ihn jäh in die Wirklichkeit zurück. Im Gebüsch bewegte sich etwas. Vielleicht war das die Gefahr, die die Zentauren in die Flucht geschlagen hatte. Etwas, dem sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gewachsen sein würden.
    Das ist also das Ende, dachte Lyannen. Wie oft hatte er es sich ausgemalt, seit er aufgebrochen war? Sehr oft. Zu oft. Stumm bat er seinen Vater um Verzeihung, dass er sich dessen Vertrauen nicht würdig erwiesen hatte.
    Dann trat plötzlich mit geschmeidigen Bewegungen eine schlanke, elegante Gestalt zwischen den Bäumen hervor, nicht
größer als einen Meter fünfundachtzig. Sie war in einen gelben Seidenumhang mit Kapuze gehüllt und ihr hing ein Reisesack über der Schulter. Hinter ihr kam noch jemand, der dem anderen gerade bis zur Taille reichte. Ihn hüllte ein trister schwarzer Stoffmantel ein, der ihm viel zu groß war. Die Hand, die ihn auf der Brust zusammenhielt, war klein, ihre zarten Finger waren leuchtend grün.
    Der Kleine räusperte sich. »Ich bin müde, Slyman«, sagte er mit hoher Stimme. »Ich habe dir doch gesagt, wir hätten in Kalka Nadd ein Pferd kaufen sollen.«
    »Ich habe schon meine Ohrringe weggegeben, Rabba Nix«, antwortete die Gestalt in dem gelben Umhang. Dann nahm sie die Kapuze ab und wandte sich Lyannen zu. Nun strahlte der junge Ewige über das ganze Gesicht. »Und außerdem haben wir sie

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