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Gefaehrten der Finsternis

Titel: Gefaehrten der Finsternis Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Chiara Strazzulla
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Ödnis.
    »Also, dann wollen wir mal hinunter«, befahl Vandriyan, und die Truppe formierte sich zu einer ordentlichen Reihe, in der sie den Pfad hinabstiegen.
    Syrkun konnte sich rühmen, ein Meisterwerk der Architekturkunst zu sein. Zu Recht galt die Feste als unbezwingbar. Sie war riesig und glich schon fast einer kleinen Stadt; innerhalb der mächtigen Umfassungsmauern aus schwarzem Stein gab es sogar bestellte Felder. Die eigentliche Festung war dann eine Burg mit sechseckigem Grundriss, an deren Ecken jeweils ein hoher Wehrturm aufragte. An den beiden Toren, die nach Norden und Süden ausgerichtet waren, standen zahlreiche Wachen, und von den hohen Torflügeln aus gehämmertem Stahl hieß es, dass sie unzerstörbar
wären. Seit man die Festung erbaut hatte, war es noch keinem Feind gelungen, diese Tore einzureißen oder eine Bresche in die Mauern zu schlagen.
    Bei dem Gedanken daran musste Vandriyan lächeln. Die Feste war zweifellos ein solides Bauwerk und auch in militärischer Hinsicht gut geplant. Man hatte sie in grauer Vorzeit errichtet, als Krieg an der Tagesordnung war und Ewige und Sterbliche, zu dieser Zeit noch enge Verbündete, sich täglich Kämpfen stellen mussten. Syrkun war ein sicherer Ort, doch es lag nicht etwa an irgendeinem geheimnisvollen Zauber oder einer alten Macht seiner Erbauer, dass er seit Jahrtausenden von niemandem eingenommen worden war. Es lag daran, dass die Feste immer von tapferen, zu allem bereiten Männern verteidigt worden war, von großen und berühmten Helden. Männer, die für die Freiheit ihr Leben gegeben hatten. Die Besten der Ewigen und auch der Sterblichen, als die noch nicht in den Bann der Finsternis geraten waren, hatten diese Mauern mutig verteidigt. Das war der Grund, weshalb Syrkun niemals gefallen war. Und warum es jetzt das einzige wirkliche Bollwerk im gesamten Ewigen Königreich war.
    Der Verdienst lag beim Statthalter. Es hatte immer einen Statthalter an der Spitze der in Syrkun stationierten Garnison gegeben. In längst vergangenen Zeiten waren es sogar zwei gewesen, je ein Ewiger und ein Sterblicher. Statthalter wurde nur, wer über umfangreiche militärische Kenntnisse verfügte, dazu über strategische Fähigkeiten und großen Mut - jemand, der das Vaterland hingebungsvoll liebte und darüber hinaus ein wenig verrückt war. Qualitäten, die einen großen Krieger ausmachten. Unter den ehemaligen Statthaltern fanden sich viele klangvolle Namen: Sylvus der Gestrenge, Lanyan Goldklinge, Amaran der Unbesiegbare. Und der derzeitige Statthalter war ihr würdiger Nachfolger.
    Er hieß Greyannah und stammte in direkter Linie von Lanyan Goldklinge ab. Darüber hinaus war er mit der königlichen Familie
verwandt. Im Laufe der wohl zwanzig Jahrtausende seines Daseins hatte er viele Schlachten geschlagen und seine Tapferkeit hinlänglich unter Beweis gestellt. Auch Vandriyan hatte Greyannah schon einmal das Leben gerettet. Es gab zwar nicht mehr viele wahre Helden, die in diesen Zeiten der Mutlosigkeit und Verzweiflung das Königreich zu verteidigen vermochten, aber Greyannah der Statthalter zählte mit Sicherheit dazu.
    Es würde mich nicht überraschen, wenn er etwas über den Sohn des Königs wüsste, dachte Vandriyan fast schon gut gelaunt. Greyannah war ein alter Freund von ihm. Es würde bestimmt angenehm werden, ihn nach so langer Zeit wiederzusehen.
    »Halt! Wer da? Freund oder Feind?«
    Sie hatten die Tore der Festung erreicht. Zwei Wachen in ihren hellblau-silbernen Uniformen hielten ihre Lanzen nach altem Brauch bedrohlich gegen sie gerichtet. Die beiden jungen Soldaten zwangen sich, möglichst ernst und ausdruckslos zu schauen. Sie waren sehr jung, kaum älter als Lyannen und seine Freunde. Vandriyan musste lächeln, als er sah, mit welchem Eifer sie ihre Aufgabe erfüllten.
    »Steht bequem«, sagte Vandriyan sanft. Daraufhin senkten die beiden ihre Lanzen und entspannten sich ein wenig, bemühten sich aber weiterhin, entschlossen dreinzuschauen. »Wir kommen in Frieden. Niemand bedroht Syrkun... zumindest jetzt nicht.« Das Lächeln verschwand aus Vandriyans Gesicht und der heitere Ton in seiner Stimme verflog. »Und Statthalter Greyannah?«, fragte er nun ganz ernst.
    »Drinnen, Herr, er ist vollauf beschäftigt, die Verteidigung der Stadt zu planen ….«, antwortete der eine Wachtposten, und Vandriyan bemerkte, dass Mitleid in seiner Stimme mitschwang. »Der Ärmste. Die Welt ist nicht mehr dieselbe wie früher, aber er will sich das nicht

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