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Hexer-Edition 03: Das Haus am Ende der Zeit

Hexer-Edition 03: Das Haus am Ende der Zeit

Titel: Hexer-Edition 03: Das Haus am Ende der Zeit Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Wolfgang Hohlbein
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sah, wie sich seine Haltung für einen winzigen Augenblick versteifte und sein Kopf mit einer ruckhaften Bewegung hochflog.
    »Ist irgendetwas?«, fragte ich.
    Howard antwortete nicht, sondern starrte einen Herzschlag lang die dicht gedrängt stehenden Bücher an, fuhr dann herum und eilte mit zwei, drei großen Schritten zu einem anderen Regal. Rowlf und ich beobachteten ihn verwirrt. Für mich waren die Bücher – nun, Bücher eben. Ich hatte mir nie viel aus Geschriebenem gemacht (außer aus gedruckten Zahlen auf gewissen grünen Scheinen), und konnte Howards Begeisterung für alte Schmöker nicht einmal in Ansätzen teilen. Aber ich glaubte zu spüren, dass seine Erregung einen Grund hatte.
    Schließlich, nachdem er fast zehn Minuten von einem Regal zum anderen gelaufen und kopfschüttelnd und wie ein Sabbergreis vor sich hinbrummelnd die ledernen Rücken begutachtet hatte, wandte er sich um und kam zum Tisch zurück. »Das ist phantastisch«, murmelte er. »Unglaublich.«
    »Aha«, sagte ich.
    Howard blinzelte, sog an seiner Zigarre und raffte sich zu einem entschuldigenden Lächeln auf. »Natürlich«, sagte er. »Du kannst es nicht wissen. Diese Bücher hier – das ist unglaublich.« Er setzte sich. Seine Zigarrenasche fiel auf den kostbaren Teppich, aber das schien er in seiner Erregung nicht einmal zu bemerken. »Du hast die Bücher in meinem Haus in London gesehen«, begann er. »Es ist die wahrscheinlich größte Sammlung okkulter Schriften und magischer Bücher in England – jedenfalls habe ich das bis gerade geglaubt. Aber das hier …«
    Allmählich begann ich zu begreifen. Mein Blick wanderte an den Regalen entlang, tastete über die dicht an dicht stehenden, ledergebundenen Bände … »Du meinst«, fragte ich zweifelnd, »das hier wären alles …«
    »… Bücher über Hexerei, Magie und Okkultismus«, nickte Howard. »Ja. Es sind Bände darunter, deren Originale Tausende von Jahren alt sind, Bücher, die für längst verschollen gehalten wurden. Das ist …«
    »… kein Zufall, Mister Phillips«, sagte eine Stimme von der Tür her. Howard zuckte zusammen und fuhr mit einer raschen, beinahe schuldbewussten Bewegung herum. Die Tür war wieder aufgegangen und Boldwinn war zurückgekommen, ohne dass es einer von uns bemerkt hätte. Auf seinem Gesicht lag eine Mischung von Spott und Ärger. »Sie interessieren sich für Okkultes?«
    Howard nickte hastig. »Etwas«, sagte er. »Ein … Hobby von mir.«
    »Dann werden Sie an dieser Bücherei Ihre Freude haben«, sagte Boldwinn und schloss die Tür. »Soweit ich weiß, handelt es sich ausschließlich um Bücher über Hexerei und ähnlichen Firlefanz.«
    »Soweit Sie wissen?«, vergewisserte sich Howard.
    Boldwinn nickte und kam näher. Sein Blick streifte Howards Zigarre. Zwischen seinen Brauen entstand eine steile Falte. »Einer meiner Vorfahren hat den Plunder gesammelt«, antwortete er. »Mich interessiert das alles herzlich wenig, wissen Sie? Ebensowenig wie das, was man sich über dieses Haus erzählt.«
    Ich hatte das Gefühl, Howard bei diesen Worten ein ganz kleines bisschen erbleichen zu sehen. Aber ich war mir nicht sicher.
    »Wie meinen Sie das: dieses Haus?«
    Boldwinn lächelte, aber es wirkte eher wie eine Grimasse. »Sie sind fremd hier in der Gegend, deshalb können Sie es nicht wissen, Mister Phillips«, sagte er. »Aber Sie befinden sich in einem Hexenhaus. Nicht, dass es hier spukt oder so was«, fügte er hastig hinzu, als er das Erschrecken auf Rowlfs und meinem Gesicht sah. »Aber einer meiner Vorväter stand in dem zweifelhaften Ruf, ein Hexer zu sein. Sie haben ihn bei lebendigem Leibe verbrannt, den armen Kerl.« Er lächelte kalt. »Der gleiche übrigens, der diese Bibliothek angeschafft hat. Mir selbst sind die Schwarten höchstens lästig. Ich habe schon ernsthaft erwogen, sie wegzuwerfen, um dieses Zimmer als Salon nutzen zu können.«
    »Wegwerfen?«, keuchte Howard.
    Boldwinn nickte. »Warum nicht?«
    »Aber sie sind … ein Vermögen wert. Mehr als das ganze Haus.«
    »Das bezweifle ich«, murmelte Boldwinn.
    Howard war plötzlich sehr aufgeregt. »Wenn Sie sie verkaufen wollen, Mister Boldwinn«, begann er, »dann …«
    »Das will ich bestimmt nicht«, unterbrach ihn Boldwinn. »Aber es wäre mir lieb, wenn Sie einen Aschenbecher benutzen würden, statt des Teppichs.«
    Howard fuhr schuldbewusst zusammen, ging zum Kamin und warf seine Zigarre hinein. »Verzeihen Sie«, murmelte er.
    Boldwinn winkte ab. »Schon gut. Das

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