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Hexer-Edition 16: Stirb, Hexer!

Hexer-Edition 16: Stirb, Hexer!

Titel: Hexer-Edition 16: Stirb, Hexer! Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Wolfgang Hohlbein
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sich in lässiger Haltung gegen die Wand. »Es wäre wirklich besser. Ich traue diesem Cohen nicht. Jetzt, nachdem er Robert erledigt hat, wird er alle Hebel in Bewegung setzen, dich auch noch zu kriegen.«
    »Ich geh’ runter un’ schlag ihn’ die Schädel ein!«, verkündete Rowlf. »Denen werd ich’s zeigen, uns -«
    »Nichts wirst du ihnen zeigen, Rowlf«, sagte Howard ruhig. »Darauf wartet Cohen doch nur. Du wirst etwas anderes tun.«
    »Un’ was?«
    Howard zögerte. Für einen Moment zerbrach die Maske der Beherrschung, die auf seinem Gesicht lag, und für die Dauer von zwei, drei Atemzügen war der innerliche Kampf, den er durchstand, deutlich auch seinen Zügen abzulesen. Dann gab er sich einen Ruck, ging zum Schreibtisch und kritzelte eine Adresse auf einen von Roberts Briefbögen. Rowlf kam näher und versuchte über Howards Schulter hinweg einen Blick auf das Papier zu werfen, aber Howard faltete das Blatt schnell zusammen, drehte sich herum und reichte es Rowlf. »Du gehst zu dieser Adresse«, sagte er. »Und dort fragst du nach Viktor.«
    »Viktor wer?«
    »Nur Viktor«, beharrte Howard. »Sag ihm, dass ich seine Hilfe brauche.«
    »Sonst nix?«
    »Sonst gar nichts«, antwortete Howard betont. »Sag ihm nicht, was hier geschehen ist, hörst du? Howard braucht Ihre Hilfe, das ist alles, was er wissen muss. Und«, fügte er nach sekundenlangem Zögern hinzu, »pass auf, dass dir niemand folgt. Wenn Cohens Männer sich an deine Fersen heften, schüttele sie ab – irgendwie. Aber bitte keine Gewalt.«
    Rowlf wirkte ein bisschen enttäuscht, griff aber gehorsam nach dem Blatt und verstaute es in seiner Jackentasche, während er sich mit der anderen Hand die Tränen aus dem Gesicht wischte. Ohne ein weiteres Wort verließ er den Salon. Wenige Augenblicke später hörten die beiden Männer unten die Haustür ins Schloss fallen.
    »Viktor?«, wiederholte Gray fragend, als sie allein waren. »Wer soll das sein?«
    »Ein alter Freund von mir«, antwortete Howard ausweichend. »Eigentlich kein Freund, sondern eher ein guter Bekannter. Er schuldet mir einen Gefallen.«
    »Aber du willst mir nicht sagen, welchen«, vermutete Gray. Er klang ein ganz kleines bisschen beleidigt.
    »Ganz recht, Doktor«, sagte Howard. »Je weniger Sie wissen, desto besser. Es ist nichts Ungesetzliches, wenn es das ist, was Sie befürchten.«
    »Genau das ist es, Howard«, sagte Gray ernst. »Ich fühle mich für dich und Rowlf verantwortlich. Im Augenblick seid ihr vor lauter Kummer nicht mehr ganz zurechnungsfähig, weiß du? Ich fürchte, dass du Dinge anstellst, die du hinterher bereuen würdest. Cohen wartet nur darauf, dass du ihm einen Vorwand gibst, dich in den Tower zu werfen und den Schlüssel wegzuschmeißen.«
    Howard lächelte flüchtig, wurde aber sofort wieder ernst.
    »Nur keine Sorge, Doktor«, sagte er. »Ich werde in den nächsten Tagen und Wochen ein wahrer Musterbürger sein. Ich werde nicht einmal auf den Gehsteig spucken, ohne Inspektor Cohen vorher um Erlaubnis gefragt zu haben.«
    »Das hoffe ich, Howard«, sagte Gray. »Das hoffe ich sehr.« Er seufzte, klaubte seinen Spazierstock vom Stuhl auf und deutete mit einer Kopfbewegung auf die Tür. »Wenn du mich nicht mehr brauchst …«
    »Gehen Sie ruhig, Doktor«, sagte Howard. »Im Moment können wir ja doch nichts tun.«
    Gray sah ihn noch einmal sehr zweifelnd an, dann aber wandte er sich ohne ein weiteres Wort um und ging, während sich Howard umwandte und zum Fenster treten wollte.
    Aber er führte die Bewegung nicht zu Ende, sondern blieb plötzlich mitten im Schritt stehen und starrte dorthin, wo Gray zuvor gestanden hatte.
    Es war sonderbar und Howard fand absolut keine zufrieden stellende Erklärung dafür, so sehr er sich auch anstrengte, aber Doktor Gray, der – wenn es hoch kam – hundert Pfund auf die Waage bringen mochte – hatte zwei deutliche Fußabdrücke im Parkettboden hinterlassen.
     
    Irgendetwas war nicht so glatt verlaufen, wie er es geplant hatte. Sarim wusste nicht, woher dieses Wissen kam und er hatte nicht einmal irgendeinen konkreten Anhaltspunkt dafür, dass auch nur eine Kleinigkeit schief gelaufen wäre, aber er wusste es einfach.
    Müde stemmte er sich von der staubüberzogenen Couch hoch, auf der er geschlafen hatte, fuhr sich mit der linken Hand über die Augen und wischte dabei ganz automatisch das Blut fort, das seine Schläfe bedeckte. Sofort quoll ein neuer, glitzernd-roter Tropfen aus dem winzigen Schnitt in seiner

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