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Gemischte Gefühle

Gemischte Gefühle

Titel: Gemischte Gefühle Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ronald M. Hahn
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auf der ausgestreckten Hand die lac k schwarze Tonlinse dar, die Spica geschickt in die Mulde n führung ihres armbandgroßen Schallabtasters drückte.
    „ Aufgepaßt “ , spielte Krabbe den Moderator, „ es folgt das klassische Schallereignis – eine Originalaufnahme von 1978, Alltagssymphonie ! “
    Der Verkehrslärm einer Großstadt brandete mit histor i scher Klangkulisse in die metallenen Bootswände …
    Aufheulende Motoren, mahlende Räder, donnernde Züge, startende Flugzeuge.
    „ Da ist noch Leben drin! “ jubelte Spica. Andachtsvoll lauschte sie dem Kanon wummernder Dampframmen, der in regelmäßigen Intervallen von aufkreischenden Sägen ze r schnitten wurde.
    „ Eines der wenigen Beispiele von Positivvergangenheit “ , kommentierte Krabbe.
    Beim verzweifelten Gebimmel einer Fahrradklingel mu ß te das Mädchen hell auflachen. Kirchenglocken erschreckten sie. Wütendes Hundegebell versetzte sie in Entzücken.
    „ Das ist Musik, Vitalmusik, Umweltreizmusik! “
    „ Unverfälschte Sphärenakustik! “
    Das Duell zwischen mahlenden Panzerketten, Düsenbo h rern, bollernden Hubschrauberrotoren und Manöverschie ß übungen blieb ohne sicheren Sieger. In einem aufbrausenden Crescendo mischten sich alle Frequenzen zu einem Mah l strom von Lärm …
    Krabbe griff nach Spicas Armbandschallgeber und drüc k te den Stop-Knopf.
    „ He, warum schaltest du ’ s ab? “
    „ Es irritiert mich. “
    „ Du meinst, es macht dich irre? “
    „ Nein, es intensiviert etwas in mir …“ Krabbe sah an Spica vorbei.
    „ Was? Sag schon? Sinn-Sucht? “
    „ Nein, Sehnsucht, Sehnsucht nach oben. “
    Spica erschrak. „ Klemmen deine Synapsen? Du riskierst damit eine Negativmarkierung in deinem Life-Paß. “
    „ Und du? “ gab der Junge zurück.
    „ Was ich ? “
    „ Du hast dir einen Hund gewünscht, einen Hund! “ Krabbe legte seine Hände auf die schmalen Mädchenschu l tern.
    Spica staunte: „ Aber woher weißt du denn das? Du bist doch erst später an Bord gekommen. “
    „ Dein lieber Enzympartner hat es als Blitzwarnmeldung an alle Boote gegeben. “
    „ Er hat nur verantwortungswürdig gehandelt. “
    „ Hab ’ keine Angst, Goldauge. Wer wagt, gewinnt! “
    „ Fehlinformation! Wer wagt, ist verloren. “
    „ Du tickst wohl nicht richtig! “
    „ Laß uns umschalten. Sag mal, Krabbe, findest du mich eigentlich hübsch? “
    Krabbe ergriff Spicas linke Hand und spreizte zärtlich i h re Finger. „ Kein Mädchen im Monument hat so zarte, rosige Schwimmhäute wie du. “
    Spica ließ sie erschlaffen und spannte sie von neuem. Sie waren zäh und elastisch. Der Amphibia-Effekt galt als Güt e siegel ihrer Generation.
    „ Und du, Krabbe, hast die ausdrucksvollsten Kugelaugen von allen Jungen hier unten. “ Leise fügte sie hinzu: „ Die von oben kennen wir ja nicht mehr. “
    Krabbe zog Spica an sich: „ Siehst du, jetzt redest auch du wieder von oben. “
    Verstohlen drückte sie den Abspielknopf. In das Aufkre i schen von Bremsen mischten sich Presslufthämmer, schrien Martinshörner, dröhnten Motorräder, furzten Saxophone ein paar Takte Progressivjazz, hallten Überschall-Knallteppiche, heulten Sirenen und piepste nach einer winzigen Spa n nungspause ein Marylin Monroe ’ -sches Tupidampu …
    „ Aufhören! “ schrie Krabbe. „ Bitte! “
    Die plötzliche Stille in dem Bootsbungalow wirkte betä u bend.
    „ Ich mach mich jetzt besser auf die Flossen “ , brummte der Junge.
    „ Kommst du noch einmal vorbei? “
    „ Möglich. Du kannst uns ja für die Kopulationszelle vo r anmelden. “
    „ Wird gespeichert “ , versprach Spica.
    Krabbe berührte mit zwei Fingern leicht die Brust des Mädchens.
    Dann trat er an den Befehlsverteiler: „ Krabbe an Ko m mandostand – bitte mich ausschleusen zu dürfen. “
    „ Ausstiegsschacht geflutet “ , quakte es aus dem Lautspr e cher zurück. Die Hydrauliktüre schmatzte auf. Krabbe hatte erreicht, was er wollte. Die kleinen roten Pillen, die Erinn e rungswecker, lagen geborgen an seinem Herzen. Das Z i schen der Flutventile begleitete seinen Abgang.
     
    Einige Zeiteinheiten später standen sich Spica und Partner im Isometric-Trainer gegenüber. Während sie in der Trim m zelle ihr Pflichtprogramm an Spannübungen, Hebel - und Stützgriffen absolvierten, entwickelte sich zwischen ihnen folgender Dialog:
    „ Die Sache mit dem Himmel und dem Hund, ich mußte es melden. “ In der Stimme des Mannes schwang keinerlei Bedauern.
    „ Das war dein

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